Zeitung Heute : "Wir sind keine Witztruppe"

NIZZA (sid).Der Wolfsburger Claudio Reyna bereitet DFB-"Spion" Rainer Bonhof bei den US-Boys die größten Sorgen: "Er ist die Schlüsselfigur.Über ihn läuft das ganze amerikanische Spiel." Bonhof, Assistent von Bundestrainer Berti Vogts, hatte den deutschen Gegner zum WM-Auftakt morgen in Paris zuletzt bei zwei Testspielen beobachtet.Vor allem vom 3:0 der US-Boys in Wien gegen österreich zeigte sich der ehemalige Gladbacher beeindruckt."Da haben sie sich als Einheit präsentiert und immer wieder über die schnellen Außen für Gefahr gesorgt."

Keine allzu hohe Meinung hat indes Ex-Europameister Bernd Schuster von den USA."Die werden immer eine kleine Maus bleiben.Ich schätze sogar den Iran noch ein bißchen stärker ein", lästerte der neue Trainer des 1.FC Köln in seiner WM-Kolumne beim "Kölner Express".Solche Töne hören die Amerikaner gar nicht gern.Trainer Steve Sampson warf Berti Vogts bereits öffentlich "Geringschätzung" gegenüber seinen Spielern vor.Beim Testspiel der Amerikaner im Februar in Brüssel gegen Belgien (0:2) hatte der Bundestrainer bereits nach 70 Minuten genug von den Amis gesehen hatte und verschwand."Wenn Berti Vogts 20 Minuten vor Spielende geht", schimpte Samson, "dann zeigt das einen Mangel an Respekt."

Doch der 41jährige warnt trotzig: "Wir sind kein Dritte-Welt-Land mehr.Die Südamerikaner haben das doch auch schon begriffen." Offenbar sind alle im US-Team noch beflügelt vom 1:0 im Februar gegen die zweite Garnitur von Weltmeister Brasilien.Selbst der neue Kapitän Tom Dooley tönt: "Wir haben den Weltmeister geschlagen.Warum sollen wir uns fürchten?" Und Ex-Bundesliga-Profi Eric Wynalda behauptet: "Deutschland ist nicht besser als wir, die haben nur mehr Glück." Vor allem bei Wynalda, als Stürmer in Bochum und Saarbrücken durchgefallen, macht sich dieser Tage ein ausgeprägter Hang zur Selbstüberschätzung bemerkbar.Weil gleich acht US-Kicker in der Bundesliga kicken, oder, wie er, gekickt haben, klopft Team "Deutschland II" erst recht große Sprüche: "Wir wissen doch genau, wo die Stärken der Deutschen sind".

Gewonnen haben die Amerikaner in bislang drei Spielen gegen die Deutschen noch nie, jetzt reden sie sich ein, daß die Serie ein Ende hat: "Gegen die Deutschen haben wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert, unser Team hat eine sehr gute Entwicklung hinter sich", sagt der ziegenbärtige Alexi Lalas: "Wir sind keine Witztruppe.Wenn wir gleich das Spiel gegen Deutschland gewinnen, sind wir praktisch schon in der zweiten Runde."

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