Zeitung Heute : Wider die Muffel

JENS ANKER

Musik ohne Winter: Jesús Alemañy mit "Cubanisimo" im Tempodrom Zum zehnjährigen Jubiläum machte sich Tempodrom-Chefin Irene Mössinger selbst das schönste Geschenk.Mit dem diesjährigen Thema "Cubanisimo" scheint sie einen Volltreffer gelandet zu haben.Denn schon zum Auftaktkonzert am Mittwoch mußten Hunderte draußen bleiben. Die Musik der so gebeutelten kommunistischen Enklave in der Karibik hat von je her zahlreiche Anhänger in den von kalten Wintern heimgesuchten Regionen der Welt.Und mit Jesús Alemañy und seinem Projekt "Cubanismo" ist es Mössinger gelungen,den Shootingstar der lateinamerikanischen Musikszene ins Tempodrom zu holen.Vom ersten Takt an wippten und tanzten die rund 3000 Besucher mit.Daß sie nun zum ersten Mal für die "Heimatklänge" drei Mark Eintritt bezahlen mußten, hatten sie zuvor klaglos hingenommen. Es liegt ein Geheimnis in der latein- und südamerikanischen Musik.Rumba, Samba, ChaChaCha - mit scheinbar einfachen Rhythmen schaffen es die Musiker spielend, ihr Publikum in Bewegung zu setzen.Es ist die Musik, bei der die Rhythmen so keck durcheinanderpurzeln, die Schläge ihr Ziel immer knapp verfehlen, aber da, wo sie landen, stets genau richtig liegen.Miesepeter haben keine Chance, selbst Tanzschulmuffel fangen prompt an, die steifen Hüften hin und her zu wiegen. Alemañy gilt als Vertreter einer neuen Mischung alter Musiktraditionen: Son.Doch was sagen schon solche Schlagworte über Musik aus? Irgendwie synkopisch, mit viel Schlagzeug und Bläsern kommt Son daher.Aber den Zauber erklärt dies ebenso wenig, wie Swing, Blues oder der portugiesische Fado zu erklären sind.Das alles ist aber gar nicht wichtig, geht es doch darum, das Hier und Jetzt zu feiern.Und das tun der Trompeter Jesús Alemañy und seine zwölf Kollegen auf ihre unverwechselbare Art.Drei Perkussionisten, Baß, Klavier und Gitarre sorgen für die rhythmische Grundlage, die mit vier - hervorragenden - Bläsern, zwei Sängern und eben Jesús Alemañy an der Lead-Trompete komplettiert wird. Alemañy ging den Weg so vieler Trompeter seiner Heimat, allerdings sind seine Mühen am Ende von Erfolg gekrönt.Als 15jähriger stieg er in eine Son-Band ein, wie er sagt, ohne eigentlich zu wissen, was das sei.So spielte er sich durch die kubanischen Clubs ins Rampenlicht.Seit drei Jahren tourt er durch die Welt.Seit Mittwoch nun ist er auf Europa-Tournee - den Heimatklängen sei Dank.JENS ANKERJesús Alemañy und Cubanismo, noch bis zum Sonntag im Tempodrom, jeweils 21 Uhr 30, Sonntag 16 Uhr.

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