Zeitung Heute : Wer mit ihnen redet

Antje Sirleschtov

Zurückgekehrte Touristen und die Angehörigen Vermisster brauchen vielfältige Hilfe. An wen können sie sich wenden?

Auch am achten Tag nach dem Seebeben in Südostasien werden deutlich mehr als 1000 deutsche Touristen vermisst. Ihre Zahl steigt sogar noch – und mit ihr die Zahl der Verwandten und Freunde, die sich fragen, wie sie am besten helfen können oder Gewissheit über den Verbleib ihrer Angehörigen erlangen. Die Hotline des Auswärtigen Amtes in Berlin (Telefon 030/5000-1000) sollte erste Ansprechstelle für alle sein. Dort werden die Daten der Vermissten aufgenommen und registriert. Gibt es Neuigkeiten, werden die Angehörigen informiert. Das Auswärtige Amt rät allerdings dringend, auch bei der jeweiligen örtlichen Polizeistelle eine Vermisstenmeldung abzugeben. Dort können Fotos und DNA-Material eingereicht werden, die über das Bundeskriminalamt zur Suche weitergeleitet werden.

Eine weitere Möglichkeit, um Suchmeldungen zu veröffentlichen oder Informationen zu erhalten, ist das Internet. Unter www.asienflut.de findet man wichtige Telefonnummern, auch von vor Ort, und kann mit Betroffenen in Kontakt treten. Außerdem kann man über Links zu den Tourismuszentren in Sri Lanka und Thailand Listen mit den Namen von registrierten Urlaubern einsehen. Diese Listen werden täglich aktualisiert.

Unterstützung bietet auch die Koordinierungsstelle für Katastrophenschutz Noah, eine Einrichtung des Bundes. Unter der Rufnummer 018 88 55 04 33 kann man Passagierlisten von Flügen aus den betroffenen Regionen kontrollieren lassen, um herauszufinden, ob und wann eventuell Verwandte nach Deutschland zurückkommen.

Noah kümmert sich auch um Menschen, die seelsorgerischen oder psychologischen Beistand benötigen. Und zwar bei Menschen, die aus den Katastrophenregionen zurückkommen genauso wie bei denen, die zu Hause mit der Ungewissheit leben müssen. Dazu hält die Koordinierungsstelle Kontakt zu Seelsorgern, Psychologen und Traumatologen in ganz Deutschland, deren Adressen mitgeteilt werden oder die mit einem Besuch beauftragt werden. Noah steht für die Vermittlung solcher Kontakte auch nach der Katastrophe zur Verfügung, um Hilfe bei eventuell später auftretenden Problemen zu leisten.

Ganz wichtig für alle, die zurückgekehrt sind: Man sollte sich umgehend bei der Polizei melden. Nur so können die Behörden einen Datenabgleich vornehmen und sich einen Überblick verschaffen, wie groß die Zahl der Vermissten ist. Wer noch immer Angehörige vermisst, wird sich wahrscheinlich noch länger gedulden müssen. Auch am Sonntag wies das Auswärtige Amt noch einmal darauf hin, dass die Identifizierung von Verstorbenen durch den Abgleich von Erbmaterial sehr schwierig ist und längere Zeit in Anspruch nehmen wird.

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