Zeitung Heute : Wintergäste im Haus und im Garten

Fledermäuse, Kröten, Siebenschläfer und Marienkäfer suchen Schutz vor der Kälte

Helgard Below
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Foto: Archiv

Wenn es draußen frostig wird, zieht es viele Tierarten in die Obhut und Wärme menschlicher Behausungen. Keller, Kirchtürme, Garagen, Feldscheunen und Dachstühle sind für sie genauso geeignete Winterquartiere wie Steinspalten und Höhlen in der Natur. Manche halten echten Winterschlaf wie Siebenschläfer, Igel und Fledermäuse. Ihre Körpertemperatur sinkt und die Körperfunktionen wie Atem und Herzschlag werden stark heruntergefahren. Sie sind dann dem Tode näher als dem Leben. Bei Igeln zum Beispiel senkt sich die Körpertemperatur von 36 auf bis zu ein Grad Celsius. Das Herz schlägt statt 200 nur noch fünf Mal pro Minute und die Atemfrequenz reduziert sich von 50 auf ein bis zwei Mal pro Minute. Bei Fledermäusen im Winterschlaf können zwischen zwei Atemzügen sogar 60 bis 90 Minuten vergehen. Nähert sich die Umgebungstemperatur allerdings dem Gefrierpunkt, kurbeln die Winterschläfer ihre innere Heizung wieder an, um nicht zu erfrieren. Grundsätzlich gilt: Winterschläfer nicht stören, denn jedes Aufwachen verbraucht wertvolle Energie und gefährdet damit ihr Leben.

Andere Tiere fallen in Winterstarre, wie Amphibien, Reptilien und manche Käfer und Schmetterlinge. Ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebung an, und sie sind völlig bewegungsunfähig. Sie müssen daher unbedingt geschützte Unterkünfte finden. Meisen und Spitzmäuse können bei Kälte und Nahrungsmangel kurze Schlafphasen einlegen. Schließlich gibt es noch Tiere, die ohne Absenkung der Körpertemperatur eine Winterruhe halten. Sie überbrücken die kalte, nahrungsarme Zeit mit viel Schlaf und möglichst wenig Energieverbrauch, haben aber auch wache Phasen, in denen sie von ihren Vorräten leben. Dazu gehören Eichhörnchen, Dachse und Hamster. Der beste Schutz für einheimische Tiere ist ein naturnaher Garten. Baumhöhlen und Komposthaufen bieten warme Winterquartiere und der Blütenreichtum im Sommer lockt Insekten an, die als Nahrung dienen. In der Laubschicht unter Bäumen und Hecken können Schmetterlingspuppen und Käfer überwintern. Daher dürfen keine Laub sauger verwendet werden, denn sie vernichten all die kleinen, nützlichen Lebewesen, die sich unter der Blätterdecke verbergen.

Fledermäuse können im Herbst oft schon in den späten Nachmittagsstunden auf der Jagd nach Insekten beobachtet werden. Sie fressen sich ein Fettpolster für den Winter an. So manche Zwergfledermaus oder Breitflügelfledermaus verschläft den Winter dann versteckt unter dem Dach oder in einer Mauernische.

Nicht selten entdeckt man am Boden hilflose Fledermaus-Findelkinder. Wenn etwa hummelgroße Fledermausbabys aus der Wochenstube gefallen sind, kann man sie mit Handschuhen anfassen und zurück zur Mutter setzen. Ist kein Quartier zu finden, das meist an Kotspuren an der Wand zu erkennen ist, müssen sie tagsüber vor Katzen geschützt werden, indem man ihnen einen Karton oder ein Sieb überstülpt. Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang wird dieser Schutz wieder entfernt. Ist das Junge noch kräftig genug, um nach der Mutter zu rufen, wird sie es abholen.

Kröten und Frösche zieht es in feuchte Keller und Gruben, wo sie in Kältestarre verharren. Einige landen dabei in Lichtschächten, aus denen es im Frühjahr kein Entkommen mehr gibt. Reisig- und Steinhaufen im Garten sind beliebt als winterlicher Unterschlupf für Igel, die selbst im Winter nicht in die Häuser kommen. Der Zitronenfalter bleibt ebenfalls draußen. Er verfügt über einen körpereigenen Frostschutz, der ihn gegen Kälte unempfindlich macht. In seinen Zellen bildet er Glycerin, das auch beim Autofrostschutz verwendet wird, und verbringt die kalte Jahreszeit an einem Zweig sitzend. Admiral und Distelfalter dagegen wandern im Herbst wie Zugvögel über die Alpen und überwintern im Süden.

Die Weibchen von Marienkäfer, kleinem Fuchs und Tagpfauenauge suchen dagegen Unterschlupf in frostfreien Räumen. Ebenso wie die als Blattlausvertilger geschätzten Florfliegen mit ihren elfenhaften Flügeln. Sie fallen in Winterstarre und werden oft für tot gehalten und rausgekehrt. Sie sollten – vor dem Frühjahrsputz sicher – in kühler Umgebung überwintern. In warmen Räumen erwachen sie, verbrauchen ihre Energiereserven frühzeitig und müssen dann sterben. Im Frühling, bei Sonne und warmen Temperaturen, ist die natürliche Zeit zum Aufwachen. Dann heißt es Fenster öffnen, denn die Falter und Käfer wollen nun zurück in die Natur, um Eier abzulegen. So können sich Gartenfreunde im Sommer an der nächsten Generation bunter Gaukler und Schädlingsbekämpfer erfreuen.

Die seltenen Siebenschläfer sehen aus wie kleine graue Eichhörnchen. Sie tragen im Herbst mit viel Radau Nistmaterial und Nahrungsvorräte in ihre Behausungen in Erdlöchern, Vogel-Nistkästen, Scheunen oder Dachböden. Die possierlichen Nager machen ihrem Namen alle Ehre und schlummern, zusammengerollt zu einer Kugel, sieben Monate lang, von Oktober bis Mai. Weniger beliebt sind Mäuse, die vor der Winterkälte in die Häuser flüchten. Als Schädlinge gelten aber nur Hausmäuse, die sich auch im Winter kräftig vermehren. In ländlichen Gegenden und am Stadtrand kommen auch Spitz-, Wald- und Feldmäuse durch Ritzen ins Haus. Sie haben im Winter keinen Nachwuchs. Einige von ihnen sind sogar schutzbedürftig, weil ihre natürlichen Lebensräume immer stärker schrumpfen. Wenn sie sich in Nebenräume und nicht gerade in den Vorratskeller eingeschlichen haben, können sie ruhig geduldet werden. Ansonsten eignen sich Lebendfallen zum unblutigen Entfernen der Nager. Geradezu nützlich als Fliegen- und Mückenfänger sind Spinnen und Weberknechte. Manche von ihnen überwintern gesellig. Sie halten über Beinkontakt Verbindung zueinander und können sich so bei Gefahren gegenseitig alarmieren.

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