Zeitung Heute : Wintersport: Interview: "Sie müssen mehr in die Knie gehen"

Frau Mittermaier[haben Sie sich beim Skifahren sc]

Rosi Mittermaier, 51, ist die "Gold-Rosi", seit sie 1976 bei den Olympischen Spielen in Innsbruck zwei Gold- und eine Silbermedaille in Abfahrt und Slalom gewann.

Frau Mittermaier, haben Sie sich beim Skifahren schon mal so richtig hingelegt?

Na, das hat ja jeder schon mal gehabt. Ich bin halt zusammengefahren worden.

Zusammengefahren?

Das ist natürlich eine Sache, auf die man sehr achten muss, wenn man die Piste überquert - deshalb der Tipp: immer nach oben schauen, wenn man abbremsen will.

Also macht auch eine Rosi Mittermaier mal einen Fehler?

Ich bin ja keinem reingefahren, das war doch umgekehrt. Trotzdem, denken Sie daran: Immer am Rand der Piste stehen bleiben. Und vor allem nicht hinter einer Kuppe oder einer Kurve.

Ist Skifahren gefährlich?

Gefährlich? Wenn man nicht über seine Verhältnisse fährt, dann ist Skifahren genauso ungefährlich wie Radl-Fahren. Natürlich sollte man als Anfänger erst einmal eine Skischule besuchen. Muss ja nicht gleich eine ganze Woche sein, aber wenigstens für zwei Stunden mal die ersten Grundbegriffe, das würde ich schon dringend empfehlen, dann hat man auch mehr Spaß.

Was machen Anfänger denn am häufigsten falsch?

Die meisten beugen die Knie zu wenig, die fahren mit steifen Beinen. Und dann neigen sie sich zu sehr an den Hang mit dem Oberkörper. Die meinen dann, sie fallen weg vom Hang. Das ist bei Skischülern auch am schwersten zu überwinden, dass die merken, aha, wenn ich in der Kurve meinen äußeren Ski belaste, stehe ich viel besser, kann die Kurve besser zu Ende fahren.

Das Verletzungsrisiko soll ja umso geringer sein, je besser man vorher trainiert hat. Auf welche Muskeln kommt es denn an?

Die Beine, logisch, da steht man ja drauf. Aber Skifahren ist ein Ganzkörpersport. Da hilft alles, joggen, walken, schwimmen, Radfahren, eigentlich ist jede körperliche Betätigung schon eine gute Vorbereitung. Und dann natürlich Dehnübungen, aber die sollten sie sowieso machen, ob sie Skifahren oder nicht.

Was dehne ich denn da?

Da schaue ich, dass ich mich beweglich halte, die Beine strecke, das Bein irgendwo aufstütze, so waagerecht nach vorne, und den Oberkörper nach vorne neige. Gut ist auch, wenn Sie sich hochstrecken, so tun, als ob Sie Äpfel pflücken. Dann nehme ich meinen Rumpf nach vorne, beug mich nach unten, mach vielleicht ein wenig Bauchtanz, kreise mit den Armen, nach vorn, nach hinten - am besten sie fangen vom Kopf oben an und drehen alle Gelenke runter bis zu den Füßen. Ich mach das beim Zähneputzen, das ist ja sonst sehr langweilig, da kann man dann ein bisschen den Fuß kreisen lassen, oder ich nehme das Bein hinten hoch.

Beim Zähneputzen?

Ist zwar nicht einfach, gleichzeitig weiter zu putzen, aber das ist dann auch gleich eine gute Koordinationsübung.

Sie waren eine erfolgreiche Rennläuferin. Juckt es Sie manchmal noch, eine rasante Abfahrt hinzulegen?

Natürlich, ich habe nur leider keine Piste mehr ganz für mich allein. Außerdem fahre ich sowieso lieber Kurven, vor allem mit diesen neuen, diesen Carver Skiern. Aber es gibt manchmal Tage, wenn man früh morgens auf der Piste steht und noch kein Mensch unterwegs ist, dann packt es mich immer noch.

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