Zeitung Heute : Wenn der Computer sich "erkältet"

KLAUS ANGERMANN

Winterzeit - Grippezeit.Kleine, aber lästige Krankheitserreger sind dafür verantwortlich, daß die Nase ununterbrochen läuft und man sich am besten mit einer Wärmflasche im warmen Bett auskuriert.Seit 1983 der amerikanische Doktorand Fred Cohen den ersten Computervirus programmierte, sind auch die PCs vor einer Vireninfektion nicht mehr sicher: Monatlich kommen derzeit über 200 neue Viren hinzu.Viren können als Programm-Viren, Boot-Viren oder Makro-Viren auftauchen.

Die erste Gruppe ist die umfangreichste, sie macht circa 85 Prozent aller Viren aus.Diese Form versucht, ihren eigenen Programm-Code an eine ausführbare Datei anzuhängen.Wird diese nun gestartet, ruft sich das Virenprogramm und erst danach das eigentliche Programm auf.Ein solcher Virus kann nicht alleine funktionieren, er benötigt einen Wirt.Der Boot- oder System-Virus wird dagegen schon beim Starten des Computers aktiv.Er befindet sich im sogenannten Boot-Sektor, der Programmteile enthält, die beim Starten des Rechners ausgeführt werden.Wird der PC eingeschaltet, initiiert man somit auch den Virus.

Nicht minder bedrohlich ist der Makro-Virus, der sich seit Mitte der Neunziger Jahre explosionsartig verbreitet und mittlerweile gut 80 Prozent aller Schäden verursacht.Er kann relativ einfach programmiert werden und sich unabhängig vom Betriebssystem verbreiten, dabei infiziert er Daten wie beispielsweise Winword- oder Excel-Dateien.

Ein Computervirus ist ein kleines, aber raffiniertes Gebilde, das aus mehreren Teilen besteht.Nach dem Aktivieren sucht eine Infektionsroutine nach nichtinfizierten Programmen.Hat das Virus solch eine Datei gefunden, wird sein eigener Programmcode in die neue Datei kopiert.Abschließend kehrt das Programm wieder an die Stelle im Programmablauf zurück, bevor der Virus aktiv wurde.So wird unauffällig eine Datei nach der anderen infiziert.Gut programmierte Viren sind Meister der Tarnung, die unentdeckt möglichst viele Dateien infizieren.

Viren können zum Beispiel wie Trojanische Pferde unerkannt in den Rechner eindringen.Dabei kopiert der ahnungslose User infizierte Dateien auf seine Festplatte, die er für ein harmloses Programm hält.Der Makro-Virus hingegen gibt seine Virenfunktionen zum Beispiel beim Abspeichern weiter.

Gefährlich sind auch die residenten Viren, die im Speicher festsitzen und jederzeit zuschlagen können.Der Schaden kann beispielsweise darin bestehen, daß durch einen angehängten Virencodes ein Teil der Datei überschrieben wird und das Programm somit nicht mehr richtig funktioniert.Eine weitere Virenart sind polymorphe Viren, die bei jedem Start ihre Verschlüsselungstechniken wechseln und es somit den Virenscannern äußerst schwer machen.

Die Schäden durch Viren sind sehr unterschiedlich.Eines haben alle gemeinsam: Ihre Entfernung kosten den Anwender unnötige Zeit und manchmal sogar viel Geld.Dabei reicht das Wirkungsspektrum von unschädlichen Mitteilungen, die über den Bildschirm laufen, bis hin zur Programmzerstörung oder einer Neuformatierung der Festplatte.Schlimmer als ein defektes Programm ist der Verlust wichtiger Daten: Geschäftspost, private oder Kundendaten oder die letzte Steuererklärung können somit gelöscht werden.

Die meistverbreitete Infektion erfolgt über Datenträger (Disketten, CDs) oder durch Herunterladen von Programmen aus dem Internet.Bevor man eine "fremde" Diskette im eigenen Rechner benutzt, sollte sie sorgfältig geprüft werden.Da auch Disketten über einen Boot-Sektor verfügen, sollte man nur von garantiert virenfreien Boot-Disketten den Rechner starten.Bevor man neue Software ausprobiert, muß sie mittels eines Virenscanners geprüft werden.Diese Suchmaschine sollte immer auf dem aktuellsten Stand sein und regelmäßig die Festplatte nach Viren durchsuchen.

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