Zeitung Heute : Wenn die Schüler schlauer sind als die Lehrer

FRANK LETH

Erfahrungen mit den neuen Medien in der Schule / Daheim stehen meist die besseren RechnerFRANK LETH AP."Der erfolgreiche didaktische Einsatz von Computer und Internet hängt von der Medienkompetenz der Lehrenden ab", erklärte Professor Peter Bruck von der Salzburger Fachhochschule für Telekommunikation und Multimedia kürzlich bei der Vorstellung einer Studie über "Neue Medien in der Schule" in Karlsruhe.Die Wissenschaftler stellten sich die Frage: Was passiert, wenn sieben Schulklassen samt Lehrer mit Notebooks und Internetzugang ausgestattet und miteinander vernetzt werden? Vor Beginn der Aktion im Frühjahr 1996 gaben nur 21,2 Prozent der Lehrer an, ausreichend auf die neuen Techniken vorbereitet worden zu sein. Sowohl Lehrer als auch Schüler bewerteten dann den PC-Einsatz am Anfang noch sehr positiv.Nach einer weiteren Befragung im April 1997 aber hatte sich diese Einschätzung verändert.Die meisten Lehrer beklagten das Fehlen von didaktisch guten Unterrichtsmaterialien.Viele zeigten sich mit dem einfachen Bereitstellen der Technik überfordert. "Es gab auch Kommunikationsprobleme der Lehrer untereinander", berichtete Bruck.So wußte zwar der Informatiklehrer, daß es Diskussionsforen im Internet, sogenannte Newsgroups, zur lateinischen Sprache gibt ­ nicht aber der Lateinlehrer.Ein Erfahrungsaustausch fand nicht statt.Lehrer vermißten zunehmend den Blickkontakt mit den Schülern.Alle sahen nur auf ihren Monitor. Mit dem Rollentausch von Lehrern und Schülern gingen die Lehrer unterschiedlich um."Manche Lehrkräfte setzten solche Schüler als Tutoren ein, andere verweigerten den Notebook-Einsatz aus Angst, ihre Autorität zu verlieren," berichtete Bruck.Viele Lehrer kritisierten die Ausweitung der Unterrichtsvorbereitungszeit.Manche Lehrkräfte kamen auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 70 bis 80 Stunden, zumal sie die Systempflege übernehmen mußten.Auch die Unterrichtszeit selbst verkürzte sich in einigen Klassen: Es dauert halt erst mal seine Zeit, bis alle Schüler ihr Notebook gestartet haben.Über positive Wirkungen berichteten die Lehrer bei Projektarbeiten im Team.So gestaltete etwa eine Schule ein Internet-Angebot über die Region Kärnten. Die Erfahrungen in Österreich ließen sich zum Teil auch auf deutsche Verhältnisse übertragen, sagt Joachim Brüske, Studiendirektor am

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