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VOLKER STRAEBEL

"Hören & Sagen": Katzer und Zender moderieren Akademie-KonzerteVOLKER STRAEBELZu dem, was die West-Akademie durch die Vereinigung mit ihrer Schwesterinstitution gewonnen hat, gehört die Wertschätzung der elektroakustischen Musik, die sich unter anderem in dem von Georg Katzer in DDR-Zeiten gegründeten Akademie-Studio manifestiert.Mit den beiden dort produzierten Werken von Lutz Glandien und Hans Tutschku betonte Katzer in seinem für die Reihe "Hören & Sagen" zusammengestellten Programm die expressive Seite elektronischer Musik.Während Glandien in "Cut" (1988) den aus analogen Samples aufgebauten, sich nach strenger Struktur verdichtenden Klangverläufen ruhigere, klangschön improvisatorische Flächen entgegenstellt, setzt Tutschku in "...erinnerung ..." ganz auf die emotionale Verdoppelung eines selbstquälerisch verzweifelten Textes von Antonio Buena Tubia.Die aus der Stimme des Autors errechnete Klangfülle erschlägt den Hörer ebenso wie die in atemberaubendem Tempo abschnurrende Tonfolge der Baßklarinette (Heiner Reinhard gewinnt das Rennen) in Horacio Vaggiones "Tar" mit Zuspielband.Dem setzte Mario Bertoncini in seinem "Cifre" für Klavier und Live-Elektronik die ruhige Entdeckerfreude an geräuschhaften Klängen entgegen.Fein gesetzte Kontraste gestrichener und gezupfter Saiten bestimmen neben perkussiven Aktionen am Klavierkorpus Bertoncinis Klangwelt, die auch seine Interpretationen der "4 Systems" von Earle Brown und John Cages "Cartridge Music" prägt. Cage bemühte auch Hans Zender in dem von ihm moderierten Konzert.Als Ausdruck "objektivierter Freiheit" wollte er dessen spätes "Four" verstanden wissen, in dem das Arditti Quartet seinen Mut zu senza vibrato und extremem piano mit der Bloßlegung jeder Schwankung in Bogendruck und -geschwindigkeit bezahlte.Zenders eigene Streichquartette "Hölderlin lesen" I und III führten schließlich die musikalische Rede mit der des Dichters zusammen, der Salome Kammer in klarer Diktion trefflich Ausdruck verlieh.Daß die zeichentheoretische Reflexion des Komponisten von seinen Werken nicht eingelöst wird, spricht dabei nicht gegen sie.Ihr fragmentarischer Charakter, die stimmige Reihung dichter Momente im avancierten Idiom der Musik der 80er Jahre rundet sich doch zum kohärenten Ganzen, das der strukturellen Begründung nicht unbedingt bedarf. Abschlußkonzert heute um 20 Uhr in der Akademie der Künste.

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