Zeitung Heute : Wie Gehölze durch Stecklinge vermehrt werden

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Echter Roseneibisch gehört im Garten zu den Dauerblühern. Foto: Tassilo Wengel
Echter Roseneibisch gehört im Garten zu den Dauerblühern. Foto: Tassilo Wengel

Gartencenter und Baumschulen bieten fast das ganze Jahr eine Fülle von Pflanzen für den Garten an. Wer Freude am Experimentieren hat oder eine größere Anzahl Pflanzen benötigt, sollte es mit der Vermehrung durch Stecklinge versuchen.

Diese Art der Vermehrung wird bei verschiedenen Gartenpflanzen angewandt und bietet Vorteile gegenüber der generativen Vermehrung durch Samen. Empfohlen wird die Art der Vermehrung vor allem bei Pflanzenarten, die nicht „treu“ fallen. Das heißt, die Nachkommen ähneln der Mutterpflanze wenig und sind deshalb minderwertig. Bei der Vermehrung durch Stecklinge wird von der Mutterpflanze ein Trieb genommen, der in einem Substrat bewurzelt wird. Auf diese Weise entsteht eine neue Pflanze, die mit der Mutterpflanze komplett identisch ist. Gleiche Nachkommen lassen sich auch durch Risslinge oder Ableger erzielen. Bei der Vermehrung von Gehölzen durch Stecklinge unterscheidet man krautige, halbharte und harte Stecklinge. Für die krautigen und halbharten Stecklinge ist die Zeit von Mitte Juli bis etwa Mitte September günstig, dagegen werden harte Stecklinge im Herbst oder im Winter geschnitten.

Als krautige Stecklinge werden Spitzentriebe bezeichnet, die noch nicht verholzt sind. Besonders gute Erfolge kann man mit Sommerflieder (Buddleja davidii), auch als Schmetterlingsstrauch bekannt, mit Bartblume (Caryopteris x clandonensis) oder winterharten Fuchsien (Fuchsia magellanica) erzielen. Man schneidet etwa 10 Zentimeter lange Stücke, entfernt das unterste Blattpaar und steckt sie in Töpfe mit einem Sand-Torfmull-Gemisch. Nach dem Angießen stellt man sie an einem schattigen Ort auf und stülpt eine Folientüte über die Töpfe mit den Stecklingen, um „gespannte Luft“ zu erzielen. Sie ist notwendig, da die Blätter Wasser verdunsten und die Triebe ohne Wurzeln verwelken würden. Nach einigen Wochen haben sich Wurzeln gebildet.

Halbharte Stecklinge benötigen meist etwas länger zur Wurzelbildung, da die Bildung von Holz bereits eingesetzt hat. Auf diese Weise lassen sich gut Echter Roseneibisch (Hibiscus syriacus), Felsenmispel (Cotoneaster), Goldglöckchen (Forsythia x intermedia), Hartriegel (Cornus), Hortensie (Hydrangea), Lavendel (Lavandula angustifolia) oder Pfeifenstrauch (Philadelphus) vermehren. Auch bei diesen Arten ist für die schnelle Wurzelbildung eine höhere Luftfeuchtigkeit nötig, die man durch das Überstülpen einer Folie aus Polyäthylen erreicht. An einem halbschattigen Platz im Garten oder in einem Kleingewächshaus aufgestellt, haben sie nach etwa fünf Wochen Wurzeln gebildet. Günstig wirken sich Temperaturen am Tag von 20 bis 22°C aus, die in der Regel noch bis Mitte September vorhanden sind. Nach der Wurzelbildung pflanzt man sie in Töpfe, die an einem geschützten Platz im Garten überwintert werden. Erst im Frühjahr erhalten die Jungpflanzen den endgültigen Standort.

Anders ist die Vermehrung mit harten Stecklingen. Sie werden im Herbst bis Winter geschnitten, wenn das Holz ausgereift ist. Diese Art der Vermehrung ist vor allem in Baumschulen üblich und bietet sich unter anderem bei Deutzien (Deutzia), Ranunkelstrauch (Kerria japonica), Liguster (Ligustrum) Blasenspiere (Physocarpus), Spierstrauch (Spiraea), Flieder (Syringa) und Weigelie (Weigela) an. Man schneidet mit einem scharfen Messer 20 bis 25 Zentimeter lange, bleistiftstarke Stücke dicht unterhalb eines Blattes bzw. Blattpaares und bindet sie mit Bast zu einem kleinen Bündel zusammen. Günstig ist, die obere Schnittfläche mit Baumwachs zu verschließen. Man hebt im Garten einen kleinen Graben aus, füllt ihn mit einem Substrat, am besten einem Gemisch aus Sand und Torfmull, legt das Stecklingsbündel quer hinein und bedeckt wieder mit diesem Substrat. Über Winter bildet sich an der unteren Schnittstelle der Stecklinge ein Wundgewebe (Kallus), das für die Wurzelbildung erforderlich ist. Sobald der Boden im Frühjahr aufgetaut und locker ist, werden die Stecklinge im Abstand von 15 bis 20 Zentimeter auf Beete gepflanzt. Dabei ist zu beachten, dass mindestens zwei Augen über der Erdoberfläche liegen. Tassilo Wengel

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