Zeitung Heute : "Wir kommen zu nichts"

Tagesspiegel-Interview mit Paulus Neef, Chef der Berliner Multimedia-Agentur PIXELPARKPaulus Neef, Jahrgang 1960, ist einer der deutschen Multimedia-Pioniere.Der gebürtige Gütersloher baute nach dem Studium einen digitalen Fernsehkanal auf und beschäftigte sich intensiv mit Computeranimation und interaktiven Präsentationssystemen.Seine 1991 mit zwei Freunden gegründete Multimedia-Agentur PIXELPARK in Moabit, der Neef als geschäftsführender Gesellschafter vorsteht, bietet alle Dienstleistungen rund um computergestützte Kommunikation an.Mit Paulus Neef sprach unser Mitarbeiter Burkhard Schröder.

TAGESSPIEGEL : Herr Neef, ihre Multimedia-Agentur expandierte innerhalb von fünf Jahren von drei auf 120 Mitarbeiter.Welchen Rat geben Sie jemandem, der von einer Karriere a la Bill Gates oder Paulus Neef träumt?

NEEF : Man muß sich sehr genau umsehen, welche Trends es gibt und die richtig einschätzen können.Das war damals anders: Wir waren die einzigen.Information und Wissen entscheiden heute alles.Die Konkurrenz ist schon jetzt sehr groß: Es gibt über 500 Multimedia-Firmen in Deutschland.

TAGESSPIEGEL : Das Durchschnittsalter Ihrer Mitarbeiter liegt unter dreißig.Wo haben Sie Ihre Leute geworben?

NEEF : Am Anfang mußten wir noch interdisziplinär suchen, aus den Bereichen Film, Fernsehen, Gestaltung, Grafik und natürlich auch Informatik.Jetzt kommen mehr Leute mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund, Projektmanager, die Kunden und Budgets führen können.Die Pionierzeit der Quereinsteiger ist vorbei: Wir verlangen in der Regel ein Hochschulstudium oder eine abgeschlossene Ausbildung.Es gibt schon so viele gute Agenturen, daß wir auch von dort kreative Mitarbeiter bekommen.

TAGESSPIEGEL : Was unterscheidet eine Multimedia-Agentur von einer normalen Werbeagentur, außer, daß sie mit den digitalisierten Medien arbeitet?

NEEF : Die Erfahrung mit multimedialen Projekten.Wir kombinieren praktisches Wissen mit Marketing.Viele reden schon von "digitaler Markenführung", obwohl sie erst vor ein paar Monaten begonnen haben, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

TAGESSPIEGEL : Sie präsentieren Firmen auch im Internet.Wie sieht es mit der Sicherheit aus?

NEEF : Vollständige Sicherheit wird es nie geben.Ich empfehle aber jedem Internet-Benutzer, sich um die Sicherheit der Daten zu kümmern, z.B.Verschlüsselungsprogramme für die elektronische Post zu benutzen.Die meisten Transaktionen im Netz sind jedoch weitaus sicherer als etwa das Übertragen der Kreditkartennummer über das Telefon.Das wird in den Medien gern übersehen.

TAGESSPIEGEL : Sie sind 1995 zum ersten Präsidenten des "Deutschen Multimedia Verbandes" (dmmv e.V.) gewählt worden, dem über 90 Firmen angehören.Welche Aufgaben hat der Verband?

NEEF : Wir sind dabei, rechtlich exakt formulierte Standard- und Musterverträge zu entwickeln.

TAGESSPIEGEL : PIXELPARK ist einer der Marktführer auf dem Gebiet Multimedia.Warum haben Sie noch keine eigene Homepage im Internet?

NEEF : Das ist wie bei dem Schuster und seinen Schuhen.Wir kommen nicht dazu, weil wir ständig dabei sind, die Homepage anderer einzurichten.

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