Zeitung Heute : Wenn das Landei leise schlenkert

CARLA RHODE

Hochheilige Nacht: "Amore Amore" von Leonardo PieraccioniCARLA RHODEWie so oft, hatte auch diesmal wieder ein deutscher Verleih kein glückliches Händchen bei der Umbenennung eines ausländischen Films."Amore Amore" - das versteht natürlich jeder, aber die Erwartungen werden in eine Richtung gelenkt, die dem alles andere als deftigen Film nicht gerecht wird."Il Ciclone" heißt er im Original, und tatsächlich wird die Handlung durch ein Ereignis in Gang gesetzt, das wie ein Wirbelwind durch eine beschauliche mittelitalienische Kleinstadt fegt und das ruhige, gelassene Leben quasi über Nacht durcheinanderbringt.Was wäre wohl aus dem braven Buchhalter Levante (Leonardo Pieraccioni) geworden, wenn jener Kleinbus mit fünf spanischen Flamenco-Tänzerinnen nicht auf dem väterlichen Bauernhof gestrandet wäre.Bisher hatte Levante erfolgreich jede feste Bindung abwehren können und am Traum von der großen, wahren Liebe festgehalten.Und was wäre aus seiner Schwester Selvaggia (Barbara Enrichi) geworden, deren lesbische Beziehung zur ortsansässigen Apothekerin alles andere als glücklich ist? Und was schließlich aus den übrigen Provinzlern mit ihren festgefahrenen Lebensgewohnheiten? Auf der Suche nach einem Hotel hat sich die kleine Tournee-Truppe verirrt, nun steigt eine bildschöne Tänzerin nach der anderen aus dem Bus, die Familie Quarini, alle vor dem Hoftor aufgereiht, ist starr vor Staunen über soviel märchenhafte Schönheit.Selbstverständlich könnte die Gruppe im geräumigen Haus untergebracht werden, die jungen Frauen ziehen es aber vor, im Garten unter freiem Himmel zu schlafen.Eine Nacht beginnt, in der die Kleinstadtwelt aus den Fugen gerät, in der getanzt und gesungen wird und jeder und jede sich umstandslos zu seinen Neigungen bekennt.Selvaggia, die sich in die großäugige Penelope verliebt hat, lehnt es ab, in dieser "hochheiligen Nacht" für ihr Handeln verantwortlich gemacht zu werden, und ihr liebenswert scheuer Bruder umkreist hartnäckig die anmutig im Gras liegende Caterina.Bevor das Werben endgültig erfolgreich wird, hat Pieraccioni (Regie und Drehbuch) noch ein paar witzige Handlungsschlenker eingebaut, mit denen so manche Unart seiner Landsleute sanft verspottet wird.Die Machos mit ihrem aggressiven Sexgebaren werden besonders aufs Korn genommen.Daß der Film in Italien trotzdem Erfolg hat, ist ein Beweis für die Fähigkeit der Italiener, auch über sich selbst lachen zu können. Balazs, Filmbühne Wien, Kant, Kosmos

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