Zeitung Heute : Wenn der große und der kleine Fritz ins Netz gehen

KURT SAGATZ

Sport-Events haben Konjunktur, nicht nur auf der TV-Mattscheibe, sondern gleichermaßen im Internet.Millionenfache Seitenabrufe verbucht die ARD derzeit mit ihrem Internet-Angebot zur Fußball-WM und auch das Parallelangebot zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans vor wenigen Wochen wurde rege genutzt.Unter der Federführung des Saarländischen Rundfunks wird vom 11.Juli an für rund drei Wochen das nächste Mega-Ereignis multimedial an den Zuschauer gebracht, egal ob dieser nun vor seinem Fernsehgerät oder dem Computer sitzt: die Tour de France.Eigentlich geht es mit den komplementären Angeboten von TV und Internet sogar darum, die Aufmerksamkeit der Mediennutzer auf beide Plattformen zu lenken, denn zwischen den Angeboten wird durch Werbung hin- und hergeleitet.

Für das Internet werden gerade zeitbezogene Ereignisse - und damit natürlich besonders Sportveranstaltungen - immer bedeutsamer, faßt Anna Hansen, Pressereferentin der Berliner Multimedia-Agentur Pixelpark diesen Trend zusammen.Daß der Auftrag des Saarländischen Rundfunks stellvertretend für die ARD dabei an das noch junge Berliner Unternehmen ging, ist für sie von besonderer Bedeutung, denn so könne sich Pixelpark einen neuen Markt eröffnen.Für Stefan Heeke, bei der Multimedia-Schmiede für Marketing-Konzeption zuständig, stand dieser Aspekt nicht an vorderster Stelle, denn er war zusammen mit einem siebenköpfigen Team für die Realisierung des aufwendigen Tour-Projektes mitverantwortlich, das in nur zwei Monaten umgesetzt werden mußte.

Zentrales Element der Tour-Site unter der Internet-Adresse www.ardtour.de ist eine Verbindung von Hintergrundinformationen und aktueller Berichterstattung, wobei von Seiten der ARD wert darauf gelegt wurde, daß sich die beiden Angebote ergänzen und nicht gegenseitig Konkurrenz machen.So werden die Bilder von der Rennstrecke auch nicht online zu sehen sein, sondern ausschließlich über das Fernsehgerät.Dafür können über das Internet Detailinformationen zu den Etappen der Tour abgefragt werden, die allein wegen der Fülle von keinem Sportreporter über den Fernsehkanal wiedergegeben werden könnten.

Auf bewegte Bilder muß überdies auch im Internet nicht verzichtet werden, denn am Rande der Strecke sollen diverse Interviews mit Radrennfahrern und Experten stattfinden, die dann über das Netz abzurufen sind.Natürlich verfügt das Internet-Angebot auch über ein umfassendes Archiv mit ausführlichen Infos zu Teams und Strecken.Selbst die Geländetopographie läßt sich grafisch anzeigen und auch Wettbegeisterte kommen mit einem Tour-Toto auf ihre Kosten.

Daß das Web-Angebot auch von den Nutzern abgefragt wird, ist Heeke äußerst zuversichtlich.Neben Werbung im ARD-Fernsehprogramm soll dafür unter anderem eine gegenseitige Verlinkung mit der Bertelsmann-Suchmaschine Lycos sorgen.Insgesamt wird während der drei Wochen mit rund einer Million Visits - Besuchen auf der Homepage - gerechnet.Vor allem nachmittags nach Ende der Etappenrennen dürfte es heiß hergehen.Damit die Radrenn-Begeisterten dann nicht im Datenstau stehen, wurde das Angebot beim Provider Mediaways abgelegt, der auch für die richtigen Verbindungen bei AOL sorgt.

Für das redaktionelle Angebot auf den Tour-Seiten werden zwei Reporter eingesetzt, einer direkt vor Ort und ein zweiter in Paris, ausgestattet mit Fotos und Berichten der Agentur Agence France Press sowie den Berichten aus Radio und Fernsehen.Über das Internet werden die Reporter die Website in stündlichen Abständen aktualisieren und um kleine Portraits ergänzen.Hier zeigt sich übrigens, mit welch verhältnismäßig geringem technischen Aufwand dies zu realisieren ist, vorausgesetzt die Vorarbeit stimmt.Zur Ausstattung der Reporter gehört neben einem Laptop gerade einmal eine GSM-Verbindung zum Internet per Handy sowie eine Digitalkamera, mit der die elektronischen Bilder für das Internet-Angebot entstehen.Allerdings muß hierzu erwähnt werden, daß dies nur durch eine perfekte Programmierung der Internet-Seite und durch Nutzung eines speziellen Redaktionssystems auf Basis von Filemaker möglich war, die vom Tour-Partner WorldMedia in Paris beigesteuert wird.Weitere Bilder und Videos sponsert übrigens die Telekom , deren Radrennteam zu den Favoriten der Tour gehört.

Gemeinsame Klammer der Berichterstattung im Internet und über TV ist das Maskotchen Fritz, das nicht umsonst zu seinem Namen gekommen ist.Wenn beim Saarländischen Rundfunk (SR) und bei Pixelpark vom großen und kleinen Fritz gesprochen wird, die nun gemeinsam ins Netz gehen, so sind damit WDR-Intendant Fritz Pleitgen und sein Kollege vom SR, Fritz Raff, gemeint.Wann die beiden jedoch zuletzt auf einem Fahrrad gesehen worden sind, ist nicht bekannt, weder im Netz noch auf der Mattscheibe.

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