Zeitung Heute : Wenn die Datenkiller übers Modem kommen

HANS-PETER STRICKER

Virus-Epidemien werden im Computernetz gewöhnlich schnell erkanntVON HANS-PETER STRICKER

Neben dem Festplatten-Crash ist der Befall des Rechners mit einem bösartigen Virus wohl das Schlimmste, was einem Computer-Benutzer passieren kann.Ein Computer-Virus ist ein kleines Programm, das sich in einem anderen Programm versteckt und - sobald dieses aufgerufen und ausgeführt wird - selbständig in weitere Programme hineinkopiert.Das wäre, vom gestohlenen Speicherplatz abgesehen, nicht weiter tragisch, würden viele Viren nicht außerdem ein unheilvolles Werk verrichten.Das kann von lästigen Spielereien auf dem Bildschirm bis hin zum Löschen ganzer Dateien oder - größter anzunehmender Unfall - zum Formatieren der Festplatte reichen: die unwiederbringliche Vernichtung aller Daten. Wer Computer-Viren in die Welt setzt, und mit welcher Motivation, darüber läßt sich nur spekulieren.Etwa 5000 Viren sind heute bekannt, monatlich kommen nach Angaben von McAfee, dem führenden Hersteller von Anti-Viren-Programmen, mehr als hundert neue hinzu.Erst einmal erschaffen, breiten sie sich wie ein biologischer Virus aus: durch Ansteckung. Normalerweise gelangen Viren über infizierte Disketten auf einen Computer.Verhindern läßt sich das, indem man jede fremde Diskette, die man ins Laufwerk schiebt, zuerst mit einem speziellen Viren-Suchprogramm überprüft, etwa dem "Norton Anti-Virus" von Symantec oder "VirusScan" von McAScanner keinen Virus gefunden hat, kopiert man den Inhalt der Diskette auf die Festplatte. Wer ans Internet angeschlossen ist, hat neben dem Diskettenlaufwerk noch einen zweiten Eingang, durch den Viren in seinen Computer gelangen können: das Modem.Und was über das Modem ankommt, zum Beispiel ein über das World Wide Web oder mit FTP übertragenes Shareware-Programm, landet ohne Umwege sofort auf der Festplatte.Das ist solange kein Unglück, wie das unter Umständen infizierte Programm noch nicht gestartet wurde.So hat man immer noch Gelegenheit, die Datei mit dem Viren-Scanner nach möglichen Viren zu durchsuchen. Wie gründlich man beim Dateitransfer im Internet nach Viren suchen sollte, hängt entscheidend vom Anbieter ab, von dessen Server man sich ein Programm herunterlädt Seriöse Anbieter wie etwa C"Net mit der Adresse http://www.shareware.com sorgen von sich aus dafür, daß ihr Angebot virenfrei ist.Wer sicher gehen will, kann jedoch mit dem Programm WebScan von McAfee jede Datei, die virenverseucht sein könnte, durchsuchen lassen - mittlerweile sogar nach den äußerst gefährlichen Makro-Viren, wie dem berüchtigten WinWord.Concept. Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, wenn man eine Programm- oder eine WinWord-Datei als sogenanntes Attachment (Anlage) per E-Mail bekommt oder sich aus einer Newsgruppe herunterlädt.Nur wenn man weiß, daß sie sauber ist, kann man sich die eigene Virensuche sparen.E-Mail-Nachrichten selbst wie auch die HTML-Seiten des World Wide Web können keine Viren enthalten, da es sich nicht um ausführbare Programme handelt.Und selbst in den sogenannten Java-Applets können keine Viren versteckt sein: Diese kleinen Programme, die gemeinsam mit einer HTML-Seite geladen und automatisch gestartet werden, um meist als animierte Grafik auf dem Bildschirm zu erscheinen, können ohne ausdrückliche Erlaubnis nicht auf andere Dateien zugreifen.Weder eine Viren-Vermehrung noch eine Formatierung der Festplatte sind daher zu befürchten. Auch wenn das Internet als weitverzweigtes Netz die technischen Voraussetzungen für eine epidemische Verbreitung von Computerviren bietet, so verhindert es sie auch gleichzeitig.So schnell nämlich ein Virus über das Internet erst einen, dann zwei (un)schuldige Absender identifiziert.Die Netz-Gemeinde sorgt dafür.

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