Zeitung Heute : Wie dreht man einen computeranimierten Film?

Glückwunsch! Hatten Sie mit dem Golden Globe

"Toy Story"-Regisseur John Lasseter, 43, begann seine Karriere bei Disney und bekam 1988 einen Oscar für seinen computeranimierten Kurzfilm "Tin Toy". Die Pixar-Filmstudios und ihre selbst entwickelte Animationssoftware RenderMan/Marionette sind zum Motor der ganzen Special-Effects-Industrie geworden und gerade Lasseter bewahrte die Filme in Terrabytedimensionen mit ihren geistreichen Geschichten für Jung & Alt vor dem seelenlosen Marionettendasein. Für "Toy Story 2." erhielt er gerade einen Golden Globe. Mit Lasseter sprach Gregor Wildermann. Wir sprachen mit Ihm über organische Charaktere, sein altes Spielzeug, den Golden Globe und über das nächste große Pixar-Filmprojekt!

Glückwunsch! Hatten Sie mit dem Golden Globe gerechnet?

Eigentlich war ich über den Preis sehr überrascht, weil es für ein Sequel, also eine Fortsetzung eher ungewöhnlich ist. Die Tatsache, dass "Toy Story 2." als bester Film in der Sparte Comedy/Musical gewonnen hat, hat diesen Preis für mich aber so besonders gemacht. Wir sind damit angetreten, einen guten Film mit guter Story zu machen, obwohl viele Leute Filme von Pixar als kindisch betrachteten oder "Toy Story" als Comicfilm abtaten.

Viele Kinobesucher denken bei der Arbeit eines Regisseurs von computeranimierten Filmen nicht an zickige Stars oder Drehortprobleme. Wie sieht ein Tag von John Lasseter aus?

Der Regisseur eines computeranimierten Spielfilms ist in jeden Bereich der Produktion involviert. Das fängt bei der Story an, geht beim Storyboarding sowie den Sprechern weiter und setzt sich in der abschließenden Animation fort. Außerdem arbeite ich am Soundtrack mit und überwache das komplette Merchandising wie zum Beispiel das Videospiel. Insgesamt ein guter Full-Time-Job.

Wie groß ist der technische Fortschritt seit dem ersten Teil von "Toy Story" und dem letztjährigen Film "Bugs life"?

Seit 1995 hat sich viel im Bereich der Rechnerkapazität getan. Auf der Renderfarm, wo die Bilder abschließend durchgerechnet werden, hatten wir für die Arbeit an "Bugs Life" die zwölffache Computerpower des ersten "Toy Story"-Films. Für den zweiten Teil von "Toy Story" hatte Pixar die dreifache Power im Vergleich zu "Bugs Life". Leichter wird unsere Arbeit dadurch kaum. Wir brauchen immer länger, da wir die Filme mittlerweile zehn mal komplexer gestalten. Je mehr Speicherkapazität wir haben, desto detaillierter gestalten wir unsere Figuren.

Wie viele Objekte und Daten konnten vom alten Film wiederverwendet werden?

Zwischen "Toy Story" und "Bugs Life" haben wir eine neue Version unserer Animationssoftware Marionette entwickelt und mussten dafür alle Grundmodelle für die neue Software übersetzen. Außerdem haben wir für die Fortsetzung eine enorme Menge an Modellen gebaut. Für "Toy Story 1." hatten wir 350 Modelle und viele der Hauptcharaktere waren da schon sehr aufwendig gearbeitet. Für "Toy Story 2." waren es dann über 1200 Modelle.

Worauf haben Sie beim zweiten Teil der Geschichte um Woody & Buzz Lightjear am meisten geachtet?

Für mich ist die Story das Wichtigste. Die Story diktiert jeden Aspekt des Films, auch den technischen Teil. Wir arbeiten sehr lange am Storyboard und daraus entsteht eine Filmfassung, die Story-Reel heißt. Dies beinhaltet schon die kompletten Dialoge, Sound-effekte und Musik. Auf das fertige Story-Reel folgt das Art-Department mit der Erstellung der Modelle und der mittlerweile sehr komplizierten Arbeit an den Farben und Oberflächen. Jeder Charakter und alle Objekte müssen dort einzeln erarbeitet werden. Daran schließt die Erstellung der Schauplätze und seiner Kamerafahrten an, auf der dann erst die Animationsphase mit jeder einzelnen Bewegung folgt. Ganz am Schluss steht dann das Rendering, in dem die Bilder zum fertigen Film gerechnet werden.

Welche Tipps geben Sie jüngeren Leuten, die selber einen Animationsfilm erstellen wollen?

Wenn junge Menschen auf mich zukommen und gerne auch solche Filme wie "Toy Story" erstellen wollen oder gerade in der Branche anfangen, werde ich oft nach Lehrgängen oder Software gefragt. Ich kann da immer nur sagen: Lernt keine Software, sondern lernt grundsätzliches Zeichnen und Design. Alte grundsätzliche Prinzipien der Animation und Filmarbeit gehören genauso dazu, auch heute noch.

In beiden Filmen von "Toy Story" kämpft altes Spielzeug um seine Existenzberechtigung. An welchem Spielzeug aus ihrer Jugendzeit hängt noch Ihr Herz?

Ich habe noch einen alten "Casper - The Friendly Ghost", den ich sehr geliebt habe und der immer noch in meinem Office steht. Er war auch die Inspiration für Woody und hatte auch so eine Aufziehschnur am Rücken, um Sätze zu sagen.

Worum geht es in Ihrem nächsten Film?

"Monsters INC." wird 2001 rauskommen und ist ein wunderbarer Film über eine uns eigentlich sehr ähnliche Welt, nur dass sie von Monstern bewohnt ist. Mal große, mal blaue, mal grausame Monster - ganz viele verschiedene Typen. Die Hauptgeschichte dreht sich um zwei dieser Monster. Der eine ist eher lustig, der andere ein richtig böses Monster. Und ihre Welt ist an einer Stelle durch ein Loch zu einem Schlafzimmer mit unserer verbunden.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben