Zeitung Heute : Wie aus Schulden Chancen werden können

Der Tagesspiegel

Von Brigitte Grunert

Parlamentspräsident Walter Momper will das Abgeordnetenhaus für Zukunftsthemen öffnen. Kaum hatte er den Gedanken ausgesprochen, dass man den Blick über die Alltagspolitik hinaus weiten muss, nahm ihn Marie-Luise Weinberger vom Verein Werkstatt Deutschland beim Wort. Und so steigt am 24. April eine gemeinsame Arbeitstagung der Werkstatt und des Abgeordnetenhauses. Motto: „Agenda @ Berlin“.

Politiker und namhafte Fachleute erörtern, wie sich die Stadt zum europäischen Zentrum und zur globalen Stadt mausern kann. Nur der Regierende Bürgermeister hat abgesagt. Klaus Wowereit ließ wissen, dass er andere wichtige Termine und keine Zeit für einen Vortrag hat. Ein Grußwort überlässt er Bürgermeister Gregor Gysi. Der spricht es gerne nach Momper und dem Werkstatt-Vorsitzenden Klaus Riebschläger.

Dafür haben die Experten etwas zu sagen, Zuhörer willkommen. Im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses wird von 12 Uhr 30 bis 18 Uhr Tacheles über die Stärken und Defizite dieser Stadt geredet. Keine Show-Elemente, keine gastlichen Bufetts, das Geld ist knapp, der Landtag preußisch. Erst nach getaner Arbeit gibt es einen Abendempfang mit ein bisschen Musik, den die Investitionsbank in ihren Räumen spendiert.

Impulse sollen mit diesem Forum gesetzt werden. Unternehmens- und Verbandsvertreter aus Berlin und Brandenburg sind dabei, unter ihnen Norbert Bensel vom Daimler-Chrysler-Vorstand, Medien- und Kommunikationsberater, Verkehrsexperten und Vertreter der Kultur wie Peter Mussbach, der designierte Intendant der Staatsoper. Die Bürgermeister von Barcelona, Bremen, Farum (Dänemark) und Wien berichten über ihre eigenen originellen Erfahrungen. Farum plant seinen kommunalen Haushalt mit Bürgerbeteiligung. Preisfrage: Würden die Berliner per Volksabstimmung dem eisernern Sparwillen das Wort reden? Bremen hat seine maroden Finanzen mit Hilfe des Bundes in den Griff bekommen. Barcelona ist weit mit dem Umbau seiner Verwaltung, und Wien hat seinen Hauptstadt-Strategieplan. Die Senatoren Thilo Sarrazin (Finanzen), Ehrhart Körting (Inneres ) und Thomas Flierl (Wissenschaft, Kultur) diskutieren mit, Abgeordnete auch.

Was sind die Leitthesen? Modernsierung oder: Was Berlin lernen kann. Masterplan oder: Wie aus Schulden Chancen werden. Take-over oder: Wie aus Worten Taten werden. Werschöpfung oder: wie aus Innovationen Arbeit wird. Weichenstellungen oder: Was Berlin tun muss. In all diesen Thesen steckt das, was Wowereit, der nicht kommt, den Mentalitätswechsel nennt. Es geht um den Abschied von der Verteilungs- und Verschuldungsmentalität, um eine effiziente Verwaltung und – natürlich – um die notorischen Umsetzungsschwächen oft angekündigter Vorhaben. Am Ende wissen die Fraktionsvorsitzenden Michael Müller (SPD), Frank Steffel (CDU), Harald Wolf (PDS), Martin Lindner (FDP) und Sybill-Anka Klotz womöglich besser, was zu tun ist; sie bestreiten die letzte Diskussionsrunde.

Werkstatt Deutschland, vom einstigen Senator Riebschläger (SPD), dem letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizére (CDU), dem Theologen Richard Schröder (SPD) und Frau Weinberger, fühlt der Zeit seit 1993 den Puls. Frau Weinberger ist seither die rührige, ideenreiche Regisseurin der Werkstatt-Veranstaltungen, so zum Stand der inneren Einheit an jedem 3. Oktober, zur Fusion Berlin-Brandenburg und zur Rolle Berlins. Auch diesmal hat sie die Organisationsfäden in die Hand genommen.

Zur „Agenda@ Berlin“ erhält jeder eine Einladung, der sich rechtzeitig meldet, solange noch nicht alle Plätze ausgebucht sind. Anmeldungen bei Werkstatt Deutschland telefonisch unter 20290391 oder per Fax unter 20290231.

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