Zeitung Heute : Wenn das Internet zum Wahlhelfer wird

CHRISTINA DENZ

Bosnische Flüchtlingsorganisationen tauschen Informationen zur anstehenden Wahl übers Netz ausVON CHRISTINA DENZ

Am Sonnabend finden in Bosnien-Herzegowina die ersten gesamtstaatlichen Wahlen nach Ende des Balkankrieges 1995 statt.Im Vorfeld bemühte sich gerade die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) um Aufklärung - auch per Internet.Der Wahlkampf fand indes auch in anderen Kommunikationsnetzen statt, allen voran in der Zamir-Mailbox mit Diskussionforen über die Wahlen. Immerhin multimedial wollte die OSZE aufklären.Eine Audio-Datei überbringt offizielle Grüße.Die Erklärung zur Absage der Kommunalwahlen in Bosnien-Herzegowina folgt auf dem Fuße; allerdings nur als Text-Version.In erster Linie erreicht die OSZE mit dieser Seite Organisationen für Kriegsflüchtlinge, die den Vertriebenen Wahlverfahren und Registrierung damit erklären können.Auch Parteien und Kadidaten sind auf Listen vermerkt.Einige sind mit E-Mail-Adresse verzeichnet, so daß ein direkter Kontakt über das Internet hergestellt werden kann.Neben Englisch, sind alle Seiten in der jeweiligen Muttersprache abrufbar. Die Liste der Bosnien-Informationen im Internet geht jedoch über die Wahl weit hinaus.Personensuchdienste, offizielle UNO-Seiten oder auch die zahlreichen privaten Infoseiten über die Balkan-Krise: Mit Internet-Zugang können Flüchtlinge Kontakte in die Heimat aufbauen."Allerdings", räumt Bosnienberaterin Jasmina Dulovic von der Ausländerbeauftragen des Berliner Senats ein, "haben nur wenige Flüchtlinge einen Zugang zu den Netzen." Für die Flüchtlingsberater bei Ämtern oder Hilfsorganisationen sind die Informationsberichte des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) hilfreich.Seit knapp einem halben Jahr stellt die Organisation aktuelle Ortsbeschreibungen ins Netz.Von den 112 Gemeinden Bosniens können zur Zeit die Hälfte abgefragt werden.Infrastruktur, Wasser- und Stromversorgung, Zerstörungsgrad der Gebäude und die politische Situation: für Rückkehrer wichtige Informationen, um sich vorab ein Bild zu machen."Unsere Zielgruppe sind Flüchtlinge in Europa", sagt Stefan Telöken, Sprecher des UNHCR-Büros in Bonn."Doch unser Angebot wird im Moment hauptsächlich von Organisationen abgefragt." Allerdings sind die jüngsten Daten vom Juni diesen Jahres. Bei der Zentralen Ausländerbehörde in Bielefeld zieht man deshalb Informationen aus einer anderen Netz-Quelle: dem Mailboxverbund Zamir, das das zweite wichtige Kommunikationsstandbein neben dem Internet darstellt.Ein Server in Bielefeld regelt die Verbindung zu Zahmir-Rechnern in Städten wie Zagreb, Belgrad oder Sarajevo."Durch die Mitarbeiter vor Ort können wir direkt nach Straßen, ja sogar Hausnummern fragen", sagt Dirk Vangermain von der Bosnien-Infostelle. Zamir, eigentlich ZA-Mir, das Netz "für den Frieden", entstand bereits 1992.Der Amerikaner Eric Bachman engagierte sich für den Aufbau von Mailboxen in Zagreb und Belgrad.Sein Ziel: E-Mail sollte die zerstörten Telefon- und Postverbindungen ersetzen.Nachts wurden die angesammelten Nachrichten über den Umweg Wien zwischen den Städten ausgetauscht.1994 ging das belagerte Sarajevo ans Netz.Anfang 1995, im letzten Kriegsjahr, hatte Zamir 1700 User bei fünf Mailboxen, darunter Friedensgruppen ebenso wie viele Einzelpersonen.In Bielefeld sieht man jetzt das Hauptziel des Netzwerkes in der Gestaltung des Friedens."Während des Krieges konnten wir lindern, jetzt können wir heilen", so die Betreiber des Netzes.Information über Zamir gibt die Internetseite

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