Zeitung Heute : Wenn marokkanische Königssöhne sich danebenbenehmen

Dem neuen marokkanischen Kino ist der diesjährige Länderschwerpunkt des Forums gewidmet.Marokko beherbergt unter den Ländern des Mahgreb die derzeit aktivste und vielfältigste Filmproduktion.Auffallend ist, wie populäre Genre-Muster zur Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen eingesetzt werden.

"Les Casablancais" ("Die Leute aus Casablanca") von Abdelkader Laagta zeigt Marokko aus einer modernen Perspektive.In drei miteinander verwobenen Episoden beschreibt die Komödie die Angst der Städter vor fundamentalistischen Umtrieben und einer rückständigen, unberechenbaren Obrigkeit.Ein Buchhändler erhält einen unerwarteten Brief.Eine Paßkontrolle führt bei einer jungen Lehrerin zu einer absurden offiziellen Untersuchung.Ein Schüler wird aufgrund eines Mißverständnisses mit seinem Lehrer Opfer einer Verschwörung mit tragischem Ausgang.

Die Situation der Frauen in der mahgrebinischen Gesellschaft ist ein häufiges Motiv im marokkanischen Film."Keid ensa" ("Die List der Frauen") zeigt das Forum als Welturaufführung.Einen Film über die Gewalt gegen Frauen zu machen, wurde der einzigen in Marokko aktiven Regisseurin Farida Benlyazid angetragen.Ihre Antwort - und zugleich die Weigerung, Gewalt im Film zu inszenieren - ist die subtil feministische Adaption eines traditionellen Märchenstoffes.Lalla Aicha ist die vom Leben verwöhnte Tochter eines reichen Händlers.Eines Tages verliebt sie sich bei einem zufälligen Zusammentreffen Hals über Kopf in den Sohn des Königs.Es gefällt ihr aber überhaupt nicht und ist auch gänzlich ungewohnt für sie, daß der Junge sie von oben herab behandelt.Doch Lalla Aicha weiß sich zu wehren.

Ein melancholisches Roadmovie aus dem vergessenen Süden Marokkos ist Daoud Aoulad-Syads "Adieu Forain" ("Adieu Schausteller").Rabii ("Frühling"), ein junger Tänzer und Transvestit, wird von Kacem engagiert, der seit langem mit einem Glücksspiel-Wagen durch die Lande zieht.Der kranke Schausteller flieht vor einer dunklen Vergangenheit.Und dann ist da noch Kacems Sohn, der gewalttätige Larbi, der ehemaliger Boxer und Sträfling; ein Phantast, der einsam endet.Die Geschichte ist eine Hommage an die letzten Schausteller in einem Land, dessen ohnehin schon schwierige Lage sich durch die Trockenheit noch verschlimmert hat.Die Erde stirbt, und die Tradition auch.

"Les Casablancais", Delphi, 11.Februar, 11 Uhr.Zoopalast, 11.Februar, 18.30 Uhr.Haus d.Kulturen d.Welt, 14.Februar, 22 Uhr.

"Keid ensa" ,Akad.d.Künste, 12.Februar, 17.15 Uhr.Delphi, 14.Februar, 11 Uhr.Haus d.Kulturen d.Welt, 17.Februar, 22 Uhr.

"Adieu Forain", Delphi, 13.Februar, 11 Uhr.Zoopalast, 13.Februar, 18.30 Uhr.Haus d.Kulturen d.Welt, 16.Februar, 22 Uhr.Babylon, 17.Februar, 19 Uhr.

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