Zeitung Heute : Wiesen eröffnen ist einfach

Manchmal fahre ich am Tempelhofer Flugfeld vorbei, ich war dort auch schon auf der Wiese spazieren. Bald werden dort die ersten Herbstblumen blühen. In der großen Berliner Flughafen-Krise wäre es natürlich enorm praktisch, wenn der Flughafen Tempelhof noch existieren würde. Das wäre verkehrspolitisch klug gewesen und geradezu weit blickend. Ich bin natürlich kein Mobilitätsexperte. Aber wenn ich neue Schuhe kaufen will, dann werfe ich die alten Schuhe immer erst dann weg, wenn ich die neuen Schuhe wirklich, wirklich habe. Das ist vielleicht gar nicht so dumm.

Die Wiese ist natürlich sehr schön. Wiesen kann eine Großstadt nie genug haben. Man sagt ja auch in der Tourismuswerbung: Be Berlin – much urban green. Aber die Wiese hätte man auch ein paar Jahre später haben können. Wiesen laufen einem nicht weg. Die Eröffnung einer Wiese ist auch keine komplizierte Sache.

Aber Klaus Wowereit hat die Schließung von Tempelhof und seine Verwandlung in eine Wiese mit großer Entschlossenheit, vollem persönlichen Einsatz und all seiner gartenbaulichen Energie durchgezogen. Auch der Brandschutz der Wiese war nie ein Problem. Zurzeit wird wegen des Schönefelder Flughafendesasters viel über den Regierenden Bürgermeister diskutiert. Zu seiner Verteidigung muss gesagt werden: Zumindest, was die Verwandlung von Infrastruktureinrichtungen in urbane Grünflächen betrifft, macht ihm auf der Welt keiner etwas vor. Vielleicht ist der neue Berliner Flughafen in Schönefeld ja genau deshalb geschlossen worden, bevor er überhaupt eröffnet wurde. Das Hauptargument für die Schließung von Tempelhof war übrigens, dass der neue Flughafen nur gebaut werden kann, wenn Tempelhof geschlossen wird. Tempelhof sei das Haupthindernis für den Neubau. Wenn die Bürger bei der Volksabstimmung gewusst hätten, dass in Wahrheit der Brandschutz das Haupthindernis ist, hätten sie womöglich anders abgestimmt.

Im Jahre 2004 hat Wowereit geschrieben: „In Schönefeld entsteht bis 2010 das wichtigste Infrastrukturprojekt für Berlin und Brandenburg.“ Zu Tempelhof schrieb er: „Ein guter Kaufmann kann es sich nicht leisten, auf Dauer Verluste zu machen. Allein im vergangenen Jahr gab es“ – in Tempelhof – „15,3 Millionen Euro Verluste. Wir brauchen alle finanziellen Resourcen, um den Ausbau des neuen Flughafens zu finanzieren.“

Was die wiederholte Verschiebung in Schönefeld kostet, weiß kein einziger Kaufmann genau. 300 Millionen? Eine Milliarde? Man kann das unmöglich wissen, solange man nicht weiß, wann der neue Flughafen aufmacht. Fest steht, dass Berlin jetzt über 2156 Hektar Land verfügt, das von nicht funktionsfähigen Flughäfen bedeckt ist. Dies entspricht der Größe des Fürstentums Monaco.

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