Zeitung Heute : Wie sich der neue TV-Sender N24 und die deutsche Financial Times im Internet präsentieren

Alexander Königs

FT/N24: Die deutschsprachige Online-Welt, Abteilung Information und News, erlebt einen spannenden Start ins neue Jahr. Wenn ab dem 24. Januar von München aus die Pro Sieben Media AG mit N24 "eine echte Alternative" im deutsche Nachrichtenfernsehen bieten will, und der Markt für Finanztageszeitungen ab der zweiten Februarhälfte von der deutschen Ausgabe der Financial Times ins Visier genommen wird, haben auch zwei dazugehörige Internet-Auftritte ihre Premiere. Um sich am Markt durchzusetzen, sollen das Internet und flexible Informationsdienste von Anfang an integraler Bestandteil der Markenphilosophie beider Produkte sein.

Obwohl die einen Fernsehen, die anderen Zeitung machen, verstehen beide ihre Netzpräsenz nicht als multimediale Dreingabe. Der Online-Auftritt soll dort greifen, wo die analogen Medien passen müssen. "N24 ist nicht nur als Fernsehsender gedacht, sondern geplant als Konvergenz-Kanal", erklärt Joachim Magin, Managing Director der Pro Sieben Digital Media, einer Pro Sieben-Tochter, die für alle Online-Aktivitäten der Gruppe verantwortlich ist. "Konvergenz bedeutet, den Nutzer zu begleiten, an jeden Ort, an jedes Gerät, das möglich ist. Deshalb sind wir auf allen mobilen Endgeräten wie SMS, WAP und auch den PDAs präsent." Auch die Financial Times versteht sich schon längst nicht mehr als ordinäre Tageszeitung. "Wir definieren uns mehr als integrierten Wirtschaftsinformationsdienst; ein Service, der an jedem Ort abgerufen werden kann", erklärt Klaus Schweinsberg, Leiter Interactive Services bei der Financial Times Deutschland. Auch die Financial Times wird einen deshalb bis aufs Handy oder den persönlichen digitalen Assistenten (PDA) verfolgen.

Mehrwert ist die Zauberformel, die den Nutzer zu beiden Online-Angeboten locken soll. Bei N24 soll eine Aktualisierungsuhr nachweisen, ob die Redaktion auf Draht ist. "Wir machen eine Breaking-News-Berichterstattung, bei uns wird minütlich aktualisiert." Magin zählt zur Schnelligkeit aber auch die Personalisierbarkeit seiner Homepage, die den Nutzer überzeugen soll. Ähnlich wie beim Portal "excite" kann sich der Surfer bei N24 seine persönliche Startseite zusammenstellen. Ein Newsletter hält per E-Mail auf dem Laufenden. Die Financial Times will online Hintergründe bieten, die in der Printausgabe keinen Platz finden können. Als Fernsehsender will N24 zusätzlich auch im Internet mit laufenden Bildern punkten. Aber Web-TV soll erst der Anfang sein. Nach dem Sendestart soll allmählich ein Archiv aufgebaut werden, dass Video On Demand ermöglichen soll. "Sie sehen den letzten Newsblock dann drei Stunden später im Netz.

Inhaltlich liegen die Angebote allerdings weiter auseinander als die konzeptionellen Definitionen vermuten lassen. Zwar wird auch N24 seinen Schwerpunkt in der Wirtschaftsberichterstattung haben, zehn Redakteure sind allein für diesen Bereich zuständig. Weltnachrichten, Sport und Politik sind auch vertreten. Das gilt für die Financial Times nur bedingt. "Wir werden sehr stark fokussieren auf Börse und Märkte, Unternehmensnachrichten, IT-Technologie und Medien. Dazu Politik, wenn sie die Märkte bewegt." Deswegen sieht Schweinsberg in N24-Online auch keine direkte Konkurrenz für sein Angebot. "Wir machen eine Finanzzeitung, N24 macht Nachrichtenfernsehen."

Ob sich das im Internet so klar trennen lässt, bleibt abzuwarten. Bislang sind die Informationen aus dem Hause Gruner&Jahr, dem Finanzier der Financial Times Deutschland, eher spärlich. Daher kann auch die Internetseite noch keinen vollständigen Eindruck über das tatsächliche Erscheinungsbild geben. Mehr als schwarze Schrift auf lachsfarbenem Hintergrund ist nicht zu sehen. Da ist man bei N24.de schon weiter. Der Auftritt hat klare Strukturen und starke Farben. Alles wirkt modern und amerikanisch, was nicht verwundert, weil Joachim Magin als großes Vorbild CNN Interactive nennt. "Jeder Macher hat CNN-Interactive im Kopf, das ist der Journalismus der Zukunft." Magin setzt für sein Format deshalb auf einen neuen Berufszweig im Journalismus, den Online-Journalisten. "Natürlich sind auch Online-Journalisten in erster Linie Journalisten, das ist profan, aber wahr. Aber sie müssen sich an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren, in Bildern und HTML-Seiten denken können. Sie müssen sich in der Welt der Neuen Medien zu hause fühlen." Eine Philosophie, die Klaus Schweinsberg nicht teilt. "Wir sind einen anderen Weg gegangen, bei uns schreiben alle Redakteure für alle Medien."

Vielleicht werden die Inhalte beider Online-Auftritte zeigen, wer mit seiner Idee vom Online-Journalismus auf das richtige Pferd gesetzt hat. In der strategischen Ausrichtung jedenfalls, gekennzeichnet durch Aktualität, Service, Mehrwert, sind die Unterschiede beider Angebote gar nicht so groß. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: über die eigenen Kosten möchte niemand so richtig sprechen, denn die Stammhäuser haben für ihre neuen Vorzeigeprodukte die Geldbeutel ganz weit aufgemacht. An die Nutzer sollen die Ausgaben aber nicht weitergereicht werden. Denen wäre der angepriesene Mehrwert sicherlich auch kein Mehr-Geld wert.

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