Zeitung Heute : Wilde Schlachten in dreidimensionaler Umgebung

KURT SAGATZ

Terratools aus Babelsberg ist der einzige europäische Spieleentwickler, der mit Microsoft kooperiertVON KURT SAGATZIm Unternehmensprofil der Babelsberger Multimedia-Schmiede Terratools erscheint die Messeteilnahme auf der European Computer Trade Show 1996 in London nur als eine Veranstaltung unter vielen.Gleichwohl hatte es gerade diese Computerhandelsmesse in sich: Hier präsentierte die Mannschaft von Ulrich Weinberg ein kleines 10-Minuten-Spieledemo - und zwar nicht der allgemeinen Fachöffentlichkeit, sondern einer kleinen ausgewählten Gruppe von Microsoft-Mitarbeitern.Das Demo gefiel, inzwischen ist Terratools das erste europäische Unternehmen im Spielesektor, das mit dem Software-Giganten kooperiert. Aus dem kleinen Demo ist in dreijähriger Entwicklungsarbeit inzwischen ein ausgewachsenes Computerspiel geworden, das unter dem Namen "Urban Assault" (frei übersetzt: Stadt-Angriff) im Herbst in den Handel kommen soll.Es ist gleichermaßen ein Action- und Strategiespiel.Die für den Entertainment-Bereich von Microsoft zuständige Managerin Susan Kittleson nannte es am Montag zum Start der europäischen Promotiontour vollmundig "das erste Actionspiel für den denkenden Menschen". Das Spiel selbst wird sicherlich nicht jedermanns Sache sein: Vor dem Hintergrund eines Endzeitszenarios werden wilde Schlachten um die letzten verbliebenen Rohstoffe sowohl gegen irregeleitete Sekten als auch extraterrestrische Angreifer geführt.Alle Hoffnungen liegen dabei auf dem Spieler, der zum Retter von Welt und Menschheit, oder was immer davon auf der radioaktiv verseuchten Erde noch übrig ist, auserkoren wurde.Ihm stehen dazu diverse Kampfgefährten vom Jeep bis hin zum Kampfbomber zur Verfügung.Über 40 davon gilt es durch die zahlreichen Level zum Sieg zu führen, wobei dem Kombattanten so ziemlich alles an High-Tech zur Seite steht, wovon auch echte Militärs träumen. Gleichwohl werden die echten Spielefans mit "Urban Assault" auf ihre Kosten kommen.Terratools ist Experte auf dem Gebiet der interaktiven 3D-Anwendungen, und das wird bei diesem Spiel überdeutlich.Auf einem Pentium 166 - allerdings erweitert um eine Monster II-3D-Beschleunigerkarte - bauen sich die Bilder selbst bei 360-Grad-Schwenks ruckelfrei auf.Möglich wurde dies durch eine spezielle Optimierung des Programms für die Darstellung von städtischen Räumen.Ebenfalls äußerst interessant sind die Möglichkeiten des Spielers, quasi als Feldherr Befehle für die diversen Einheiten auszugeben.Einmal in Gang gesetzt, führen die Kampfverbände ihre Aufträge weisungsgetreu aus - bis zu Sieg oder Niederlage. Die Kooperation mit Microsoft, die für Promotion und Vertrieb des Spiels verantwortlich sind - und überdies einen Teil der Entwicklungskosten getragen haben - hat sich für Terratools bereits jetzt ausgezahlt.Man habe in der Zeit der gemeinsamen Entwicklung des Spiels von der weltweit agierenden Firma viel lernen können, gab Weinberg unumwunden zu.Dabei ging es um weit mehr als die anderen Kommunikationsabläufe, die bei einer Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg notwendig sind.Auch hinsichtlich der auf Windows basierenden Technik mit Features wie Direct3D hätten die Programmierer neue Einblicke gewonnen.So sei die anfängliche Skepsis der Software-Experten gegenüber Microsoft über die Zeit vollständig abgebaut worden, sagte Weinberg. Die Kooperation kam übrigens keineswegs aus Mangel an Alternativen zustande.Wie der Terratools-Chef sagte, sei genauso mit den anderen großen Playern im Spielebereich, also mit Electronic Arts, Virgin oder Warner, verhandelt worden, jedoch seien die Konditionen mit Microsoft die besten gewesen.Kein Wunder also, daß nach Abschluß der Urban-Assault-Entwicklung gleich das nächste Gemeinschaftsprojekt im Spielebereich in Angriff genommen wird.Details dazu werden wie üblich zwar nicht verraten, allerdings steht bereits fest, daß es sich um eine Strategiesimulation handeln wird. Zu den bedeutendsten Fähigkeiten von Microsoft gehört bekanntlich, sich durch Partnerschaften interessante Innovationen zugänglich zu machen.Mit "Urban Assault" ist das sicherlich gelungen.Bereits nach der kurzen Demo vor nunmehr rund zwei Jahren, hatte das Unternehmen erklärt, dies seien die interessantesten 10 Minuten der ganzen Londoner Messe gewesen.

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