Zeitung Heute : Wie feiern "Nachtgestalten"?

DIRK SCHÖNLEBE

In Berlin tobt das Leben, und das ist eine große Party.Diesen Eindruck jedenfalls bekommt man während der Berlinale-Tage und vor allem während der Nächte.Aber es gilt auch: Wer zu spät kommt, den bestraft die Party.So war es bei der Premierenfeier des zweiten deutschen Wettbewerb-Beitrages "Nachtgestalten" im "90 Grad".21 Uhr stand als Beginn auf der Einladungskarte, und wer ein bißchen später dran war, hatte schon zu kämpfen.Am elegant gekleideten Türsteher vorbei und durch das plüschig-rote Entree kam man noch ohne Probleme, aber die fingen gleich danach an.War das die Schlange an der Garderobe oder schon die Party? Wie gelingt es, an der Bar etwas zu trinken zu bekommen, ohne in dem schmalen Gang mitgezogen zu werden, bevor das Bier die Hand des Barkeepers verlassen hat? Kurz: es war voll.

Aber das war zu erwarten, schließlich hatten Kritiker und Publikum bei der Film-Premiere am Vormittag eifrig geklatscht.Nun wollten alle sehen, wie sie feiern, die "Nachtgestalten".Und sie waren vollzählig erschienen: Meriam Abbas, Dominique Horwitz, Oliver Bäßler, Susanne Bormann, Michael Gwisdek, der kleine Ricardo Valentin und viele andere.Mit ihren Schauspielern stellten sich Regisseur Andreas Dresen und Produzent Peter Rommel ins Scheinwerferlicht der Fernsehkameras und das Blitzlicht der Fotografen.Erst als die genug hatten, kamen die Kerzen zur Geltung, die den Raum schmückten.

Wer erst jetzt auf der Party erschien, bekam die Stars dann nicht mehr ohne weiteres zu sehen.Die einen hatten sich in den Wintergarten zurückgezogen, die anderen waren gegangen.Ricardo Valentin beispielsweise verließ die Party gegen 23 Uhr, für einen Siebtkläßler ohnehin eine stolze Zeit.Die Schauspielerin Corinna Harfouch war zu diesem Zeitpunkt schon wieder weg.Vielleicht auf dem Weg zu einem anderen Fest oder einfach nach Hause, um sich zu schonen.Schließlich feiert sie am kommenden Sonnabend an der Deutschen Oper Premiere.Sie wird das Straßenmädchen Jenny Hill in der Neuinszenierung von Kurt Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Maghagonny" spielen.

An der Bar lehnte dafür lässig Ben Kingsley, das Bier in der rechten, die Zigarette in der linken Hand und überblickte souverän das Partytreiben.Jedenfalls sah er aus wie Kingsley, auf den ersten und zweiten Blick.Da war es keine schlechte Maßnahme, noch einen dritten Blick zu riskieren, bevor ein fröhliches "Hello Mr.Kingsley, it is a pleasure to meet you" zur Peinlichkeit hätte werden können.Es war nämlich ein ganz normaler Berliner.Den echten Kingsley gab es nur auf einer anderen Feier im Hotel Adlon zu sehen.

Ab 23.30 Uhr war es im "90 Grad" nicht mehr ganz so eng, so daß endlich auch getanzt werden konnte.Gespielt wurde hauptsächlich Musik aus den 80ern, und die Fernsehleute sorgten wieder für Licht, um die Tanzenden zu filmen.Sich jetzt zum Gehen zu entscheiden, war entweder zu früh, oder wieder einmal zu spät, auf alle Fälle ein Fehler: war das sich Wiegende dort das Schlangeende an der Garderobe oder der erste Ausläufer der Tanzenden?

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