Zeitung Heute : „Wir sollten Bush keine Ratschläge geben“

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USPräsident Bush hat seine neue Strategie für den Irak vorgestellt. Wird sich seine Irakpolitik tatsächlich ändern, Herr Voigt?

Der amerikanische Präsident will offensichtlich an seinem Ziel festhalten, einen stabilen, demokratischen Irak zu schaffen. Wenn dieses Ziel noch erreicht werden kann, würde es deutschen Zielen und Interessen entsprechen. Wie weit das noch realistisch ist, kann ich allerdings nicht beurteilen, das ist ja auch in den USA selbst umstritten.

Wird sich mit Bushs neuer Strategie die Sicherheitslage im Irak verbessern?

Wir haben uns aus guten Gründen nicht militärisch im Irak engagiert und beabsichtigen das auch in Zukunft nicht. Deshalb wäre es vollkommen unangebracht, wenn wir als Deutsche jetzt der amerikanischen Regierung Ratschläge zur militärischen Strategie geben würden. Wir sollten uns dort besser zurückhalten. Bushs Strategie ist auch in den USA durchaus umstritten. Insofern wird sie nicht zu einem Ende der Auseinandersetzung zwischen Bush und dem Kongress führen, sondern sie im Gegenteil eher verstärken.

Wo sehen Sie die deutsche Rolle bei den Bemühungen, den Irak stabiler zu machen?

Auch in Deutschland sollte man ein Interesse daran haben, dass die Amerikaner den Irak stabilisieren können. Deshalb werden wir Deutschen uns mit den Mitteln, die wir haben – diplomatisch und politisch –, um Hilfe bemühen, zum Beispiel durch Kontakte mit den Nachbarstaaten. Die Baker-Kommission hatte solche direkten Kontakte vorgeschlagen, das scheint die amerikanische Regierung nicht zu wollen. Aber wir haben als deutsche Regierung direkte Gesprächskontakte zu Syrien und Iran. Wir wollen durch Gespräche versuchen, deren Haltung zu ändern. Aber auch wir haben verstehen müssen, dass dies außerordentlich schwer ist. Und auf jeden Fall gilt auch, dass unsere Kontakte keine direkten Gespräche der Vereinigten Staaten ersetzen sollen.

Karsten D. Voigt ist Koordinator für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt.

Das Gespräch führte Fabian Leber.

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