Zeitung Heute : Whalewatching: Sanfte Behandlung der stillen Riesen

Susanne Tenhagen

Die See ist rau. Unser kleines Boot, mit dem wir aus der Bucht von Samana hinausfahren um Buckelwale zu beobachten, schwankt beträchtlich. Die riesigen dunkelblauen Wogen türmen sich wie Hochhäuser. Das Wasser ergießt sich über uns und hinterlässt eine klebrige Salzschicht auf unserer Haut. Bald sind wir völlig durchnässt, die Augen brennen. Trotzdem starren wir gebannt auf das schwankende Blau. Hier irgendwo müssen die stillen Riesen sein. In dem Auf und Ab zwischen den Wellen ist es nicht leicht, die Fontänen, mit denen sich die Wale kurz vor dem Auftauchen ankündigen, von der aufgewühlten See zu unterscheiden.

Dass die Tiere da sind, spürt man. Sind sie jetzt direkt unter uns? Wir wissen es nicht. Und dann, nicht weit vom Boot, eine Fontäne, daneben gleich eine zweite. Langsam tauchen sie auf. Scheinbar glatt, schwarz und glänzend heben sie sich aus dem Wasser, eine Mutter und ihr Kalb. Es ist, als würden sie kurz in die Runde blicken, dann sinken sie ruhig und gelassen wieder ins Wasser. Jedes Jahr im Frühjahr kommen Tausende dieser riesigen, bis zu 15 Meter langen Tiere in die warme Bucht von Samana am östlichen Zipfel der Dominikanischen Republik. Sie kommen aus den kalten Gewässern um Grönland, Island und der Ostküste der USA, um in dem warmen Wasser der Karibik ihre Jungen zu gebären. Die "Kleinen" sind vier Meter lang und eine Tonne schwer, doch sie haben noch keine Fettschicht und würden in den Meeren des Nordens erfrieren. Um sich einen wärmenden "Mantel" zuzulegen, trinken sie täglich 190 Liter dickflüssiges Waljogurt. Die Mütter pressen es ins Wasser und die "Kleinen" schlürfen den nahrhaften Walblub einfach weg. Mehr als 45 Kilogramm legen die Kälber täglich zu. Ganz anders die Mütter, die finden hier gar keine Nahrung. Diät und Geburt, dazu noch der weite Weg bis in die warmen Gefilde - das ist eine gewaltige Kraftanstrengung. Um so vorsichtiger muss man mit den Tieren umgehen. Denn Whalewatching ist eine Touristen-Attraktion.

Vor sechs Jahren noch tummelten sich die Boote mit dramatisch wachsender Zahl in der Bucht von Samana. Den Touristen, meist Deutsche, Franzosen und Engländer, wurde von den Bootsführern nichts über die Tiere erklärt. "Aus diesen Gründen haben wir uns 1995 aus diesem Angebot zurückgezogen", erklärt Inga Schnappauff, Umweltbeauftragte von TUI, "denn der WWF hatte bei uns Druck gemacht." Holger Wesemüller, Leiter der Abteilung Meere- und Küstenschutz beim WWF sagt dazu: " Wir waren uns sicher, dass es so nicht weiter gehen konnte. Die Tiere zogen sich bereits zurück. Aber unsere Erfahrungen zeigen, dass es auch anders geht. Etwa in Costa Rica, wo die Regierung einen vorbildlichen Plan für einen nachhaltigen Tourismus entwickelt hat und nur solche Tour-Veranstalter zulässt, die ihre Angebote nach den entsprechenden Kriterien zertifizieren lassen." Der WWF suchte den Kontakt zur örtlichen Umweltschutzorganisation Cepse. Mit ihnen zusammen und mit TUI wurde festgelegt, dass nur maximal vier Boote auf einmal rausfahren dürfen, dass alle Boote per Funk verbunden sind, damit man sich auch gemeinsam zurückziehen kann. "TUI will jetzt die Ausbildung der Bootsführer sicherstellen", so Inga Schnappauff, "damit die Touristen mehr über die Wale erfahren, Cepse will die Referenten stellen." Leida Buglass, die vom Deutschen Entwicklungsdienst (DED) die Arbeit vor Ort koordiniert, erklärt: "Bei uns wird jetzt wieder Whalewatching angeboten und die TUI ist erneut mit dabei." Die engagierte Umweltschützerin freut sich über das gemeinsame Engagement von TUI und WWF und dass man vorangekommen ist. So gibt es jetzt ein großes Umweltzentrum am Hafen, das über die Wale informiert und auch die Bootseigener agieren nicht mehr unabhängig voneinander, die Zahl der Boote wurde auf 38 begrenzt. Auch ist ein Mindestabstand von den Walen einzuhalten.

Erste Erfoge sind sichtbar. Es kommen wieder mehr Wale in die Bucht und es hat den Anschein, als fühlten sie sich wohl. Die Ausflüge vom Touristenort Punta Cana aus kosten pro Person 400 Mark. Denn Samana ist nur mit einem kleinen Flugzeug günstig zu erreichen. Der Flug über die sanft geschwungenen Palmenhügel und die türkisfarbenen Buchten ist allein schon eine Attraktion.

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