Zeitung Heute : WM-SPOT(T)

JUS

Gestern begann die WM - und schon steht fest, wer am Ende als Sieger hervorgehen wird: der FC Bayern München.Denn: Kein Bundesliga-Spitzenteam kann bei diesem Championat seine Kicker so schonen wie der Klub des Kaisers

Mario Basler erholt sich, hey, auf Bora-Bora - und wird nächste Saison an den Gegnern so leichtfüßig vorbeitänzeln, als wären es Südsee-Schönheiten im Hula-Hula-Röckchen.

Mehmet Scholl kehrt in den Sommermonaten zu bayerischem Weißbier als Lieblingsgetränk zurück - was ihm durchaus wieder die Kraft von ehedem veleihen wird.Berti soll sich noch die Augen reiben über den Wirbelwind!, hoffen sie an der Isar.

Giovane Elber verliert dank seiner Nicht-WM-Nominierung die Verkrampfung, es besonders gut machen zu wollen, um zur WM zu kommen - und wird auftrumpfen wie einst in Stuttgart.

Stefan Effenberg wird sich in diesem Sommer so akkurat auf den Saison-Start vorbereiten wie noch nie - denn es gilt in Höchstform zu sein, um über sämtliche Mobbing-Hürden hinweg in die Hauptrolle des FC Hollywood zu springen.

Basler, Elber, Effe und Scholl - vier WM-Glücksfälle für den FC Bayern, keine Frage.Doch auch in Frankreich selbst läuft es wie geschmiert für sie

Helmer, Hamann, Babbel, Kahn, Tarnat und Matthäus - Berti packt sie fast alle in Watte.Kaum einer der Bayern-Kicker soll in die Schlacht geschickt werden.Zumindest anfangs nicht.Was bedeutet: Während Möller, Häßler, Thon undsoweiter sich erst einmal die Hacken wundlaufen und die Kohler, Wörns & Co.sich eine Gelbe Karte nach der anderen holen, können die Bayern-Kicker geruhsamen Aufbau betreiben, um im Pariser Finale am 10.Juli dann schließlich Platz und Ruhm der bis dahin Geschlauchten einzuheimsen.

Etwas schwerer hat es zwar Jens Jeremies.Aber dieser Neu-Bayer ist ja bis jetzt noch ein Sechziger.Und die Lorantschen Löwen halten schon was aus, sind es zu leiden gewohnt.Der Sachse wird auch nach einer durchgespielten WM genügend Power für einen starken Herbst besitzen.

Ein gehörig Maß an Power wird zwar auch der neue Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld zu demonstrieren haben.Und sein Job wird beileibe nicht zum reinsten Zuckerschlecken geraten.Aber die Aufgabe dünkt wie ein Kinderspiel gegen das, was der Bayern-Coach 1974/75 - Udo Lattek - in Angriff zu nehmen gezwungen war: Damals, vor 24 Jahren, wurde Deutschland Weltmeister.Mit einem halben Dutzend Bayern im Team: Beckenbauer, Schwarzenbeck, Maier, Hoeneß, Müller und Breitner.Die so ausgelaugt in die Liga zurückkehrten, daß der FCB in der WM-Nach-Saison nur blamabler 10.wurde.Lattek mußte denn auch seinen Hut nehmen, während die Spieler blieben und es später bis zum Präsidenten und Manager des Klubs brachten.

Derlei ist von Mario Basler nicht zu befürchten.

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