Zeitung Heute : Wenn der Stier in die Pfeife bläst

TOULOUSE (sid).Im Glutofen von Toulouse war die Hitze dem Mann mit der Pfeife als erstem zu Kopf gestiegen: Der 40jährige John Jairo Toro ("der Stier") Rendon stellte beim 1:1 zwischen Südafrika und Dänemark mit drei Roten Karten den WM-Rekord von 1938 und 1954 ein und sicherte sich bei seinem ersten - und wohl auch letzten - großen internationalen Auftritt gleich einen Platz in der ewigen Bestenliste."Das war kein Foul, aber am Schluß hatten wir alle nur Angst vor dem Schiedsrichter", meinte Benny McCarthy zum Platzverweis von Morten Wieghorst (85.Minute)."Aber wenn ich das dem Schiedsrichter gesagt hätte, wäre ich bestimmt auch heruntergeflogen."

So sehr sich der "Stier mit der Pfeife" allerdings auch anstrengte - keine seiner Karten beeinflußte entscheidend den Spielverlauf."Diese Partie hat alle Fußballweisheit auf den Kopf gestellt", meinte ein ratloser dänischer Coach Bo Johansson: "Nach unserer schnellen Führung habe ich an ein 4:0 für uns geglaubt." Doch mit jeder Minute gewann Südafrika mehr die Oberhand: "Es muß auf dem Rasen 50 Grad heiß gewesen sein, du bekamst keine Luft mehr zum Atmen", berichtete Brian Laudrup.In der 58.Minute verließ sein Bruder Michael den Platz, Kapitän und letzter aus dem Team der "Danish Dynamites" von 1986.

Kurz zuvor hatte Benny McCarthy (52.) den Ausgleich erzielt, Michaels junger Ajax-Teamkollege, der dort noch meist auf der Bank sitzt: "Immerhin bin ich diese Saison 22 Mal eingewechselt worden." Er zirkelte den Ball durch die Beine seines großen Idols Peter Schmeichel, der nun gemeinsam mit Morten Olsen Dänemarks Rekordnationalspieler ist (102 Spiele): "Ich habe ihn schon ihn Kapstadt am Fernseher bewundert."

Es hätte ein historischer Tag für Südafrika werden können.In der 92.Minute fehlten Quinton Fortune nur Zentimeter zum großen Glück, als er aus 25 Metern die Latte traf.Es wäre im 71.Länderspiel seit 1992 der erste Sieg für Südafrika über eine europäische Mannschaft gewesen - er hätte das Tor zum Achtelfinale weit geöffnet."Heute hat die WM für uns neu begonnen, auch wenn wir zwei Punkte mehr verdient gehabt hätten", meinte Südafrikas französischer Trainer Philippe Troussier."Gegenüber dem 0:3 gegen Frankreich haben wir uns enorm gesteigert, aber die Dänen haben uns auch viel mehr Platz gelassen." Am 24.Juni will Südafrika in Bordeaux gegen Saudi-Arabien den ersten Sieg bei seinem WM-Debüt nachholen und hofft auf die zusätzliche Unterstützung des WM-Gastgebers.Dänemark braucht am selben Tag in Lyon ein Unentschieden gegen Frankreich, das bereits im Achtelfinale steht, und dem ein Punkt zum Gruppensieg reichen würde.Doch Landsmann Troussier bleibt Optimist: "Für die Franzosen steht zu viel Prestige auf dem Spiel, sie werden auf Sieg spielen."

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben