Zeitung Heute : Wie der Fiskus Reisen mitfinanziert

Ruth Bohnenkamp

Historische Romane über Auswanderer, die vor Jahrhunderten in der Ferne ihr Glück versuchten, finden großen Absatz. So etwas kann ich auch schreiben, dachte sich eine angestellte Sozialpädagogin. Obwohl sie nie ein Buch geschrieben, mit keinem Verlag gesprochen hatte, wollte sie ein Buch schreiben. Zumindest erklärte sie das bei ihrem Finanzamt. Sie hatte auch genaue Vorstellungen, wo der Roman spielen sollte. Für drei Wochen flog die Frau mit ihrem Lebensgefährten nach Australien und Neuseeland. Sie recherchierte für ihr Romanprojekt. Das konnte sie beim Finanzamt später auch belegen.

In ihrer Steuererklärung setzte sie dann zunächst die kompletten Reisekosten von 4500 Euro als vorab entstandene Betriebsausgaben an. Dazu erläuterte sie, dass sie Land und Leute kennenlernen musste, um den Roman authentisch schreiben zu können. So nicht, der Finanzbeamte zückte sofort den Rotstift. Damit gab sich die Pädagogin aber nicht zufrieden. Sie zog vor Gericht und hatte dort teilweise Erfolg (Niedersächsisches Finanzgericht, Az.: 3 K 500/08). Immerhin rund 1200 Euro – anteilige Flug- und Hotelkosten, die auf die Archivrecherche entfielen – erkannte das Gericht als Betriebsausgaben an.

Mit diesem Urteil waren weder das Finanzamt noch die Pädagogin einverstanden. Beide legten Beschwerden vor dem Bundesfinanzhof ein. Beiden Seiten erteilte der Bundesfinanzhof eine Absage. Lassen sich private und berufliche Anteile einer Reise trennen, sind die Aufwendungen anteilig anzuerkennen. Genauso, wie es die Vorinstanz richtig gemacht hatte. Ein mitreisender Lebensgefährte ist jedenfalls kein KO-Kriterium für einen anteiligen Steuerabzug ( Az.: III B 21/12). Ruth Bohnenkamp

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