WIEDERENTDECKUNG„Else Lasker-Schüler - Die Bilder“ : Prinzen und Paschas

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Als Dichterin ist sie bekannt, auch als Illustratorin ihrer Texte, doch als autonome bildende Künstlerin wurde sie bislang nie gesehen. Dabei hat sich Else Lasker-Schüler durchaus so verstanden; mal dominierte mehr das eine, mal das andere Talent der Doppelbegabten. Für die Nachwelt hat sich die Dramatikerin, Lyrikerin, Prosaschriftstellerin durchgesetzt. Erstmals ist jetzt dem bildnerischen Werk Else Lasker-Schülers eine eigene Ausstellung gewidmet. Nach ihrer ersten Station im Frankfurter Jüdischen Museum ist die Schau nun im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen, dort, wo sie „am intensivsten“ Jussuf von Theben gewesen sei, wie sie sich im israelischen Exil erinnerte. Dieser Prinz von Theben war ihr künstlerisches Alter Ego, das in Worten und Bildern Gestalt annahm. In der Figur des Jussuf vereinen sich geschlechtliche, religiöse, kulturelle, zeitliche und räumliche Gegensätze – ein Traum. Else Lasker-Schüler schöpfte aus der Welt des Fantastischen, des Orientalischen. „Nachts versammeln sich alle meine Vorfahren in meinem Zelt“, erklärte sie einmal, „Kalifen und Derwische und Paschas in hohen Turbanen.“

Die fragilen Zeichnungen der Künstlerin, die sie zunehmend üppiger mit Buntstiften und Kreiden gestaltete und mit Gold- und Silberpapieren zu Collagen erweiterte, sind eine Rarität. Durch eine mehrjährige Forschungsarbeit ist erst jetzt ein Überblick über das in alle Welt verstreute bildnerische Werk gewonnen. Um es für die Dauer der Ausstellung ein wenig fester zu halten, ist ein umfangreiches Rahmenprogramm geplant (www.elselaskerschueler.org).Nicola Kuhn

Hamburger Bahnhof, Fr 21.1. bis So 1.5., Di-So 10-18 Uhr,

Sa 10-20 Uhr, 12 €, erm. 6 €

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