Zeitung Heute : Wird Microsoft Marktführer?

KLAUS GÜRTLER (AP)

Die nächste Runde im sogenannten Browserkrieg ist eingeläutet.Die beiden Marktführer haben die Beta- beziehungsweise Entwicklerversionen ihrer neuen Produkte vorgestellt: den Microsoft Internet Explorer 5.0 und den Netscape Communicator 4.5.Vor allem in den USA wird aber vielfach die Frage gestellt, ob dies eigentlich noch ein fairer Wettkampf ist.Ob die vollständige Integration des Explorers in das neue Microsoft Betriebssystem Windows 98 rechtens ist, wird wohl vor Gericht entschieden.

Festzustellen ist aber, daß Netscape Umfragen zufolge im vergangenen Jahr immer noch Marktführer war.Allerdings konnte Microsoft vor allem bei den kleineren Betrieben deutlich mehr als Netscape zulegen.Der Internetdienstleistungsanbieter AdKnowledge bestätigt diesen Trend.Ende Juni hatte Netscape demzufolge noch einen Marktanteil von 52,2 Prozent, was aber einem Rückgang um 8,9 Prozent entspricht.Zugleich konnte der Internet Explorer 9,6 Prozent zulegen auf 45,6 Prozent.Bei Windows 95 haben die Konkurrenten inzwischen gleichgezogen.

Mit Skepsis sieht die weitere Entwicklung beispielsweise NetAction , eine Microsoft kritisch gegenüberstehende Organisation.Einer Untersuchung dieser Gruppe zufolge ist eine marktbeherrschende Stellung des Unternehmens bei den Browsern eigentlich nur noch eine Frage der Zeit.Wie NetAction ermittelte, gibt es bei einigen Online-Diensten in den USA die Zugangssoftware nur noch mit dem Explorer von Microsoft.Dies gilt auch für alle großen Anbieter von Internetzugängen.Einige sollen sich sogar geweigert haben zu erklären, wie andere Browser installiert werden können.Dabei ist NetAction zufolge allgemein ein Trend weg von Netscape zu beobachten.Online-Dienste, die vor kurzem noch beide Browser angeboten hätten, böten jetzt nur noch Microsoft an.Bei anderen, die früher ausschließlich Netscape angeboten hätten, gebe es jetzt auch Microsoft.

In Deutschland sieht es ähnlich aus.Beim größten hiesigen Online-Dienst hat der Kunde aber noch die Wahl: T-Online bietet seinen 2,25 Millionen Kunden den Zugang sowohl mit Netscape als auch mit Microsoft an.Bei AOL und Compuserve, die mit 600 000 beziehungsweise 250 000 Kunden, auf den weiteren Plätzen liegen, gibt es die Zugangssoftware nur mit integriertem Microsoft Internet Explorer.Wer will, kann aber auch jeden anderen Browser benutzen.Den muß man sich erst besorgen, zusätzlich installieren und einstellen, was aber keine großen Schwierigkeiten macht.Andere Browser müssen in dieser Situation mit Besonderheiten auf sich aufmerksam machen, um in Nischen zu überleben und vielleicht wachsen zu können.

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