Zeitung Heute : Wer zahlt, bestimmt - oder?

NIKOLAUS BERNAU

Podiumsdiskussion über den öffentlichen (Schloß-)BauherrenNIKOLAUS BERNAUIm Haus des ehemaligen DDR-Staatsrates ging es am Montagabend wieder einmal um den Umgang mit jenem Unort im Herzen Berlins, der einst vom Hohenzollernschloß besetzt war und heute neben dem verschlossenen "Palast der Republik" überwiegend Plunder beherbergt.In der von Senatsbaudirektorin Jakubeit veranstalteten Diskussionsreihe wurde diesmal gefragt, ob sich der "Bauherr Staat" aus der Verantwortung für Funktion und Finanzierung einer künftigen Nutzung des Ortes zurückziehen dürfe - oder nicht.Doch da alle Diskutanten der Meinung waren, er dürfe und könne auch gar nicht, wichen sie meist auf das beliebte und bekannte Fassadenspiel aus.Charakteristisch war, daß die Kubatur des Schlosses von fast allen als gegeben für einen Neubau angenommen wurde, die Schinkelsche Bauakademie und das Kommandantenhaus mental schon wieder aufgebaut und der Palast verschwunden waren.Die Ausnahme stellte "Palast"-Mitarchitekt Wolf Eisentraut dar, der zeigte, daß sich seit dem Abriß des Schlosses 1950 bereits zwei neue bauliche Schichten über den Ort gelegt hätten und nun Gelegenheit sei, neben der Rückkehr zum verlorenen städtebaulichen Bild auch über gänzlich neue Lösungen nachzudenken.Star-Architekt Hans Kollhoff hingegen erging sich in kulturpessimistischen Elegien über den Verlust des Qualitätsbewußtseins in der Demokratie.Er schlug vor, zuerst die Lustgartenfront "mit all ihren Sälen und dem ganzen Mobiliar" wiederherzustellen.Der Schloßplatz müsse der Ort "gesellschaftlicher Verschwendung" sein, über Geld dürfe hier eigentlich nicht nachgedacht werden. Mildes Kopfschütteln von Investor Klaus Groth und Bundesbauminister Klaus Töpfer.Dabei hatten beide vorher durchaus festgestellt, daß mit Sicherheit die Institutionen und Bauwerke, aber auch der laufende Betrieb nicht ohne Subventionen auskommen würden.Doch müsse man eben versuchen, in einer Public-Private Partnership die Kosten zu reduzieren."PPP" ist für Töpfer eine Möglichkeit, Interessen der Gesellschaft und des Staates mit den "Erfahrungen und natürlich auch dem Geld" privater Entwickler und Investoren zusammenzubringen.Groth forderte daher erst einmal ein tragfähiges Nutzungskonzept. Angesichts solcher Perspektiven wurde Berlins Bausenator Klemann seinem provinziellen Image gerecht und pries die in Beton gegossene neue Moskauer Erlöserkathedrale als Beispiel, wie schnell heutzutage doch die Verluste der Geschichte auszugleichen seien.Über die Kosten der Kirche sprach er nicht, schließlich hofft Kleemann für den Schloßplatz auf einen Investor "mit ausgeprägtem Hang zum Mäzenatentum". Entstehen sollen am heutigen Schloßplatz nach dem Willen von Bund und Senat mindestens ein Kongreßhaus, ein dazugehöriges Hotel, eine Bibliothek und eine neue Kunsthalle.Ein Programm, dem Eisentraut und Kollhoff vorwarfen, an jedem Ort der Stadt zu passen und nichts mit der spezifischen Geschichte und Tradition des Schlosses und des "Palastes" zu tun zu haben.Walter Rasch vom Immobilien-Entwickler "Hanseatica", der gemeinsam mit dem Architektenbüro Schüler-Witte und dem "Schloßherrn" Wilhelm von Boddien ein Projekt für die kommerzielle Füllung der Schloßfassaden entwickelt hatte, sprach von "internationalen Restaurants", "internationalen Büros", "internationalen Geschäften".Doch schließlich läuft das Investoreninteressenbekundungsverfahren noch, dem sich nach Auskunft von Senatsbaudirektorin Barbara Jakubeit im nächsten Jahr ein Architektenwettbewerb anschließen wird.

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