Zeitung Heute : Werbung

Wie ein Neu-Berliner diese Stadt erleben kann

Till Hein

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Mike Wolff

Roman und ich sind unzertrennlich wie Winnetou und Old Shatterhand. Wir haben gemeinsam die Journalistenschule beim Nachrichtenmagazin „Profil“ in Wien besucht. Meist wurden unsere Themenvorschläge mit dem Satz: „Interessiert das den Zahnarzt in Kufstein?“, abgeschmettert. So was schweißt zusammen! Und wir haben viel gelernt. Zum Beispiel: „Recherchier’n haut die G’schicht zam“ (etwa: Beim Recherchieren ist weniger oft mehr).

Man nannte Roman und mich „die Power-Twins“. Um ein Haar hätten wir die Briefbomben-Affäre aufgeklärt. Aber schließlich bestand das „rechtsextreme Netzwerk“, das wir todesmutig aufzumischen suchten, lediglich aus dem geisteskranken Herrn Fuchs.

Das mit den Power-Twins ist lange her. Aber wenn ich mal wieder bei einer Reportage nicht weiter kam, wusste ich: In Wien sitzt mein alter Blutsbruder Roman, und quält sich auch gerade.

Jetzt hat Roman den Journalismus an den Nagel gehängt. Und irgendwie hat er damit recht damit. Es ist oft frustrierend, freier Journalist zu sein. Man verdient nix und muss sich dauernd von Redakteuren mit fixem Monatsgehalt die Ohren voll heulen lassen, wie schwer die Zeiten sind, und überhaupt, der 11. September…

Roman macht jetzt Werbung. Und zwar für futuristische Telefonapparate. Dank dieser Teile werden wir unsere Gesprächspartner beim Telefonieren bald auf einem Bildschirm betrachten können. „Ned unbragdisch“ (nicht unpraktisch), sagt Roman. Tja. Wie meine Kumpels aussehen, kann ich mir eigentlich auch ohne so ein Gerät merken. Und bei manchen Experten, die ich geschäftlich anrufen muss, bin ich froh, dass ich ihre Visage nicht sehen muss.

„Aber stell Dir doch mal vor, Deine Freundin fährt für ein halbes Jahr nach Afrika“, sagt Roman leicht genervt. Super Argument, muss ich zugeben. Roman ist eben jetzt Werber. Ich hatte mal eine Freundin, die ging für ein Praktikum nach Kamerun. Nach drei Wochen war unsere Beziehung für sie gegessen. Kein Mensch braucht Romans Dödel-Telefon!

Doch seit mein Blutsbruder in der Werbung arbeitet, hat er plötzlich das nötige Kleingeld, um mich in Berlin zu besuchen. Auch nicht schlecht! Und in gewisser Weise hört es sich sogar nett an, was er vom neuen Job erzählt: Von 9 bis 17 Uhr denkt er sich Dinge wie „die Freundin in Afrika“ aus. Und dafür fließt jeden Monat ein Haufen Geld auf sein Konto.

Ich habe daher beschlossen, heute auch mal Werbung zu machen. Und zwar für den neuen Gourmet-Tempel meines Vertrauens: Die Gaststätte „Dietrich Herz“. An diesem wunderbar altmodischen Ort habe ich bereits viele schöne Tage verbracht. Im „Herz“ gibt es köstliches, nahrhaftes Frühstück für schlappe 2 Euro 50, und zwar „inklusive Heißgetränk“. Und wenn es dann langsam Abend wird, stehen unter anderem acht unterschiedliche Schnitzel für 6 Euro zur Auswahl!

Kenner bestellen aber lieber gleich den „Grillteller Dietrich Herz“. Für läppische 6 Euro sind darauf alle Fleischsorten des Hauses liebevoll angerichtet. Also: Auf zu „Herz“, das ist kein Scherz!

Gaststätte „Dietrich Herz“, Marheineckeplatz 15, Nähe U-Bahnhof Gneisenaustraße, Tel. 691 7043.

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