Wirtschaftsweiser wird privat : Rürup sichert seine Rente
21.11.2008 00:00 UhrFür die Linkspartei ist der Wechsel „an Schamlosigkeit kaum noch zu überbieten“. Der Betroffene selber indessen verkauft seine Entscheidung als das Normalste von der Welt. „Nach 40 Jahren in Universitäten und Wissenschaft wollte ich noch einmal etwas Neues beginnen“, sagt Bert Rürup. So begibt sich der 65-jährige Chef der Wirtschaftsweisen nun in die Welt der Privatwirtschaft – und nutzt als „Chefökonom“ des Finanzmaklers AWD künftig ein bisschen das, was er als Regierungsberater so erfolgreich vorangetrieben hat. Der Erfinder und Namensgeber der „Rürup-Rente“ – neben der Riester-Ren te die wichtigste Form privater Altersvorsorge – hilft dem börsennotierten Konzern nun verantwortlich und in vorderster Reihe bei der „Erschließung neuer Märkte für betriebliche und private Altersvorsorgeprodukte“.
Von persönlichem Profit aber kein Wort. Es gehe ihm darum, sagt der Professor aus Darmstadt, „für die Menschen innovative und nutzbringende Lösungen in der Praxis mitzuentwickeln“. Und die Firma, in der Vergangenheit wegen ihrer Vertriebspraktiken nicht immer in seriösestem Ruf, ist mächtig stolz auf ihr neues Aushängeschild. Allein für das Aufzählen von Rürups regierungsamtlichen Beratertätigkeiten der vergangenen Jahre benötigte AWD-Kommunikationsdirektor Béla Anda – einst Regierungssprecher unter Kanzler Gerhard Schröder – am Donnerstag den längsten Absatz seiner Pressemitteilung.
Wie man sich mit politischem Engagement für private Altersvorsorge die eigene Rente sichert, hat bereits Friedrich Bohl vorexerziert. Der frühere CDU-Politiker und Chef des Bundeskanzleramtes unter Helmut Kohl sitzt seit 1998 im Vorstand der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) – die ihr Geld natürlich auch mit Riester-Verträgen verdient. Dass die Konzerne von der staatlich geförderten Absicherung stärker profitieren als die Versicherten, gilt manchem Verbraucherschützer längst als sicher.
Rürups Beraterkollegen sehen im Seitenwechsel des Rentenprofessors dennoch nichts Anrüchiges, auch das Wirtschaftsministerium beschränkt sich aufs Danken. Dafür wettert die Linke. Erst habe Rürup der Regierung „das Drehbuch für die Zerschlagung der gesetzlichen Rente geschrieben, nach dem Millionen in die Arme der Versicherungskonzerne getrieben wurden“, schimpft Fraktionsvize Klaus Ernst. Nun kassiere Rürup dafür „das ganz große Geld“. Man dürfe gespannt sein, „wer der nächste Kriegsgewinnler im vermeintlichen Kampf gegen die Altersarmut sein wird“.
Wenn er bloß nicht Walter Riester heißt. Dass er nicht mehr für den Bundestag antritt, hat der Ex-Minister schon angekündigt. Rainer Woratschka








