Zeitung Heute : WM-SPOT(T)

Diese Fußball-Weltmeisterschaft besitzt vieles, auf das die Menschheit gerne verzichten würde.Dafür fehlt der WM andererseits vollkommen das, was die Menschheit am liebsten hat: Sex.Zumindest aus hetero-männlicher Sicht betrachtet ist diese Kickerei der reinste Reinfall - nichts als Kerle im Mittelpunkt.Und nicht einmal der Ansatz einer Gail Devers oder einer Anna Kurnikowa ist in den Stadien von Paris, Lyon oder Toulouse zu entdecken.Dabei rennen und hüpfen diese Grazien doch ansonsten auf olympischen Tartanbahnen oder auf Tennisplätzen geradezu scharenweise herum.

Die einzigen aufregenden weiblichen Wesen, die wir bei diesen Weltmeisteschaftstagen in Frankreich zu sehen bekommen, sind die Schlachtenbummlerinnen des jamaikanischen Teams, und die befinden sich inzwischen nun wohl auch schon auf der Heimreise.Außerdem finden die Ausblicke in karibische Dekolletés nur sekundenweise statt, denn sofort kehren die Kameras wieder auf das Spielfeld zurück, wo oftmals tote Hose herrscht und sonst nichts.Wir nehmen mal aus gegebenem Mißtrauen an, daß bei dieser WM hauptsächlich von der Gleichstellungsbehörde geschulte Kamerafrauen zum Einsatz kommen.Und nicht, wie beim Eiskunstlauf etwa, Kamera-Männer.

Kein Wunder also, daß eine in Israel durchgeführte Befragung, die wohl durchaus als weltweit repräsentativ gelten darf, ergab, daß 26 Prozent aller Befragten wegen der Weltmeisterschaft ihr Sexual-Leben reduziert haben.Der Jubel (oder Ärger) über das, was auf dem grünen Rasen passiert, läßt an diesem Abend keine weiteren Emotionen beim männlichen Betrachter mehr zu.

Selbst Bill Clinton dürfte an dieser WM so gut wie nichts sexy finden - mit Ausnahme des WM-Programmes vielleicht, das sein Halbbruder Roger Clinton in Frankreich absolvierte: The first halfbrother tröstete sich über die US-Fußball-Schlappen mit einem Besuch im Moulin Rouge hinweg.Dort werden bekanntlich die schönsten Halbbälle der Welt zur Schau gestellt.

Was Mr.Clinton zwar durchaus gegönnt sei, aber unsereinem auch nicht weiter hilft.Denn im Stadion oder am Bildschirm sehen wir nur ganze Bälle, und die werden eher mißhandelt statt liebkost.Und dies wird sich in den Spielen des Achtel- und Viertelfinales kaum ändern.Aber vielleicht bauen sie dazwischen ja noch Spiele eines Sextel-Finales ein.Die würden uns sehr gefallen.Und wir würden alles daran setzen, uns dafür zu qualifizieren.jus

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