Zeitung Heute : „Wenn Fluchttore fehlen, müssen sie eingebaut werden“

-

Herr Danckert, Stiftung Warentest kritisiert die WMStadien, die Organisatoren sind darüber empört. Können Sie den Streit heute im Bundestag schlichten?

Ich werde es versuchen. Bisher haben die Beteiligten leider nur übereinander geredet, nicht miteinander. Es ist höchste Zeit, dass wir uns am Mittwoch im Sportausschuss des Bundestages alle an einen Tisch setzen.

Welche Konsequenzen zieht die Politik aus der Sicherheitsdebatte?

Auch wenn es dem WM-Organisationskomitee nicht leicht fällt, wird es sich nicht über die Ergebnisse der Studie hinwegsetzen können. Wenn in mehreren Stadien Fluchttore fehlen, dann müssen sie noch vor der WM eingebaut werden. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand.

Ist es nicht fatal, dass gerade die überwiegend vom Bund finanzierten Stadien in Berlin und Leipzig erhebliche Mängel haben?

Hier sollten wir dringend Abhilfe schaffen. Zunächst muss festgestellt werden, wie teuer im Olympiastadion der Einbau von Behelfsbrücken ist, über die Zuschauer bei einer Panik auf das Spielfeld flüchten können. Ich glaube, dass der Umbau höchstens einige zehntausend Euro kosten dürfte. Die sollten wir für die Sicherheit unserer WM-Gäste aufbringen. Falls sich Stadionbetreiber und lokale Organisatoren nicht einig werden, sollte die Bundesregierung die Kosten vorstrecken.

Und am Ende zahlt wieder der Steuerzahler für den Fußball drauf …

Die Sicherheit im Panikfall gehört zu einer richtigen Bauplanung dazu. Wenn es Mängel gibt, sollte der Bauherr einspringen, auch wenn es sich um den Bund handelt. Das ist normal. Ich werde das bei der Sitzung im Bundestag vorschlagen.

Werden Sie auch die Absage der WM-Eröffnungsgala besprechen?

Natürlich. Ursprünglich kam die Idee einer Eröffnungsfeier von der Bundesregierung, damals durfte das Parlament dafür 20 Millionen Euro bewilligen. Da wird man ja mal nachfragen dürfen, warum daraus nichts geworden ist, auch wenn es zuletzt ein Projekt des Fußball-Weltverbandes Fifa war.

Glauben Sie, die Fifa lässt sich vom Bundestag reinreden?

Nein, sie hat ja jetzt auch allein entschieden, sich an der Ersatzfeier am Brandenburger Tor zu beteiligen. Und auch die Regierung sollte nun ihre Zurückhaltung aufgeben. Schließlich geht es um ein Fest für Deutschland in Berlin.

Peter Danckert (SPD), 65, ist Vorsitzender des Sportausschusses des Bundestags. Das Gespräch führte Robert Ide.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben