Zeitung Heute : Wenn der Navigator nach Kaviar fischt

REINHART BÜNGER

Sammlung anspruchsvoller Präsentationen im Internet / Neue Aufgaben für Web-DesignerVON REINHART BÜNGERSo groß das World Wide Web ist, so weitmaschig ist es leider auch.Heimisch wird man hier nur, wenn die Kunst das Web-Design nützlich macht.Zumal sich die Versuchsanordnung eines Computerarbeitsplatzes von der gutenbergschen Idylle - Stehpult, Papier, Tintenfaß und Feder - entfremdet hat.Die Grafiker von Web-Seiten stehen also buchstäblich vor dem Nichts.Sie müssen eine komplett neue Bildsprache buchstabieren, ein Lexikon für die Sinne erst erfinden.Die Eigenheiten des Web bestimmen dabei das Machbare.Die Determinanten sind die Ladezeiten, niedrige Bildschirmauflösung, geringe Farbtiefe, unterschiedliche Bildschirmformate und Browser-Programme.Die größte Herausforderung (und Chance) ist jedoch die Interaktivität.Sie unterscheidet das Web-Design vom Design anderer Medien grundlegend.Die linearen Zeiten sind vorbei.Homepages im Internet setzen sich aus statischen Elementen (Text und Bild) und dynamischen Elementen (Ton, Video, Animationen) zusammen. Online-Kommunikation erlaubt kein eindimensionales Verstehen mehr.Der (Web-) Designer von heute arbeitet mit Wörtern, Bildern, Tönen - und mit der Maus.Er verknüpft diese Elemente nicht mehr zu Sätzen, sondern formt sie zu losen Zusammenhängen.Aus der Verbindlichkeit wird die Option.Jedes Element kann Bedeutung tragen; jedes Format und jede Schrift, jede Farbe und jede Figur, jede Animation, jede Imagination.Kunst und Kommerz stehen mit dem Internet völlig neue Räume zur Verfügung: eine Web-Site ist nichts anders als ein öffentlicher Raum im Netz.Hier kann sich die Phantasie in alle Richtungen räkeln, ohne daß der Nutzer an Realitäten stößt - rein theoretisch.Denn praktisch gesehen, gibt es zuviele Homepages mit zuviel Text, der allzu oft hinter der Qualität der Gestaltung und Programmierung zurückbleibt.50 Millionen Seiten gibt es heute schon im Internet, die monatliche Wachstumsrate liegt bei zehn Prozent.Welche Sites sind unter semiotischen Vorzeichen also wirklich einen Besuch wert? Ein Mainzer Verlag hat zukunftsweisende Lösungen und Adressen jetzt in Kooperation mit einer internationalen Jury aus Designern, Netzspezialisten und Journalisten zusammengetragen.Die Ergebnisse wurden einem alten Medium anvertraut: dem Buch. Vierzig innovative Lösungen und Adressen werden in "Website Graphics" mit über vierhundert farbigen Webpages dargestellt, analysiert und kategorisiert.Dies alles ohne Wartezeiten, Providergebühren und Abstürze.Der Band wendet sich an alle Profis, die für sich oder ihre Kunden Webseiten komponieren wollen; er ist interessant für alle, die sich mit Grafikdesign und der Internet-Ästhetik beschäftigen.Die Website Graphics visualisieren, was der britische Star-Grafiker Neville Brody im September über "Die Zeit" bewußt machte: "Beim Web Design kommt es vor allem darauf an, wie man die Interaktion mit dem Nutzer gestaltet.Es hat mehr mit Architektur als mit Grafik zu tun." Im besten Sinne des Wortes vorbildlich ist in diesen Hinsichten der Playground des Jeans-Herstellers Joe Boxer (

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