Zeitung Heute : Wenn das Vertrauen verloren ist

Der Dax erreicht einen neuen Tiefstand. Bilanzskandale erschüttern die Wirtschaft, Manager stehen vor Gericht. Die Rettung aus der Krise könnte ein sehr altes Rezept bringen. / Von Rainer Hank

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Der Kapitalismus verspielt Vertrauen. Seit den Skandalen um Enron, Worldcom & Co. gerät er in Gefahr – von innen. Nachrichten über Bilanzbetrug und Tricksereien reißen nicht ab; vor einer Woche musste der niederländische AholdKonzern solche Manipulationen einräumen. Hinzu kommt: Aus den Management-Stars von gestern (von Thomas Haffa bis Klaus Esser), sind die Angeklagten von heute geworden. Weltweit stürzen die Aktienbörsen ins Bodenlose; der Dax ist auf dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren angekommen.

Alan Greenspan, der Chef der amerikanischen Notenbank, war einer der ersten, der dafür eine Erklärung anbot: fehlendes Vertrauen. Eine „ansteckende Gier“ nach Aktiengewinnen habe die Menschen während des langen Konjunkturaufschwungs der 90er Jahre erfasst, sagt Greenspan. Sie hat sich ihrer offenbar so sehr bemächtigt, dass sie dafür auch bereit waren, die Wahrheit zu korrigieren und die Welt nach ihren Wünschen zurechtzubiegen – so lange, bis alles an den Tag kam und ihre Unternehmen kollabierten. „Das reibungslose Funktionieren unserer Marktwirtschaft hängt ganz wesentlich vom gegenseitigen Vertrauen ab“, sagt Greenspan. Präsident George W. Bush legt noch ein wenig Pathos nach und nennt die Vertrauenskrise eine „Bedrohung für die Fundamente der Marktwirtschaft“.

Vertrauen als ökonomische Kategorie? Vorsicht ist angebracht. Ist es nicht hinreichend, im Sinne einer liberalen Wirtschaftsordnung, Rechtsstaatlichkeit zu garantieren, damit das Marktgeschehen als spontane Ordnung sich von alleine entwickeln kann? Mehr ist nicht erforderlich. Weil falsche Anreize das Management, die Kontrolleure und die Analysten dazu verführt haben, in eine gemeinsame Tasche zu wirtschaften, kam es zu einer Krise: Denn angestellte Manager und Kontrolleure haben sich bereichert zu Lasten der Eigentümer, der Aktionäre. Nur mit einer Korrektur der Institutionen der Unternehmenskontrolle „Corporate Governance“) – wie es jetzt auch geschieht, nicht aber durch die Beschwörung von neuem Vertrauen, wäre die Krise zu überwinden.

Warum vertrauen wir einander überhaupt? Die schlichte Antwort lautet: Weil das Leben dadurch einfacher wird. Würden wir alle unsere Handlungen mit Misstrauen beladen und mit dem Verdacht von Lüge, Missbrauch oder Opportunismus belegen, es entstünde entweder Chaos oder ein Staat vollkommener Überwachung und Kontrolle. Ein solcher Staat wäre nicht nur politischer Irrsinn, er wäre auch ökonomisch töricht: Selbst wenn es noch unternehmerischen Geist gäbe, der trotz des unterdrückenden Überwachungsklimas eine kleine Zahl von Gütern und Dienstleistungen produzierte, sie würden zur Gänze verzehrt zur Finanzierung der Überwachungsmaschinerie. Keine gute Wahl.

Schmiermittel des Systems

Und außerdem: Wird Vertrauen erwidert, zahlt es sich aus. Denn es minimiert mit jeder Wiederholung sein Risiko ein klein wenig. Wenn es das vorige Mal geklappt hat, spricht vieles dafür, dass es das nächste Mal auch funktioniert: „Trust breeds trust“. Vertrauen ist eine sich selbst verstärkende Ressource. Es wird durch fortgesetzten Konsum nicht verzehrt, sondern vermehrt.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Kenneth J. Arrow war einer der ersten, der diese eigenartige ökonomische Struktur der „Ressource“ Vertrauen beschrieben hat: „Vertrauen ist ein wichtiges Schmiermittel eines sozialen Systems. Es ist extrem effizient; es spart viel Probleme und bietet ein faires Maß der Verlässlichkeit auf das Wort anderer Menschen... Vertrauen und vergleichbare Dinge wie Loyalität und ‚die Wahrheit sagen’ sind Beispiele für etwas, was die Ökonomen ,Externalitäten’ nennen. Sie sind Güter und Rohstoffe; sie haben realen und praktischen ökonomischen Nutzen; sie erhöhen die Effizienz des Systems und tragen dazu bei, dass die Menschen mehr Güter produzieren. Aber es sind keine Rohstoffe, für welche ein Handel auf dem offenen Markt möglich oder auch nur sinnvoll wäre.“

Vertrauen gerät so in die Nachbarschaft zu den Institutionen des Rechts, die ebenfalls dafür sorgen, dass Märkte ungehindert und auf Zukunft gesichert funktionieren. Vertrauen ist ein impliziter Vertrag, freilich ohne den Vorteil des „expliziten“ juristischen Vertrags, vor Gericht einklagbar und mit Sanktionen belegbar zu sein. Ob Vertrauen deswegen auch das fragilere Verhältnis im Vergleich zur juristischen Bindung ist, kann offen bleiben. Der Vertrag wird geschützt vom Recht; das Vertrauen aber wird geschützt von der Moral. Und womöglich ist die innerliche, moralische Verpflichtung des Vertrauens, welcher den Partner beim Gewissen packt, sogar stärker als die äußerliche Verpflichtungsform des Vertrags. Das Vertrauen droht, wie der Vertrag, mit der Zukunft. Wer Vertrauen verspielt, verdirbt es sich nicht nur mit seinem Handelspartner. Er verdirbt es sich auch mit all seinen künftigen Partnern. Es ist „der Schatten der Zukunft“, der das Vertrauen zu erzwingen sucht.

Vertrauen kann sich nur dort entfalten, wo Bereiche geschaffen werden, die Raum für Vertrauen lassen. Als Grundregel kann gelten: Je bekannter, desto vertrauenserweckender, je fremder, desto mehr Misstrauen kommt auf. Ein Raum, der Vertrauen bildet und stabilisiert, ist die Familie. Die Beziehung von Eltern und Kleinkind lässt sich dabei als eine Grundform des Vertrauens beschreiben: Es ist ein Verhältnis der Abhängigkeit. Das Kind, hilflos und verletzlich, macht die Erfahrung der Verlässlichkeit. Wenn der Säugling häufig genug erlebt, dass er bekommt, was er braucht, kann er basales Vertrauen entwickeln in seine „Wirksamkeit“, in die Verlässlichkeit seines Gegenüber. Ist Vertrauen in der frühkindlichen Entwicklung aber gestört, kann dies umgekehrt zu schweren Störungen führen.

Die Orma, ein Stamm im Nordosten von Kenia, hat sogar ein fiktives Verwandtschaftssystem eingeführt, um sich gegen drohenden Vertrauensverlust zu wappnen. Den Söhnen der Orma war die Arbeit als Hirten auf den Feldern Kenias nicht mehr attraktiv genug, nachdem sich ihnen durch Bildung bessere Alternativen boten. Die Arbeit der Viehhirten setzt indes einen hohen Vertrauensvorschuss voraus, gäbe es doch für mögliche Betrüger viele Möglichkeiten, fernab der Farm auf den weiten Feldern des Landes mit den wertvollen Kühen Reißaus zu nehmen. Die Bauern sind deshalb – offenbar erfolgreich – einer drohenden Vertrauenskrise dadurch zuvorgekommen, dass sie familienfremde Landarbeiter an Sohnes statt adoptierten. Sie haben somit nach dem Zusammenbruch der realen Familienbeziehung als Wirtschaftsbeziehung fiktive Verwandtschaftsverhältnisse eingeführt und dadurch eine stabile Bindung wie ehedem aktiviert.

Neben der Familie sind es religiös oder ethnisch homogene Gruppen, in denen ein hohes Maß an Vertrauen herrscht. Besonders eindrucksvoll ist, dass im Diamantenhandel in Midtown-Manhattan noch heute die wertvollen Steine unkontrolliert von Hand zu Hand gehen, weil das Vertrauen innerhalb der Gruppe orthodox jüdischer Händler eine solche Prüfung nicht benötigt – und ein Verstoß auch sanktioniert würde.

Das Maß des Vertrauens, das in einer Gesellschaft herrscht, ist dabei von entscheidender Bedeutung für ihren ökonomischen Erfolg. Die Wirtschaftswissenschaftler Paul Zak und Stephen Knack haben in mehreren Untersuchungen gezeigt, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Vertrauen und Wachstum gibt. Wenn – wie in vielen Entwicklungsländern der Fall – weniger als 30 Prozent der Menschen einander trauen, ist auch die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Lebensumstände sich dort verbessern mit der Folge, dass die Armut größer wird: das Land kann der Falle schwindenden Vertrauens nur schwer entkommen.

Wo es kein Vertrauen gibt, dort haben die Menschen auch wenig Anreize, auf Märkten miteinander Geschäfte zu machen. Wenig Vertrauen ist ja nichts anderes als die Befürchtung, dass der Geschäftspartner die ihm erbrachte Vorleistung (Investitionen, Kredite, Eigenkapital etc.) nicht erwidern wird – er sich somit um eines möglichen eigenen Vorteils willen nicht regelgerecht verhalten wird. Dann wird aber auch niemand eine solche Vorleistung erbringen. Denn sein Geld wäre verloren. Vertrauen gehört somit zur Grammatik des Kapitalismus.

Während in Norwegen, offenbar ein besonders vertrauensvolles Volk, 65 Prozent der Menschen einander trauen, sind es in Peru nur fünf Prozent. Wie will man so etwas messen? Zak und Knack benutzen die Antworten auf zwei relativ einfache Fragen: „Den meisten Menschen kann man trauen“ und „Man kann im Umgang mit seinen Mitmenschen nicht vorsichtig genug sein“. Eine Gesellschaft gilt als um so misstrauischer, je weniger Menschen dem ersten Satz und je mehr sie dem zweiten Satz zustimmen. Im Vergleich zu Norwegen oder Peru liegen die Vereinigten Staaten (36 Prozent) oder Großbritannien (44 Prozent) im Mittelfeld.

Woher kommt es, dass das Maß des Vertrauens zwischen einzelnen Ländern variiert? Es sind fünf Bestimmungsgrößen, die das Vertrauen befördern oder behindern: Pro-Kopf-Einkommen, die faire Verteilung des Einkommens, Effizienz der öffentlichen Verwaltung, soziale Kohäsion und Bildung. Etwas salopp gesprochen, heißt das: Wem es gut geht und wer besser ausgebildet ist, der ist offenbar auch eher bereit, seinen Mitmenschen Vertrauen entgegenzubringen. Je unterlegener einer sich fühlt, umso misstrauischer wird er sein. Und je ungleicher eine Gesellschaft, umso schwerer hat sie es, Vertrauen herzustellen. Zugespitzt formuliert: Egalisierung fördert Vertrauen.

Um so dringlicher stellt sich damit die Frage, wie Vertrauen unter den Bedingungen einer global vernetzten Wirtschaft funktionieren kann. Denn die globale Ordnung ist gekennzeichnet durch Wirtschaftsbeziehungen über große Distanzen und wachsende Ungleichheit innerhalb und zwischen den Ländern. Beides sind Indikatoren, die Vertrauen schwächen. Umso wichtiger ist deshalb zunächst die Sicherung der rechtlichen Spielregeln, welche die Basisgrammatik einer globalen Weltwirtschaft definieren: offene Märkte, Abbau von Handelshemmnissen und protektionistischen Traditionen, Anerkennung der Privateigentums- und Vertragsordnung und Gültigkeit über alle Grenzen. Das klingt gut. Doch solange dieser durch das Recht gesicherten Wirtschaftsordnung – von Seattle bis Florenz – breites Misstrauen entgegenschlägt, wird sie sich nur schwer durchsetzen können. Mehr noch: die Gefahr eines Rückschlages der Globalisierung wird größer in dem Maße, in dem das nötige Vertrauen fehlt. Diese fehlende „weiche“ Voraussetzung hat aber sehr „harte“ Konsequenzen für Wachstum und Wohlstand der Menschen.

Moral und Markt

Sollte Vertrauen tatsächlich so wichtig sein, fragt sich auch: Wie entsteht es? Denn mit dem Vertrauen anzufangen, dafür gibt es keinen guten Grund. In einer Parabel David Humes spricht ein Bauer zu seinem Nachbarn: „Dein Korn ist heute reif, das meine morgen. So ist es nützlich für uns beide, dass ich heute mit dir arbeite und du mich morgen unterstützt. Ich empfinde keine Freundschaft für dich und weiß: auch du hast keine für mich. Deshalb nehme ich allein deinetwegen keine Lasten auf mich; und sollte ich mit dir arbeiten um meinetwegen, in Erwartung deiner Gegengabe, dann weiß ich, dass ich enttäuscht werde und dass ich vergeblich auf deine Gegengabe hoffe. Deshalb also lasse ich dich jetzt alleine arbeiten; du behandelst mich in der gleichen Weise. Das Wetter wechselt: Und wir beide verlieren unsere Ernte in Ermangelung gegenseitigen Vertrauens und wechselseitiger Sicherheiten.“

Erst wenn die gegenseitige Hilfe einmal hergestellt ist, wird der selbstverstärkende Wiederholungsmechanismus des Vertrauens greifen. Doch wie kommt man überhaupt ins Vertrauen hinein? Es ist das so genannte Böckenförde-Paradox (nach dem ehemaligen Verfassungsrichter Ernst Wolfgang Böckenförde), welches auch für die Begründungsgeschichte für das Vertrauen gilt: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Der liberale Staat garantiert den Rahmen für funktionierende Märkte. Rechnet er etwa mit der Gefahr, dass die Akteure mit Kartellen und Monopolen den Wettbewerb zu Lasten des Verbrauchers behindern, kann er mit seiner Autorität eine Kartellbehörde einrichten, damit der Wettbewerb ungehindert in Gang kommt. Aber eine Vertrauensbehörde? Das wäre ein Widerspruch, eben weil Vertrauen nicht erzwingbar ist.

Die moralischen Institutionen müssen somit entlehnt werden. Von woher? Neben der Familie kommt die Religion in Frage. Denn es gehört zum Glaubensbestand aller großen monotheistischen Religionen, dass Gott mit dem Vertrauen angefangen hat: durch seine Schöpfung. Nur mit einer solchen anfänglichen Vertrauens-Setzung, so die theologische Sprache, kommt Geschichte überhaupt in Gang. Weil Gott sich über die spieltheoretischen Bedenken David Humes hinwegsetzt, kann der Mensch dieses Vertrauen erwidern. Nach christlichem Glauben ist Gott sogar ein zweites Mal bereit, mit dem Vertrauen anzufangen – nachdem die Menschen Vertrauen verspielt haben.

Schöpfung und Erlösung sind die weltgeschichtlichen Anfänge einer Vertrauensdynamik. Mit anderen Worten: Am Beginn moralischer Institution steht die Religion. Die Grammatik des kapitalistischen Wirtschaftens hat religiöse Wurzeln. Diese theologische Voraussetzung einer auf Vertrauen gründenden Marktgesellschaft aber wurde längst camoufliert und seine manifesten religiösen Ursprünge verschleiert. Vertrauen hat seinen religiösen Ursprung verwischt. Es überlebt als Säkularisat.

John Maynard Keynes hat – ausweislich der Tagebücher seiner Bloomsbury-Freundin Virginia Woolf – scharfsinnig beschrieben, welchen Vorteil eine nachchristliche Gesellschaft von solchen Säkularisaten zieht. In ihrem Tagebuch notiert Virginia Woolf am 19. April 1934 unter dem Stichwort Moralität: „Keynes sagte, er werde einen Teufel tun, das Christentum zu zerstören. Denn ohne Christentum gebe es auch keine Moral. Ich fange an zu erkennen, wie viel unsere Generation, Ihre und meine, der Religion unserer Väter schulden. Die Jungen, die ohne sie aufgewachsen sind, werden nie mehr so viel vom Leben haben. Sie leben trivial, wie Hunde mit ihren Trieben. Wir aber hatten das Beste beider Welten: Wir zerstörten das Christentum und behielten seine Wohltaten.“

Die Wirtschaftsgeschichte der entwickelten Staaten hat das Lob Lord Keynes nicht beherzigt. Im Prozess von Säkularisierung und Urbanisierung ging die Religiosität zurück. Empirisch zeigte sich überall: Im Maß des wirtschaftlichen Fortschritts geht zugleich die Religiosität der Menschen zurück. Entwickelte Industriegesellschaften sind säkulare Gesellschaften. Dadurch entstand der Anschein, als ob nicht nur ein historischer, sondern auch ein logischer Zusammenhang bestünde: Religion hält die Menschen vom Diesseits ab und lenkt ihr Interesse auf das Jenseits. Sie hält sie vom Arbeiten ab und bringt sie zum Beten. Alles keine wachstumsfördernden Tätigkeiten: Religion behindert den wirtschaftlichen Erfolg.

Dass es ganz so einfach nicht ist, hat schon Max Weber gezeigt. Zumindest die protestantische Ethik war dem Geist des Kapitalismus außerordentlich zuträglich. Neuere Forschungsprojekte knüpfen jetzt wieder an Weber an. Dabei zeigt sich, dass Wirtschaftswachstum und Religiosität durchaus positiv korrelieren. Gläubigkeit ist kein Hindernis für unternehmerisches Engagement. Die Zivilreligion der Vereinigten Staaten – sie nimmt zu und nicht ab – ist der Beweis des Gegenteils.

Der religiöse Glaube weist somit eine dem Vertrauen verwandte Struktur auf. Beide Mal handelt es sich um komplexe intellektuelle Strategien zur Bewältigung der Zukunft unter den Bedingungen der Unsicherheit. Beide Mal handelt es sich um Institutionen (der Moral oder der Religion), die einen positiven Bezug zum wirtschaftlichen Wachstum vorweisen. Glaube und Vertrauen werden durch vermehrten Verbrauch nicht verzehrt, sondern vermehrt. Beide sind auf Reziprozität angelegt, verlangen aber eine Vorleistung: Einer muss anfangen, ohne dass er die Sicherheit möglicher Erwiderung hätte. Ohne dass er die Zurückweisung sanktionieren könnte. Vertrauen erweist sich somit als Säkularisat des religiösen Glaubens.

Die liberale Wirtschaft und Gesellschaft lebt von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann. Es sind dies – auch – religiöse Voraussetzungen, wie sich an der Herkunftsgeschichte des Vertrauens zeigt. Dabei offenbart sich Vertrauen als eine Ressource, die für erfolgreiches Wirtschaften verantwortlich ist und Wachstum unterstützt.

Wirtschaftlicher Erfolg ist maßgeblich abhängig von Institutionen. Doch der Blick wird üblicherweise ausschließlich auf die Institutionen des Rechts gerichtet. Das reicht nicht aus. Europa und den Vereinigten Staaten mangelt es nicht an Rechtsstaatlichkeit; gleichwohl sind Unternehmen und Märkte in Legitimationsnot geraten: in eine Krise der Moralität. Jetzt zeigt sich: Auch Vertrauen gehört zur Grammatik des Marktes. Soll diese Krise überwunden werden, müssen die Regeln dieser Grammatik erst wieder gelernt werden.

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