Zeitung Heute : "Wir stehen erst ganz am Anfang"

Die Softwarefirma Realnetworks aus den USA hat es sich zum Ziel gemacht, Ton und Video in das Internet zu bringen und es damit zu einem neuen Massenmedium umzugestalten.Über das Unternehmen und die Zukunft des Netzes sprach Holger Schlösser mit dem Gründer und Geschäftsführer, Rob Glaser.



TAGESSPIEGEL: Herr Glaser, vor vier Jahren haben Sie Ihr eigenes Unternehmen gegründet, wo steht Realnetworks heute?

GLASER: Wir haben heute über 20 Millionen Anwender unserer Produkte.Verglichen mit anderen Firmen, die so jung sind, ist das unglaublich viel.Das Internet gibt Ihnen aber die Möglichkeit, eine riesige Zahl von Menschen zu erreichen.Wir zielen daher auf die gesamte Menschheit von fast sechs Milliarden potentiellen Usern, die alle mit Audio und Video kommunizieren, einfach aus dem Grund, weil sie alle reden, zuhören und zuschauen.Aus unserer Sicht wird die Verbreitung dieser Technologie so groß, wie es beim Telefon und Fernsehen bereits heute ist.Es scheint, wir stehen erst ganz am Anfang.

TAGESSPIEGEL: Das bekannteste Produkt aus Ihrem Haus ist der Realplayer, was sind die Vorteile dieser Technologie?

GLASER: Als es den Realplayer noch nicht gab, mußten Sie, wenn Sie Töne hören oder ein Video sehen wollten, die entsprechenden Dateien erst komplett herunterladen.Das kostete Zeit.Was unsere Player machen, ist das Signal zu komprimieren, so daß Sie bereits nach einigen Sekunden einen kontinuierlichen Strom von Informationen haben, ganz wie Fernsehen.Verbunden mit dem Internet können Sie Programme aus der ganzen Welt verfolgen.Es ist, wie eine ganze Videothek zur Verfügung zu haben.

TAGESSPIEGEL: Sehen Sie dramatische Veränderungen auf das Internet zukommen?

GLASER: Ich glaube nicht, daß etwa die Text-E-Mail tot ist.Die Leute lesen auch in einer Welt, in der es Radio und Video gibt.Die Frage ist, wieviel Zeit sie mit dem geschriebenen Wort verbringen.Die Leute verbringen heute in den USA sechsmal mehr Zeit mit Video als mit Printmedien.Auf lange Sicht gibt es keinen Grund zu glauben, daß sich das Internet davon unterscheiden wird.

TAGESSPIEGEL: Was sind die Haupthindernisse für das Internet auf dem Weg zum Massenmedium?

GLASER: Es gibt ein technisches Hindernis und das ist die Bandbreite.Wir machen zwar große Fortschritte hier, aber es wird noch eine Weile dauern.Zudem gibt es noch zu wenig kreative Leute, die Inhalte schaffen und dabei die Vorteile des Internets wirklich nutzen.

Ursprünglich war das Internet textorientiert, doch multimediale Elemente wie Audio und Video werden immer beliebter.Lange Zeit gab es nur ein Problem: herkömmliche Audio-Dateiformate wie "wav"-Files sind für die Online-Übertragung nicht konzipiert worden.Erst mit dem "RealAudio"-Player war es möglich, Töne im Netz live zu hören.Dazu werden die Audiofiles komprimiert übertragen und auf dem eigenen PC kurz zwischengespeichert.Nun ist ein Abspielen möglich, während auf der anderen Seite ständig neue Daten aus dem Netz abgerufen werden.Kommt es allerdings zu einem Netzwerkstau, wird die Übertragung unterbrochen.Abhilfe verspricht das neue "RealSystem G2", das seit wenigen Tagen verfügbar ist.Durch neue Kompressionsverfahren soll die Qualität von Audio- und Videofiles deutlich gesteigert werden.Trotz aller Probleme nutzen Radio-Stationen rund um den Globus bereits die neuen Möglichkeiten.Die neueste Version des Realplayer kann neben Tönen auch Bilder übertragen.Der "RealAudio"-Client ist kostenlos im Netz unter www.realaudio.com herunterzuladen.

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