Zeitung Heute : Wettbewerb zum Thema "Gegen die Internet-Propaganda der Neonazis"

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Das Internet ist für Neonazis ein wesentliches Kommunikationsmittel, das ihnen weltweite Propaganda und Verständigung ermöglicht. Aus Anlass des heutigen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus hatte das Berliner Abgeordnetenhaus einen Schülerwettbewerb ausgeschrieben, bei dem eine Website "als Antwort auf die breite neonazistische, antisemitische und rassistische Propaganda im Internet" erstellt werden sollte. Gestern stellte Parlamentspräsident Reinhard Führer die Ergebnisse vor und ehrte zwei Preisträgergruppen: Sebastian Höfer, Sven Lehmann und Matthias Schmidt aus der zehnten Klasse des Gymnasiums Steglitz sowie Raul Aguayo-Krauthausen, Pascal Becker und acht weitere Schüler eines Leistungskurses Politische Weltkunde (12. Klasse) der Schöneberger Sophie-Scholl-Oberschule.

Auch wenn man sich ein stärkeres Interesse für den Wettbewerb hätte wünschen können - nur fünf der eingereichten Arbeiten erfüllten die Kriterien -, seien die Websites der Preisträger doch eindrucksvoll, sagte Führer bei der Preisverleihung: "Vor allem ergänzen sich die Arbeiten ideal." Die Schüler der Sophie-Scholl-Oberschule boten eine Darstellung und Auseinandersetzung mit den historischen Wurzeln des Rechtsextremismus und seinen heutigen Erscheinungsweisen; demgegenüber sammelten die Schüler des Gymnasiums Steglitz Daten, Literatur, Quellen und Links zu anderen Angeboten zum Thema im Internet.

Auf der Homepage des Abgeordnetenhauses kann man seit gestern die Arbeiten der beiden Gruppen erreichen. Parlamentspräsident Führer sagte, man wolle die Reaktionen auf die Auseinandersetzung mit dem Thema sehen. So soll die Zahl der Zugriffe auf die Seiten gezählt werden. Auch besteht die Möglichkeit, selber seine Meinung kundzutun. Sollte es dabei Probleme geben, sollten sich die Schüler sofort melden, sagte Führer. Er wollte damit andeuten, dass es eventuell zu Negativreaktionen und Drohungen kommen könne.

Gut vier Wochen brauchten die 17- bis 18-jährigen Schüler der Sophie-Scholl-Schule, um ihre Website zu erstellen. Gearbeitet daran wurde vor allem außerhalb des Unterrichts und am Wochenende. Die Jungen und Mädchen setzen sich mit verschiedenen Vorurteilen gegenüber Ausländergruppen und mit der Leugnung des Holocausts auseinander, stellen rechtsextreme Parteien vor und geben Film- und Buchtipps.

Die 15 und 16 Jahre alten Steglitzer Schüler erarbeiteten ihre Website auf Anregung des Geschichts- und Sozialkundelehrers. Sie geben unter anderem Informationen über die verschiedenartigen Internet-Angebote und -Nutzungen der Neonazis.Die Schüler-Websites sind unter http:// www.parlament-berlin.de unter der Rubrik "Aktuelles" zu erreichen.

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