Zeitung Heute : Wie Männer 85 werden

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Gesundes Altern ist möglich

Hartmut Wewetzer

Männer machen sich im höheren Lebensalter rar. Im Jahr 2000 hatte eine 60-Jährige noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von weiteren 23,5 Jahren, Männer dagegen nur von 19,2 Jahren. Das sind mehr als vier Jahre weniger!

Aber altern ist keine Glückssache, oder zumindest nicht nur. Natürlich kann man im Straßenverkehr umkommen, natürlich kann eine ungünstige Konstellation der Erbanlagen einen frühen Tod bedeuten. Aber von solchen Schicksalsschlägen (oder grausamen Zufällen) abgesehen haben wir selbst eine Menge in der Hand, wenn es um Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung geht. Auch Männer können 85 werden!

Wie das gehen kann, zeigt eine amerikanische Untersuchung, die im Fachblatt „Jama“ veröffentlicht wurde. Von 1965 bis 2005 haben Forscher um Bradley Willcox von der Universität von Hawaii in Honolulu eine Gruppe von 5820 japanischstämmigen Amerikanern regelmäßig untersucht und geschaut, welche Lebensumstände mit größerer Gesundheit und Lebenserwartung Hand in Hand gingen. Zu Beginn der Studie waren die Männer im Durchschnitt 54.

Am gesündesten war auch in höherem Alter, wer im mittleren Lebensabschnitt nicht rauchte, körperlich trainiert und schlank war, nur mäßig Alkohol trank (bis zu zwei Gläser am Tag) und einen normalen Blutzucker und Blutdruck hatte. Männer, die allen sechs Anforderungen entsprachen, hatten eine fast 70-prozentige Chance, 85 zu werden – und mehr als die Hälfte sogar in guter Gesundheit.

Dieses Angebot kann man umso weniger ausschlagen, als das der Gegenseite ziemlich mies aussieht. Denn von denen, die die sechs Bedingungen nicht erfüllten, erlebte nur jeder Fünfte das 85. Lebensjahr. Die Chance, dann noch gesund zu sein, betrug in der Untersuchung klägliche neun Prozent.

Das alles klingt nicht allzu überraschend. Wichtig aber ist, dass ein Fünfzigjähriger es selbst in der Hand hat, den „Zweidrittel“- oder den „Einfünftel“-Weg zum 85. Lebensjahr zu gehen. Auf dem einen kommt man ziemlich sicher ans Ziel, solange man sich an ein paar wichtige Regeln hält. Der andere ist riskant und endet in vier von fünf Fällen im Abgrund. Wählen Sie selbst.

Bei ihrer Forschung stießen Bradley Willcox und seine Mitarbeiter noch auf zwei weitere Faktoren für ein langes Männerleben: Eine feste Partnerschaft und gute Bildung erhöhen die Chancen. Platt gesagt: Wer verheiratet ist und Abitur hat, lebt länger. Dabei gibt es einen klaren Unterschied zwischen den Geschlechtern. „Männer können nicht ohne Partner überleben, Frauen schon“, sagt der Alternsforscher Thomas Perls von der Uni Boston. „Sie können ohne Mann sogar noch einmal aufblühen.“

Noch nicht geklärt ist, wie Vaterschaft die Lebenserwartung beeinflusst. Kinder lassen Väter verantwortungsvoller werden, auch im Umgang mit der eigenen Gesundheit. Das könnte für einen positiven Effekt sprechen. Wenn da nicht der Stress wäre ...

Unser Kolumnist leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegels. Haben Sie eine Frage zu seiner guten Nachricht? Bitte an: Sonntag@Tagesspiegel.de

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