Zeitung Heute : Wie die Leber ihr Fett abkriegt

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Als „riskanten Alkoholgebrauch“ bezeichnen Mediziner den täglichen Konsum von Bier, Wein oder Schnaps. Von Alkoholmissbrauch spricht man, wenn der Körper geschädigt wird. Da sich Alkohol mit dem Blut im gesamten Körper verteilt, sind nahezu alle Gewebe und Organe gefährdet. Entzündungen von Speiseröhre, Magen oder Darm können die Folge sein, ebenso Funktionsstörungen von Bauchspeicheldrüse, Nieren und sogar dem Herzen. Vor allem aber sind das Gehirn und die Leber betroffen.

Regelmäßiger Alkoholkonsum ist die häufigste Ursache der so genannten Fettleber. Werden der Leber mehr Giftstoffe zugeführt, als sie verarbeiten kann, ist sie nicht mehr in der Lage, Fett abzubauen, das wird dann eingelagert. Die Dosis unterhalb derer nicht mit einer Schädigung der Leber gerechnet werden muss, liegt nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Frauen bei zehn, für Männer bei 20 Gramm Alkohol, wobei diese Zahlen individuell stark abweichen können. Eine kleine Flasche Bier entspricht etwa 13 Gramm Alkohol.

Schränkt der Betroffene seine Trinkgewohnheiten nicht ein, geht die Fettleber in bis zu einem Drittel der Fälle in die Fettleberhepatitis über, eine entzündliche Erkrankung. Übelkeit, Fieber und Gelbsucht sind ihre Symptome. Bei weiterem Alkoholkonsum kommt es schließlich zur Leberzirrhose, dem Endstadium der alkoholbedingten Lebererkrankungen. Die Leber verhärtet und schrumpft, bis schließlich die Funktionsfähigkeit des Organs vollständig verloren geht.

Auch im Gehirn kann es zu dramatischen Schäden kommen. Tierversuche weisen darauf hin, dass der Alkohol eine große Zahl von Nervenzellen im Gehirn zerstört, insbesondere im Hippokampus, der Region, die für das Kurzzeitgedächtnis zuständig ist. Tatsächlich leiden bei vielen Alkoholikern Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit, schließlich auch Urteilskraft und Intelligenz. Die schädliche Menge ist je nach körperlicher Verfassung, Alter und Geschlecht individuell ganz verschieden. „Einen Jugendlichen in der Entwicklung können auch gelegentliche exzessive Saufgelage schon ernsthaft schädigen“, sagt der Martin Schäfer von der Berliner Charité.

Bei einer „Alkoholabhängigkeit“ ändern sich unter anderem im Gehirn bestimmte Rezeptoren, also Andockstellen für Botenstoffe. Abhängige sind nicht mehr in der Lage, ihren Alkoholkonsum zu kontrollieren. Außerdem leiden sie nach Abstinenzphasen, etwa nach der Nachtruhe, unter Entzugserscheinungen. Sie zittern und schwitzen, sind unruhig. Bei einem abrupten Absetzen des Alkohols kann es zu einer massiven Fehlregulation im Hirn kommen, zu Krampfanfällen, Orientierungsverlust und Halluzinationen.

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