Zeitung Heute : Wettbewerb der Browser verebbt

PETER ZSCHUNKE (AP)

Zwei Jahre lang hat der Wettkampf um das führende Programm für das Surfen im Internet die Gemüter erhitzt.Jetzt scheint die mitunter zum "Browserkrieg" hochstilisierte Konkurrenz entschieden: Der Internet-Explorer von Microsoft wird deutlich häufiger eingesetzt als der Netscape Navigator.Nachdem Microsoft das Internet lange vernachlässigt hatte, investierte der Software-Marktführer seit Anfang 1997 massiv in die Browser-Entwicklung und wies den aufmüpfigen Konkurrenten in die Schranken.

Netscape ist von AOL aufgekauft, und der Navigator wird als freie Software von einer internationalen Programmierergemeinde, dem Mozilla-Projekt, weiterentwickelt.Derweil hat Microsoft jetzt die Beta-Version des Internet Explorer 5.0 herausgebracht.Die erneut überarbeitete Fassung soll unter anderem die Suche nach Informationen im globalen Computernetz vereinfachen.

So macht es ein neuer Suchassistent überflüssig, die Adresse eines bestimmten Suchdienstes aufzurufen.Mit einem Mausklick auf den Button "Suchen" erscheint im linken Drittel ein Fenster, das die speziellen Wünsche des Anwenders erwartet.Dabei kann ebenso nach bestimmten Web-Seiten gesucht werden wie nach E-Mail-Adressen oder Firmen-Homepages.Je nach markierter Option ruft der Browser dann eine Internet-Suchmaschine auf, deren Auswahl vom Anwender frei konfiguriert werden kann.

Wenn eine bestimmte Internet-Adresse in die dafür vorgesehene Eingabezeile getippt wird, klappt nach wenigen Buchstaben ein Fenster mit früher aufgesuchten Adressen auf, die mit diesen Anfangsbuchstaben beginnen und unter denen die Gewünschte angeklickt werden kann.Die im Browser-Cache für schnellere Darstellung gespeicherten Web-Inhalte können offline nach Adressen oder dem Tag des letzten Aufsuchens sortiert werden - dies kommt vor allem Privatanwendern zugute, die sich mit Modem ins Netz einwählen und die nach wie vor hohen Telefonkosten verringern wollen.Auch die Liste der zuletzt besuchten Web Sites kann nach Datum, Adresse oder Besuchshäufigkeit geordnet werden.Beim Speichern einer Internet-Seite können auch die zugehörigen Grafiken und anderen Elemente mitgespeichert werden.Web-Seiten bringt der neue Internet Explorer sehr flott auf den Schirm.Bei einem Geschwindigkeitstest der amerikanischen Zeitschrift PC Computing schnitt das Microsoft-Programm um zehn bis 15 Prozent besser ab als der aktuelle Netscape Navigator 4.5.Positiv fällt ein neues Download-Fenster auf, das den ankommenden Datenstrom in der Taskleiste anzeigt.So kann man während eines Downloads in einem anderen Programm arbeiten und hat die Zahl der eintrudelnden Kilobytes stets im Blick.

Angenehm ist, daß der Browser nicht mehr mit überladenen Menüleisten protzen will.So ist etwa die Channel-Leiste verschwunden, deren Angebote in den Bookmarks gelandet sind, die bei Microsoft "Favoriten" heißen.Die ebenfalls überarbeitete Bookmark-Verwaltung macht einen guten Eindruck, doch überzeugt hier auch der Navigator mit seiner Möglichkeit, eine besuchte Web-Seite mit einfachem Drag and Drop zum Lesezeichen zu machen.

Der Netscape-Browser, der zusammen mit dem E-Mail-Programm Messenger und anderen Werkzeugen das Communicator-Paket bildet, wurde unter dem zunehmenden Druck von Microsoft im Januar 1998 freigegeben.Seitdem basteln Entwickler in aller Welt unter dem Dach des Mozilla-Projekts an dem Quellcode des Programms.Der Netscape Navigator 4.5 ist die letzte Version des Browsers als Produkt der inzwischen von AOL übernommenen Firma Netscape.

Das amerikanische Marktforschungsinstitut Stat Market hat jetzt Marktanteile von 65,7 Prozent für den Internet Explorer und 32,3 Prozent für den Navigator ermittelt.Andere Messungen kommen noch zu etwas besseren Werten für Netscape, aber auch da ist der einst mit weitem Abstand führende Browser deutlich unter 50 Prozent gerutscht.Nur in einer Domäne ist der Netscape-Browser bis auf weiteres unangefochten an der Spitze: Für das auch bei Privatanwendern zunehmend beliebte Betriebssystem Linux gibt es keine Microsoft-Software.

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