Zeitung Heute : WM-SPOT(T)

Als der WM-Reporter dieses Wochenende rasch von Paris nach Hause jettete, um mal wieder nach dem Rechten zu sehen, erlebte er eine hübsche Überraschung: Seine Frau hatte eine neue Frühstücks-Sitz-Ordnung entworfen.Der Reporter verlor dabei seinen üblichen Stammplatz an der rechten Außenlinie des Tisches an die Tochter, die wiederum mit dem jüngsten Sohn tauschen mußte, während der ältere Filius seinen Platz im Mittelfeld des Tisches an die Mama abzugeben hatte.Nicht nur der Roporter, sondern alle anderen maulten: "Wir wollen unseren Stammplatz haben!", erhoben wir Protest.

"Papperlapapp!", sagte die Erfinderin dieses Wechselspielchens."Ich mache es ab heute wie der Berti!"

"Du willst mich austauschen?", fragte ich.

"Nein - ich ändere nur täglich die Essens-Sitz-Ordnung! Wie der Bundestrainer.Er läßt jeden Tag neu anordnen.Mal Dreier-, mal Fünfer-, mal Achter-Tische.Daß immer wieder neue Spieler zusammensitzen."

"Und welchen Zweck soll das haben?"

Meine Frau schlug die Augen zur Decke über soviel Nichtwissen ihres Mannes: "Damit sich keine Cliquen und Gruppen bilden können! Und damit festgefahrene Strukturen aufgeweicht werden!"

Daß wir Strukturen hatten, war mir neu.

"Und daß", fuhr die Gattin mit ziemlich durchdringend auf mich gerichteten Blick fort, "immer ein frischer Wind weht!"

Er schien mir ziemlich stark zu wehen."Könnte es passieren", fragte ich vorsichtig nach, "daß ich bei diesem System eines Tages vielleicht auf dem Liegefell des Hundes mein Abendessen bekomme ..."

"Warum nicht? Ich habe gehört, daß Berti nach dem Jugoslawien-Spiel erwogen hat, die Spieler Ziege und Möller an Einzeltischen alleine frühstücken zu lassen - und zwar nicht auf, sondern unter dem Tisch!"

Wir guckten alle spontan unter den unseren - denn wo war eigentlich Opa? Nun, dem wurde das Frühstück ans Bett serviert."Das stabilisiert seinen Stolz und erhöht die Motivation - ältere Herren brauchen das!"

"Dann müßte eigentlich der gesamten deutschen Mannschaft das Frühstück ans Bett gebracht werden", murmelte ich.

"A propos Bett", wurde meine Frau wieder sachlich, "das spielt natürlich auch noch eine große Rolle! Du darfst heute Nacht mal auf der Couch schlafen."

"Und was ist mit dem frischen Wind?", fragte ich kleinlaut.

"Den erhältst du natürlich auch", lächelte meine Frau.Und öffnete das Fenster.jus

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