Zeitung Heute : Wie Viren funktionieren

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Es klingt fast wie die Beschreibung einer harmonischen Zweierbeziehung. Das Verhältnis von Viren und ihren Wirtszellen sei „von großer Vielfalt und von bemerkenswerter Intimität geprägt“, schreibt der Biologe und Virenexperte ErnstLudwig Winnacker. Das Zusammenspiel, das für den Forscher faszinierend ist und für den Infizierten eine lebensgefährliche Bedrohung werden kann, ist für die Viren lebenswichtig.

Viren sind keine selbstständigen Organismen, sondern eigentlich nur winzig kleine Bündel von Genen in einer schützenden Hülle. Wo genau im Körper der geeignete Empfänger dieser Gen-Päckchen wohnen könnte, erkennen sie an den für sie passenden Ankerplätzen, den Rezeptoren an der Zelloberfläche. Die bevorzugten Lebensräume sind je nach Virus sehr verschieden. Rhinoviren zum Beispiel, die 30 bis 50 Prozent aller grippalen Infekte verursachen, finden die zu ihnen passenden Andockstellen im Nasen-Rachenraum.

Manche Viren tricksen das Abwehrsystem aus, indem sie etwa ihre Oberfläche immer wieder verändern. Das ist der Grund dafür, dass dauerhafter Impfschutz gegen die echte Grippe zum Beispiel, die Influenza, nicht möglich ist. In jeder Saison muss der passende Cocktail dafür neu gemixt werden. Bei der Kinderlähmung ist das anders: Die Impfung schafft dauerhaften Schutz, weil das Virus sich dem Immunsystem immer gleich präsentiert.

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