Zeitung Heute : Wir müssen draußen bleiben!

Neue Suchtdebatte: Internet-Cafés schließen Schüler zeitweise aus

Kurt Sagatz

Berlins größtes Internetcafé ist organisiert wie ein Waschsalon. Das „EasyEverything“ am Kurfürstendamm kommt so gut wie ohne Personal aus. Nur der Automat muss ab und an mit neuen Wertmarken bestückt werden. Die fast 350 Computer, die rund um die Uhr zum billigen Surfen einladen, laufen von selbst. Und wenn ein Gerät einmal kaputt ist, suchen sich die Kunden halt einen anderen Monitor zum Surfen, Chatten, E-Mailen.

Es ist ruhig im „EasyEverything“, obwohl in der unteren Etage des Internet-Cafés beinahe jeder Platz belegt ist. Anstatt sich direkt zu unterhalten, wird gechattet, mitunter zwischen zwei nebeneinander sitzenden Leuten. Offiziell heißt es, dass Schülern vormittags der Eintritt verwehrt wird. Genauso wie Jugendliche unter 16 spätestens ab 22 Uhr im „EaysEverything“ nichts mehr zu suchen haben und ab 24 Uhr die unter 18-Jährigen nicht mehr Surfen dürfen. Doch wie wird überprüft, ob der morgendliche Surfer nicht in die Lehre geht, und somit nicht unter das freiwillige Schülerverbot fällt? Wer die Schule schwänzt, hat nicht zwangsläufig die auffällige Schultasche dabei.

Überdies fällt es einigen Onlinern schwer, ihre Beschäftigung auch nur für kurze Zeit einzustellen. Da das Internet- Café 24 Stunden am Tag geöffnet hat, muss zum Putzen ein Teil des Ladens abgesperrt werden. Solche Störungen sind bei den Surfern äußerst unbeliebt, da kann es schon mal lauter werden.

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