Zeitung Heute : Wie viel Geld der Bund, die Länder Berlin und Brandenburg, die KfW und die Bewag beim Immobilienerwerb zusteuern

Christof Hardebusch

Auch günstig angebotene Reihen- und Doppelhäuser überfordern manchen Geldbeutel. Bund und Länder wollen besonders so genannte Schwellenhaushalte beim Erwerb eigener vier Wände unterstützen. Zusätzliche Finanzspritzen gibt es für ökologische Bauten. Eine Übersicht über die Programme für Eigenheimer in Berlin und Brandenburg.

Als Eigenheimzulage bekommen Käufer und Bauherren für Neubauten insgesamt 40 000 DM vom Finanzamt, ausgezahlt in acht Jahresraten à 5000 DM. Für jedes Kind erhöht das Finanzamt den Barzuschuss um 1500 DM. Zuschläge gibt es auch für ökologische Bauten. Niedrigenergiehäuser belohnt der Staat mit 3200 DM extra, die Anschaffung einer Solaranlage mit einem Bonus von maximal 4000 DM. Auch diese Ökozuschläge zahlt das Finanzamt in Tranchen auf acht Jahre verteilt. Die Eigenheimzulage ist allerdings an Einkommensgrenzen geknüpft. Ledige dürfen nicht mehr als 120 000 DM, Verheiratete nicht mehr als 240 000 DM im Jahr verdienen. Die Bundesregierung senkt diese Einkommensgrenzen aber zum 1. Januar 2000. Dann dürfen Ledige nur noch Einkünfte von 80 000 DM jährlich haben, Eheleute maximal 160 000 DM. Auskunft erteilt jedes Finanzamt.

Das Land Berlin bietet billiges Baugeld

In Berlin verleiht die Investitionsbank Berlin (IBB) Baugeld zu günstigen Konditionen. Im Rahmen der Wohneigentumsförderung bezuschusst sie jeden Quadratmeter Wohnfläche mit maximal 4000 DM. Wie viel Wohnfläche die IBB fördert, hängt von der Größe der Familie ab. Ein Ehepaar mit zwei Kindern hat Anspruch auf einen Förderkredit für den Erwerb von 90 Quadratmetern im Gegenwert von maximal 360 000 DM. Mehr gibt es nur, wenn das Haus über eine Solaranlage oder eine gasbetriebene Wärmepumpe verfügt. Die IBB finanziert aber nicht den ganzen Kaufpreis der Anlage. Der Antragsteller muss 15 Prozent der Kosten selbst aufbringen. "Junge Paare" - keiner der Partner darf älter als 40 sein - müssen nur zehn Prozent selbst aufbringen. Die selben Vergünstigungen gelten auch für Familien mit mehr als drei Kindern.

Brandenburg geht eigene Förderwege

Die Höhe der Zinsen für das Baudarlehen orientiert sich am Einkommen der Antragsteller. Bestenfalls sind zwei Prozent, schlechtestenfalls 3,8 Prozent für den Kredit aufzubringen. Um überhaupt in den Genuss der Förderung durch das Land zu kommen, darf eine Familie mit zwei Kindern brutto maximal 136 000 DM pro Jahr verdienen. Jedes Kind senkt die Zinsbelastung der Familie um einen halben Prozentpunkt. Als Tilgung verlangt die IBB jährlich 1,5 Prozent der Kreditsumme. Bezieht der Antragsteller zudem die Eigenheimzulage des Bundes (siehe oben), dann verlangt die IBB, dass der Bauherr seinen Bundeszuschuss als "Sondertilgung" einsetzt. Informationen bei der IBB: 2125 26 60; oder auch im Internet unter: www.investitionsbank.de .

Für den Erwerb von Wohneigentum im Nachbarland Brandenburg gelten andere Konditionen. Dort ist die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) zuständig. Sie macht die Höhe des Zinssatzes und des Förderkredits vom Einkommen des Antragstellers abhängig. So erhält eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 70 000 DM brutto einen Kredit in Höhe von 130 000 DM. Das Darlehen ist drei Jahre lang zinsfrei. Danach überprüft die ILB erneut das Einkommen. Verdient die Familie dann gut, fordert die ILB bis zu acht Prozent Zinsen - zwei Prozent mehr, als Hypothekenbanken derzeit für Baugeld verlangen.

Ob sich die ILB-Förderung rechnet, kann der Antragsteller nicht überprüfen, weil die Bank ihm nicht verrät, welches Einkommen in drei Jahren zu welchen Zinssätzen führt. Wer vor dem Karrieresprung steht, sollte diese Hilfe kritisch hinterfragen. Der Förderkredit könnte ihn teurer zu stehen kommen als ein normaler Bankkredit, zumal sich auch die Höhe der Tilgung als Kostenbombe entpuppen kann. In den ersten drei Jahren verlangt die ILB jährlich nur die Rückzahlung von einem Prozent der Kreditsumme. Danach erhöht sie diesen Anteil aber je nach Einkommen um bis zu vier Prozent.

Weil Brandenburg flächen- und kostensparendes Bauen bevorzugen will, sind auch die förderfähigen Bau- und Grundstückskosten begrenzt. Den Erwerb von Häusern, die mehr als 280 000 DM kosten, fördert die ILB nicht. Das Grundstück darf mit höchstens 70 000 DM zu Buche schlagen. In entlegenen ländlichen Gefielden mit niedrigen Bodenpreisen dürfen es maximal 50 000 DM sein. Eine zusätzlich Förderung reicht die ILB für den Einbau von Solarstromanlagen aus. Die ILB informiert unter (0331) 660 13 22 und im Internet unter www.ilb.de .

Wer ein Passivhaus errichtet, bekommt günstige Kredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Käufer solcher Häuser sollten darauf achten, dass sie vom Bauträger diesen geldwerten Vorteil auch weitergereicht bekommen. Über die aktuellen Kreditkonditionen informiert die KfW im Internet unter www.kfw.de und unter der FaxNummer (069) 7431 42 14.

Auch für Solarkollektoranlagen gibt es Förderungen. Solche Anlagen nutzen das Sonnenlicht, um das Wasser für Dusche, Küche und Bad zu erwärmen. Hier hilft die KfW mit 250 DM je Quadratmeter Kollektorfläche. Kommen die kostspieligeren Röhrenkollektoren zum Einsatz, sind es 325 DM pro Quadratmeter. Bis zum 31. Dezember 2000 fördert die KfW zudem den Einbau von Wärmemengenzählern und anderen Funktionskontrollgeräten. Infos unter (030) 202 640, im Internet unter www.kfw.de .

Für Öko-Technik gibt es Extra-Geld

Bei Solarstromanlagen übernimmt die KfW mit ihrem 100 000-Dächer-Programm die gesamten Anschaffungs- und Installationskosten. Der Kredit ist zinsfrei. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre. Funktioniert die Anlage im neunten Jahr noch, erläßt die KfW die zehnte Rate. Wer keinen Kredit möchte, kann die Förderung als Zuschuss bekommen. Infos zum 100 000-Dächer-Programm unter (030) 202 640, im Internet unter www.kfw.de .

Einen weiteren Zuschuss für Solarstrom-Anlagen gewährt der Berliner Stromversorger Bewag: Er zahlt bis zu 7250 DM pro Kilowatt installierter elektrischer Leistung. Zudem zahlt der Energiekonzern bis zu 81 Pfennig für jede in ihr Netz eingespeiste Kilowattstunde. Voraussetzung für diese "Sondereinnahmen" ist die Teilnahme an der Solarstrombörse. Infos im Internet: www.bewag.de oder telefonisch unter: (030) 267 165 68.

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