• WM in Katar – ein Wintermärchen? Fifa-Generalsekretär Valcke verkündet einen neuen Termin und sein eigener Verband pfeift ihn zurück

Zeitung Heute : WM in Katar – ein Wintermärchen? Fifa-Generalsekretär Valcke verkündet einen neuen Termin und sein eigener Verband pfeift ihn zurück

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Berlin - Mit überraschenden Äußerungen über den Termin der Weltmeisterschaft 2022 in Katar hat der Generalsekretär des Fußballweltverbands Fifa, Jerome Valcke, einen heftigen Streit provoziert. Die WM finde nicht wie üblich im Sommer statt, wahrscheinlich sei stattdessen ein Zeitraum „zwischen dem 15. November und dem 15. Januar“, sagte Valcke, am Mittwoch. Ob dies in der Saison 2021/22 oder 2022/23 geschehen soll, ließ der Franzose offen. Die Verbandszentrale in Zürich reagierte umgehend und bestritt, dass darüber bereits eine Entscheidung getroffen worden sei.

Grund für die angedachte Verlegung sind die Temperaturen im Wüstenstaat. Während es im Sommer oft mehr als 40 Grad warm wird, würden die Profis im Winter „bei einer Durchschnittstemperatur von 25 Grad auflaufen. Das ist perfekt, um Fußball zu spielen“, sagte Valcke.

Die Fifa betonte, über das Datum werde nach wie vor beraten, bei den Äußerungen des Generalsekretärs handele es sich lediglich um „seine eigene Meinung“. Anfang Oktober hatte der Weltverband eine Task Force gegründet, die den geeigneten Termin finden soll und bei ihrem Entscheidungsprozess die Meinung von Spielern, Vereinen, Ligen, Verbänden, Sponsoren und Medien einbeziehen soll. Da das Turnier erst in acht Jahren anstehe, sei keine Eile geboten, hieß es. Das Fifa-Exekutivkomitee, dem neben Valcke auch Verbandspräsident Joseph Blatter und der ehemalige Chef des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, angehören, werde sich deshalb nicht vor der WM in diesem Sommer in Brasilien entscheiden.

Fifa-Vizepräsident Jim Boyce zeigte sich „vollkommen schockiert“ über Valckes Äußerungen. „Ich kann zu 100 Prozent bestätigen, dass keine Verschiebung der WM beschlossen ist. Der Plan war, über die WM in Katar bis Dezember Ende dieses Jahres nicht weiter zu diskutieren“, sagte er dem Sender Sky Sports News. „Stand jetzt bleibt das Turnier im Sommer.“

Auch Zwanziger betonte, es gebe „noch keinen formalen Beschluss, den Sommertermin aufzugeben“. Dennoch hält es der frühere DFB-Chef für wahrscheinlich, dass es letztlich zu dem Termin im Winter kommt. Der Präsident des Weltverbands, Joseph Blatter, hatte sich schon zuvor aus Respekt vor „der olympischen Organisation“ für einen Termin Ende 2022 ausgesprochen, der nicht mit den Winterspielen kollidiert.

Die internationalen Fußballligen sind größtenteils gegen eine Verschiebung des Turniers in die Wintermonate, weil ihr Spielplan dann komplett umgestellt werden müsste. Auch in Deutschland hatten sich Klubs, Sponsoren und Fans zuletzt mehrheitlich für eine Beibehaltung des Sommer-Termins ausgesprochen. Auf europäischer Ebene ist die Skepsis gegenüber einer WM im Winter ebenfalls groß.

Die hohen Temperaturen, die in Katar im Sommer herrschen, waren von Anfang an einer der großen Kritikpunkte, die nach der Vergabe der WM an das Emirat im Dezember 2010 aufkamen. Darüber hinaus gab es immer wieder Berichte über Korruption. Den Veranstaltern wurde zudem vorgeworfen, die Arbeiter auf den WM-Baustellen menschenunwürdig zu behandeln. So waren im Sommer 44 nepalesische Gastarbeiter bei Bauarbeiten ums Leben gekommen.

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