Zeitung Heute : Wieder gut auf Draht

Im ehemaligen Kabelwerk ist die HTW Initialzünderin einer neuen Entwicklung.

Anja Brandt

Das Leben ist zurückgekehrt auf den Campus Wilhelminenhof. Früher wurden hier „nur Kabelrollen hin- und hergeschoben“, sagt Matthias Knaut, Vizepräsident für Forschung und Internationales an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Er beobachtet die Entwicklung Oberschöneweides aus nächster Nähe, seit die HTW 2009 die einst größten Fabrikanlagen der deutschen Elektroindustrie bezogen hat.

Rund 8000 junge Frauen und Männer studieren derzeit an diesem Standort. Hinzu kommen etwa 170 Professoren und etwa noch einmal genauso viele Unimitarbeiter. „Die HTW ist der größte Arbeitgeber in der Region“, sagt Knaut. Eine spürbare Folge dieser Entwicklung seien zum Beispiel die erhöhten Verkehrsfrequenzen um das HTW-Gelände. Auch ein Blick auf den Wohnungsmarkt zeige, dass sich in der Region etwas tue: Es werden mehr Wohnungen gebaut.

Mitte der 90er Jahre befand sich das einst bedeutende Industriegebiet im Südosten noch im steilen Sinkflug. „Damals gab es viele Stilllegungen in Schöneweide“, erzählt Knaut. „Irrsinnig viele Leute sind arbeitslos geworden, und die Bevölkerung war einem Niedergang ausgesetzt, vor allem in Oberschöneweide.“ Viele Arbeitnehmer verließen die Region; die soziale Struktur veränderte sich stark – „in die negative Richtung“, sagt Knaut. „Anfang der 2000er Jahre sah man endlich ein, dass eine große Wende notwendig war.“ Aus der HTW kam der Vorschlag, das stillgelegte Areal zu beziehen. Und so kam es. Auf elf Standorte rund um die Wilhelminenhofstraße 75A verteilen sich nun die Hörsäle, Labore und Werkstätten der HTW. Sie liegen nur Meter von der Spree entfernt. Fünf Fachbereiche gibt es an der HTW, deren zweiter Campus an der Treskowallee liegt: Technik, Informatik, Wirtschaft, Kultur und Gestaltung mit rund 70 Studiengängen.

Großen Wert legt die HTW auf Kooperationen. „Wir sind sehr gut verdrahtet“, sagt Knaut. Zu den Partnern der Hochschule zählen regionale, nationale und weltweit tätige Unternehmen sowie Banken, Kammern und Verbände, Hochschulen, Forschungsinstitute und Museen. Die Zukunft des Standorts sieht Knaut auch in dem Ausbau und der Stärkung dieser Netzwerke; aufgrund der Attraktivität des Umfeldes rechnet er mit einer Reihe von Ansiedlungen von Unternehmen. Früher war Schöneweide als „Oberschweineöde“ verschrien. „Da war doch nichts los“, so Knaut. Diese Zeiten sind vorbei. Anja Brandt

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