Zeitung Heute : Wer hat, der hat

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Die Koalition debattiert auch über den Investivlohn. Was ist das – und was bewirkt er?

Mit seiner Forderung, Arbeitnehmer an Gewinn und Kapital eines Unternehmens zu beteiligen, hat Bundespräsident Horst Köhler eine Diskussion entfacht, die in Deutschland schon häufiger geführt worden ist. Allerdings hat sie bisher kaum gefruchtet. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beteiligen gerade einmal neun Prozent der Betriebe ihre Mitarbeiter am Gewinn – und nur drei Prozent am Kapital.

Bei der Gewinn- und der Kapitalbeteiligung handelt es sich um zwei unterschiedliche Modelle. Eine Kapitalbeteiligung wäre der derzeit diskutierte Investivlohn: Der Arbeitnehmer erwirbt über einen Teil seines Einkommens Anteile am Unternehmen. Das kann Vorteile für Arbeitgeber und -nehmer haben: Die Eigenkapitaldecke des Unternehmens wird gestärkt, weil Teile des Einkommens der Mitarbeiter im Betrieb verbleiben. Die Beschäftigten wiederum identifizieren sich stärker mit ihrem Unternehmen, weil sie über die Kapitalbeteiligung Mitbesitzer der Firma sind. Der Investivlohn soll der Vermögensbildung der Arbeitnehmer dienen und kann später beispielsweise zur privaten Altersvorsorge genutzt werden. Kritiker warnen allerdings davor, dass sich Mitarbeiter voll und ganz abhängig von ihrem Arbeitgeber machen. Denn sie partizipieren nicht nur am Erfolg des Unternehmens, sondern sie tragen in schlechten Zeiten auch das Risiko mit. „Man gibt nicht alle Eier in einen Korb. Das gilt ganz allgemein für die Vermögensanlage und daher auch für den Investivlohn“, sagt Michael Hüther, Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW).

Bei der Gewinnbeteiligung wird ein Teil des Lohns variabel gestaltet und dabei an den Unternehmenserfolg gekoppelt. Das hatten zum Beispiel die Arbeitgeber im Einzelhandel vorgeschlagen: Sie wollten Urlaubs- und Weihnachtsgeld an den Unternehmenserfolg binden. Die Gewerkschaft Verdi lehnte ab. Das Risiko, dass die Mitarbeiter in einer krisengeschüttelten Branche wie dem Handel dann weniger Geld bekommen, war ihnen zu groß. Denn auch bei einer erfolgsorientierten Vergütung können die Arbeitnehmer nicht nur profitieren – sie können auch leer ausgehen, wenn ein Unternehmen weniger Gewinn macht. dro

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