Zeitung Heute : „Wir wollen hier nie wegziehen“

Der Tagesspiegel

Hohenschönhausen. Helle, farbenfrohe Häuser, akkurat gestaltete Grünflächen, viele Spielplätze und kaum Graffitis: Der Norden Hohenschönhausens macht einen gepflegten Eindruck. Am Sonnabendvormittag sind viele Anwohner aus dem Wohngebiet an der Zingster Straße unterwegs. Alt und Jung, bepackt mit vielen Tüten geht es zum Wochenmarkt. Würde die Straßenbahn nicht ab und zu bis zur Wendeschleife rollen, wäre die Idylle perfekt. Doch auch am Rande Berlins ist die Großstadt allgegenwärtig.

Unzählige Autos parken in der langgestreckten Straße, die bis ins Siedlungsgebiet führt. „Wenn ich einkaufen gehe, brauche ich es aber nicht“, erzählt Horst Graehlert. Schließlich gebe es genügend Geschäfte fast direkt vor der Tür.

Gemeinsam mit seiner Frau lebt der pensionierte Kraftfahrer seit fast 20 Jahren in einem Plattenbau. Seit der umfangreichen Sanierung ist das Ehepaar noch zufriedener. Das Bad gefliest, Fenster, Heizungen, Leitungen, Kabel - alles wurde erneuert. Sogar der Hausflur wurde mit Teppichboden ausgelegt. Und auch die Miete sei erschwinglich.

Für ihre 70 Quadratmeter große Zweieinhalbzimmer-Wohnung verlangt die Wohnungsbaugesellschaft Hohenschönhausen (HOWOGE) 507 Euro warm. „Wir würden nie auf die Idee kommen, hier wegzuziehen“, sagt Christel Graehlert. Die 64-Jährige kann deshalb die vielen negativen Schlagzeilen über „miese Ost-Plattenbauten“ nicht verstehen. Auch ihr Mann hat die Erfahrung gemacht, dass meist diejenigen über die Platte am östlichen Standrand herziehen, die noch nie vor Ort waren. Er selbst hat schon viele Plattenbauten im Westteil der Stadt gesehen, die eine Sanierung dringend nötig hätten. „Von Standards wie in Hohenschönhausen ist man dort doch noch sehr weit entfernt.“

Doch der Komfort in den gepflegten Häusern hat seinen Preis: Die großangelegten Sanierungen der Wohnungsbaugesellschaften in den östlichen Plattenbaugebieten sind ein Grund für die hohen Schulden der Unternehmen. Nach Aussage der HOWOGE-Sprecherin Angela Reute, betragen die Verbindlichkeiten der Gesellschaft rund 1,4 Milliarden Euro.Mieterumfragen bestätigen der HOWOGE allerdings den richtigen Kurs.

„Die Leute leben gern in unseren Quartieren“, betont Angela Reute. Neben der Ausstattung und der bezahlbaren Miete loben die Anwohner die guten Einkaufsmöglichkeiten, günstige Verkehrsanbindungen und eine hohe Lebensqualität durch das viele Grün. bey

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