Zeitung Heute : Wer ist Mathias Döpfner?

Ulrike Simon

HEUTE FEIERT MATHIAS DÖPFNER SEINEN 43. GEBURTSTAG. DAHER DAS POSITIVE ZUERST: WAS MÖGEN SEINE BESTEN FREUNDE AN IHM?

„Zeige mir deine Freunde, und ich sage dir, wer du bist.“ Peter Schwenkow, Vorstandschef der Deutschen Entertainment AG, ist einer von Döpfners besten Freunden. Er sagt über ihn: „Ich schätze seinen wachen Geist, seine Loyalität, seinen Familiensinn und sein immer offenes Ohr für Probleme anderer.“ Klaus Ebert ist Chef von RTL Nord in Hamburg und lotet für die RTL-Gruppe neue Märkte in Osteuropa aus. Ihm fällt eine ganze Reihe von Vorzügen Döpfners ein. „Ich mag seinen jungenhaften Witz, seine unbefangene Lebenslust, seinen schrägen Musikgeschmack, seinen unerschütterlichen Optimismus, seinen gediegenen Weingeschmack, seine unbändige Reiselust, seine tröstliche Treue, unsere feste Freundschaft, seine sensationellen Spiegeleier und seine beeindruckende Schuhgröße.“

Wie für Döpfner wahre Freundschaft aussieht, bringt wohl jene Antwort eines weiteren Freundes am besten auf den Punkt. Er sagt: „Privat bleibt privat. Meine Freundschaft zu Mathias Döpfner werde ich nicht auf den Marktplatz tragen.“

DIE ÜBERNAHME VON PRO SIEBEN SAT 1 BIRGT RISIKEN – MANCHE SAGEN, SIE SEIEN ZU GROSS. WELCHE ROLLE SPIELT DÖPFNERS RISIKOFREUDE?

Zweifellos sind die Pläne ehrgeizig. Aus seiner Sicht liegt das wahre Risiko jedoch in der Gefahr, dass der Springer-Verlag selbst ein Übernahmekandidat werden könnte. Die Zeiten, in denen das nationale Zeitungsgeschäft in den Himmel wuchs, sind vorbei. Daher gab Döpfner früh die Parole aus, Springer müsse entweder im ausländischen Printmarkt wachsen oder ein starkes Standbein im deutschen Fernsehmarkt aufbauen. Aus der Kombination von Print- und elektronischen Inhalten erhofft er sich Synergien, um in den künftigen digitalen Märkten mitzuhalten.

Ein Spielertyp ist Döpfner nicht. Vielmehr ist er der Stratege, der das Risiko nicht scheut, so lange dieses begrenzt ist und er den Überblick behalten kann. Zu Beginn seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender war Döpfner in einer ähnlich prekären Situation wie heute. Damals war er unsicherer. Es ging um den Kampf gegen den finanziell angeschlagenen Springer-Großaktionär Leo Kirch. Plötzlich gab es einen Zeitpunkt, an dem er fürchtete, den Überblick zu verlieren. Also zog er sich einige Tage an einen abgeschiedenen Ort zurück und erzählte niemandem, wo er sich aufhielt, um sich auf diese Weise voll und ganz auf diese eine Sache zu konzentrieren.

Im Vergleich dazu zeige sich jetzt bei der Übernahme von Pro Sieben Sat 1, dass Döpfner an Selbstsicherheit und Standhaftigkeit gewonnen habe, sagen Vertraute. Noch ist das Risiko überschaubar. An die bisherigen Eigentümer von Pro Sieben Sat 1 ist noch kein Cent gezahlt worden. Springer steht es frei, jederzeit den Rückzug anzutreten.

DIE WAHRSCHEINLICHKEIT, DASS DIE FERNSEHPLÄNE PLATZEN, IST HOCH. WACKELT IN DIESEM FALL SEIN STUHL?

Wohl kaum. Der bisherige wirtschaftliche Erfolg und das Vertrauen, das ihm die Mehrheitsaktionärin Friede Springer entgegenbringt, haben seine Position gefestigt. Döpfner selbst spricht offen davon, dass er den Verlag langfristig führen will.

Für sein Image wäre der geplatzte Deal sicherlich nicht einträglich. Entsprechend reiben sich die Kritiker und Neider bereits die Hände. Sie verweisen auf seinen Misserfolg als Chefredakteur der „Wochenpost“, auf die sinkende Auflage in seiner Zeit bei der „Hamburger Morgenpost“, darauf, wie viel Geld er als Chefredakteur der „Welt“ verbrannte. Außerdem erinnern sie daran, dass Döpfner schon einmal eine große Akquisition misslang: der Kauf des „Daily Telegraph“. Allerdings hieß es lange bevor Springer damals aus dem Bietgefecht ausgeschieden war, Döpfner gehe es bei den Verhandlungen nicht zuletzt darum, mit seinen Vorstandskollegen Erfahrungen auf dem internationalen Parkett zu sammeln. Hinterher sagte er, es sei nur von Vorteil, dass Springer bei den völlig überzogenen Preisvorstellungen nicht mitgezogen ist.

Über negative Urteile sagt Döpfner, die frühen Misserfolge in seiner Laufbahn hätten ihn früh Kritik bis hin zu Aggression erfahren lassen. Er wisse, dass auch Lob oberflächlich und vergänglich sein könne.

Manche meinen auch, seine Eitelkeit treibe ihn in allzu riskante Unternehmungen. Eitel sei er nur auf eine weibliche Art, sagt Döpfner über sich und meint, am gefährlichsten sei der scheinbar Uneitle.

WARUM SOLLTE DÖPFNER DER RICHTIGE MANN FÜR SPRINGER SEIN?

Ein rein zahlenorientierter Manager würde zu dem publizistisch getriebenen und zugleich wegen seiner Geschichte und seiner Zeitungsinhalte polarisierenden Springer-Verlag ebenso wenig passen wie ein reiner Journalist. Döpfner ist beides zugleich: Er ist ein Mann des gedruckten Worts. Ein Chefredakteur amüsierte sich einmal darüber, wie Döpfner manchmal Zeitungen anschaut: als halte er ein Baby in den Händen. Andererseits hat Döpfner in seiner Zeit als Assistent bei Gruner und Jahr gelernt, dass zum Verlegersein wirtschaftliches Verständnis gehört. Mittlerweile wird ihm eine gewisse Faszination fürs Zahlenwerk nachgesagt.

Er ist aber noch aus einem anderen Grund der richtige Mann für Springer. Döpfner, der den Verlagsgründer, Axel Cäsar Springer, nie persönlich kennen gelernt hat, hat nie den Fehler gemacht, Verlegerwitwe Friede Springer zu unterschätzen. Anders als die meisten seiner Vorgänger hat er sie immer ernst genommen. Dasselbe gilt für das Andenken an ihren Mann. Eine andere Rolle spielen seine politischen Interessen und Überzeugungen, die sich mit den publizistischen Grundsätzen des Hauses decken: Döpfner, der sich selbst einen „Freiheitlichen“ nennt, interessiert sich für Israel, den Mittleren und Nahen Osten; als jemand, der zweimal in den USA lebte, ist ihm das transatlantische Verhältnis wichtig; außerdem interessiert er sich für die Bedrohung durch den islamischen Fundamentalismus, was wiederum viel mit Israel und Amerika zu tun hat.

Als seine Aufgabe betrachtet er es, bei Springer mit alten, wenn auch berechtigten Klischees aufzuräumen. Als Chefredakteur der „Welt“ holte er Redakteure aus dem linken Spektrum zur Zeitung. Vehement reagiert er auf Vorwürfe, bei Springer würde der einzelne Redakteur in seiner Arbeit noch immer von den Interessen des Konzerns gelenkt. Ein kritischer Umgang mit der Verlagsgeschichte müsse möglich sein, meint er. Vor einiger Zeit lud er Springer-Kritiker ein, Beiträge für ein Buch über den Verleger Axel Springer zu schreiben. Auch Günter Grass schrieb er einen Brief. Der lehnte ab. Wäre es nach Döpfner gegangen, hätten die Kritiker die gebotene Plattform nutzen und wohl durchaus kritischer über Springer, die Verlagsgeschichte und seinen Gründer schreiben können.

Seine politischen Reden, die Möglichkeit, über seine Funktion mit den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Eliten zu diskutieren, bringen ihm den Vorwurf ein, all zu sehr mit am großen Rad der Politik drehen zu wollen.

WOHER HOLT ER DIE KRAFT?

Mathias Döpfner ist extrem. Mit derselben Radikalität, mit der er in Höchstgeschwindigkeit arbeitet, erholt er sich auch. Ist die Arbeit getan, kann er wie auf Knopfdruck in eine andere Gedankenwelt wechseln. Vor wenigen Wochen rutschte ihm wie beiläufig der Satz heraus: „Springer ist mein Leben.“ Zugleich sagt er – oder redet es sich ein –, dass er seine Erfüllung auch darin fände, irgendwann wieder Musikkritiken zu schreiben. So wie in den 80ern bei der „FAZ“. Dieses offene Hintertürchen ermöglicht ihm, scheinbar frei und unabhängig zu sein. Kraft gibt ihm auch seine gute Laune. Andere, die unter der Last der Arbeit genervt und gestresst wirken, kann die Fröhlichkeit von Döpfner zum Wahnsinn bringen. In den unmöglichsten Situationen kann es passieren, dass er einen Lachanfall bekommt. Als Chefredakteur der „Welt“ musste er einmal sogar aus dem Konferenzraum gehen, weil er sich nicht mehr beherrschen konnte. Privat liebt er Spaziergänge durch Parkanlagen oder wilde Gärten. Er liebt die Natur, Rhododendren, Irland. Dorthin reist er regelmäßig, gern auch mit seinen besten Freunden.

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