Zeitung Heute : Wer wenig hat, zahlt mehr

Neue Vorschriften für die Banken bringen die Zinsen für Konsumentenkredite in Bewegung

Daniel Rhee-Piening

Ende des kommenden Jahres ist es soweit. Dann werden in Deutschland die neuen Basel-II-Richtlinien gültig sein. Sie schreiben vor, wie viel Eigenkapital die Bank für einen bestimmten Kredit bereithalten muss und damit letztlich auch, wie teuer ein Kredit für einen Privathaushalt oder für ein Unternehmen wird. Dabei gilt grundsätzlich: Je schlechter die Bonität des Kunden, desto höher die Zinsen, die der Kreditnehmer künftig bezahlen muss. Wer seiner Bank hingegen plausibel machen kann, dass er den Kredit sicher und fristgerecht zurückzahlen wird, kann auf günstigere Zinssätze hoffen.

„Bei uns gibt es bereits heute starke Unterschiede bei der Kreditvergabe an Privatpersonen“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bank. Dieser Trend werde sich fortsetzen. Doch wie weit die Spreizung bei den Zinsen bereits geht, darüber schweigt der Sprecher der Deutschen Bank. Der Kunde soll es in den notwendigen Verhandlungen mit dem Kreditinstitut offenbar nicht zu einfach haben. Die Bonität des Kunden wird im Gespräch mit dem Bankberater ermittelt. Dabei spielten natürlich auch der Beruf oder ein eventuelles Wertpapierdepot eine Rolle, „aber wir gehen nicht nach Schema F vor“, sagt der Sprecher. Zudem gebe es regionale Unterschiede.

Bei Hypotheken für das Eigenheim oder die Eigentumswohnung sei es im Prinzip das Gleiche. „Es ist doch auch heute schon so: Je mehr Eigenkapital der Kunde mitbringt, desto besser sind auch die Konditionen, die wir anbieten können“, so der Sprecher. Das ausführliche Gespräch mit dem Berater lohnt also auf jeden Fall.

Die Citibank, einer der führenden Anbieter von Verbraucherkrediten, verwendet ein so genanntes Scoring (Punktesystem), um die Bonität des Kunden zu beurteilen. In die Beurteilung fließt beispielsweise ein, ob der Kunde in der Vergangenheit ein säumiger Schuldner war. „Wir prüfen gerade, ob wir dieses Scoring noch erweitern müssen“, sagt ein Sprecher. Bei dem Kreditinstitut schwankt der Zinssatz für Konsumentenkredite zwischen 6,69 Prozent und rund elf Prozent (siehe Tabelle). Hinzu kommen – wie bei den anderen bundesweit agierenden Banken – regionale Unterschiede. „Die örtlichen Konditionen werden uns im Wesentlichen von den Sparkassen vorgegeben“, räumt der Sprecher ein. Immobilienkredite gibt es bei der Citibank in Zusammenarbeit mit der BHW Bausparkasse. „Die Konditionen stehen fest“, sagt ein Sprecher der Citibank. „Wenn jedoch ein Kunde mit sehr guten Sicherheiten eine Immobilie zu 100 Prozent finanzieren will, überlegen wir zusammen mit unserem Partner, ob wir ihm die Konditionen für eine 80-Prozent-Finanzierung einräumen können.“

Bundesweit und für jeden Kunden die gleichen Konditionen hat die Allgemeine Deutsche Direktbank, die ING-Diba, wie sei seit kurzem heißt. „Wir sind noch bei der Umsetzung der Beschlüsse von Basel II“, sagt ein Sprecher, der die Voraussage wagt: „Unsere Kunden gehören vielfach zu den Besserverdienenden, vielleicht bringt Basel II ihnen sogar Vorteile.“

Bei der Berliner Sparkasse gibt es bisher keine Differenzierung nach der Bonität des privaten Kreditnehmers. „Für unsere Kunden wird sich so bald auch nichts ändern“, versichert eine Sprecherin. „Wir arbeiten bereits seit 2003 bei Verbraucherkrediten und bei Immobilienkrediten nach den Kriterien von Basel II“, sagt sie. „Weiteren Gestaltungsspielraum sehen wir derzeit nicht“, so die Sprecherin. Bei Firmenkrediten werden bereits seit dem Jahr 2002 die neuen Vorschriften angewendet. Hier könnte es durchaus zu einer größeren Differenzierung der Konditionen nach der Bonität der Kunden kommen. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam fordert von allen Kunden, die einen Konsumentenkredit aufnehmen wollen, den gleichen Zinssatz. Es gibt bis zu einem Betrag von 30000 Euro keine Unterscheidung nach Bonität, also auch kein Scoring oder Rating. „Auch in Zukunft werden wir hier wohl keine Unterschiede machen“, sagt die Sprecherin der größten Sparkasse im Berliner Umland. Genaue Zahlen liegen aber noch nicht vor.

Eine Differenzierung gibt es bereits bei Immobilienkrediten. Allerdings nicht nach der Solvenz des Kunden, sondern danach, ob das neue Haus oder die Wohnung mit 60 Prozent oder 80 Prozent beliehen werden soll. Eine Unterscheidung, die bei fast allen Kreditinstituten gemacht wird.

Die Berliner Volksbank arbeitet nach eigenen Angaben unter Hochdruck an den „Umsetzungsarbeiten“. Derzeit gebe es keine Differenzierung der Konditionen für Verbraucherkredite nach der Bonität der Kunden. Für einen Konsumentenkredit über 10000 Euro mit einer Laufzeit von 36 Monaten müssen alle Kunden derzeit einen effektiven Jahreszins von 10,85 Prozent bezahlen. Auch bei Immobilienkrediten werden derzeit keine Unterscheide gemacht.

Und wie sieht es für kleine und mittlere Unternehmen aus? Fast alle Banken bieten ein so genanntes internes Rating an. Im Gegensatz zu einem externen Rating durch eine der großen amerikanischen Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch ist dies deutlich billiger, wenn nicht sogar für den Unternehmer kostenlos. Zum Teil existieren diese Rechenmodelle zur Beurteilung der Unternehmen bereits seit rund 20 Jahren. „Wir sind da extrem weit“, heißt es beispielsweise bei der Deutschen Bank. Doch der Fragenkatalog der Banker könnte sich erweitern. Nicht mehr nur die Bilanzen aus der Vergangenheit werden interessant sein, auch die Marktchancen der Firma oder die Frage, ob die Unternehmernachfolge geregelt ist, dürften künftig eine Rolle spielen. Wer bei diesem Rating schlecht abschneidet, muss künftig mit höheren Zinsen rechnen.

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